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Hendricks-Kampagne

Kommentar: Dialog statt Wahlkampfgetöse, Frau Ministerin!

Sabine Leopold, agrarmanager
am
07.02.2017

Das Bundesumweltministerium klopft seit gestern Sprüche gegen die deutsche Landwirtschaft. Das Niveau liegt ungefähr bei Kindergartensprache. Barbara Hendricks droht nun gar, Lebensmittelerzeugung habe keine Zukunft. Ein Kommentar von agrarmanager-Redakteurin Sabine Leopold.

"Landwirtschaft hat nur dann eine Zukunft, wenn sie Artenvielfalt, Klimaschutz und die Gesundheit der Menschen berücksichtigt" - Barbara Hendricks.

Wer so formuliert, hat vergessen, was Hunger und zerstörte Landschaften sind

Sehr geehrte Frau Bundesministerin,

ein kleiner Denkanstoß: Landwirtschaft ist kein privater Zeitvertreib, kein beliebter Freizeitsport, kein künstlerisches Hobby, keine Luxusgüterproduktion. Landwirtschaft hat immer eine Zukunft, muss sie haben, solange es Menschen gibt, die essen wollen. Die Frage ist bestenfalls, wo diese Landwirtschaft stattfindet und wie viele Menschen sie satt macht von der begrenzten Agrarfläche, die uns heute noch zur Verfügung steht.

Ihre oben gewählte Formulierung beweist allerdings ungewollt etwas: Wenn selbst eine Bundesministerin mit akademischem Abschluss nicht mehr begreift, dass die Nahrungsgütererzeugung die Basis jeder Gesellschaft ist und dass man ihr nicht einfach mal die Existenzberechtigung absprechen kann, weil man meint, eine der gesündesten, nachhaltigsten und leistungsfähigsten Agrarproduktionen weltweit sei irgendwie nicht gesellschafts- oder politikkonform, hat eben jene gescholtene Landwirtschaft wohl alles richtig gemacht. Denn selbst Sie, Frau Hendricks, haben offenbar bereits völlig vergessen oder verdrängt, was Hunger, Mangelkrankheiten, unsichere Lebensmittel – und ja: was zerstörte Landschaften wirklich sind.

Der Spagat zwischen effizienter Erzeugung und Ressourcenschonung ist nicht leicht

Landwirte schützen bereits heute nach Kräften Boden, Klima und Wasser. Dass das nicht immer perfekt gelingt, liegt auch daran, dass wir uns alle stets weiterentwickeln, Erkenntnisse umsetzen und Herausforderungen annehmen müssen. Und dass der Spagat zwischen einer effizienten Erzeugung gesunder und günstiger Lebensmittel und der maximalen Schonung aller Ressourcen keine einfache Übung ist. Dafür bräuchte es die Unterstützung aller und nicht den Fingerzeig auf eine kleine Berufsgruppe, die neben der sicheren Lebensmittelversorgung gefälligst auch noch den Umweltschutz für die Gesamtgesellschaft zu gewährleisten hat und nebenbei dem urbanisierten Bürger den Landschmerz wegpusten soll. Seit gestern beweisen Sie und Ihr Ministerium allerdings, dass Ihnen an dieser Zusammenarbeit im Sinne von Natur und Ernährungssicherheit nichts liegt.

Deshalb geben wir Ihnen gern ein anderes Zitat mit auf den Weg:

"Politische Karrieren haben nur dann eine Zukunft, wenn sie die Interessen aller Mitglieder der Gesellschaft berücksichtigen, keine Gruppe leichtfertig politischem Kalkül opfern und Wahlkampfgetöse nicht vor den Dialog stellen."

Herzlichst,

Sabine Leopold, Redaktion agrarmanager

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