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Kommentar: Die Sache mit der "Lobby"

Maisernte
am
29.04.2019
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Eine Studie der Uni Bremen schlägt schon vor Veröffentlichung hohe Wellen. Es geht um Lobbyismus in der Agrarpolitik.

Zur eigentlichen Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen kann ich nichts sagen. Ich würde es gern, doch die Arbeit ist noch nicht öffentlich verfügbar. Der Grund: Die Studie wurde im Auftrag des NABU erstellt – und der veröffentlicht sie erst heute Abend, kurz vor einer lautstark angekündigten ARD-Sendung namens "Gekaufte Agrarpolitik?" Wieso die ARD und auch die Süddeutsche Zeitung bereits Zugriff auf den Inhalt der Analyse haben und wer die Daten herausgegeben hat, darüber hüllt sich das Institut in Schweigen. Dr. Tina Schneider von der Geschäftsstelle konnte oder wollte gegenüber agrarheute keine Auskunft geben.

Handverlesene Medienpräsenz

Es läuft also wie immer, wenn NABU und Co. im Spiel sind: Eine brisante Untersuchung wird medial "begleitet", die Pressevertreter sind dabei handverlesen. Nur so ist sichergestellt, dass sich die Angeprangerten nicht von Anfang an mit sachlichen Argumenten zur Wehr setzen, sondern nur noch mit dem Rücken zur Wand Schadensbekämpfung versuchen können.

Dass das der vollumfänglichen, objektiven Information von Zuschauern und Lesern dient, darf zumindest bezweifelt werden.

Die Frage ist schon beantwortet

Ach ja: Das Fragezeichen im Titel der ARD-Sendung ist übrigens reine Makulatur. Im bereits verfügbaren Trailer wird mit den altbekannten Mitteln gearbeitet: Ein Güllefass verbreitet großzügig braune Brühe – "Gift", wie der geneigte Zuschauer längst weiß. Und dazu erklärt ein Protagonist, was Sache ist: Die "Agrarlobby" habe es über viele Jahre geschafft, eine Verschärfung der Düngeverordnung zu verhindern.

Diese fragwürdige Behauptung alleine lässt ahnen, wer hier Stichwortgeber ist und welche Schlussfolgerung die Sendung haben wird. Am Ende des Trailers verrät das auch die ARD selbst mit der Unterzeile: "Gekaufte Agrarpolitik? Wie Industrie und Agrarlobby durchregieren".

Guter und schlechter Lobbyismus

Übrigens: Dass die Studie im Auftrag des NABU erstellt wurde, erfährt man in der ARD-Programmankündigung gar nicht und im Artikel der Süddeutschen Zeitung erst irgendwo auf Seite 2. Lobbyismus gibt es eben nicht nur in Industrie und Landwirtschaft.

Die Sendung "Gekaufte Agrarpolitik? Wie Industrie und Agrarlobby durchregieren" läuft am heutigen Montag um 22:55 Uhr in der ARD.

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