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Kriegsfolgen

Krieg und Dürre verschärfen Hunger: Können deutsche Bauern helfen?

Hilfesuchende in der Warteschlange
am Dienstag, 05.04.2022 - 08:30 (14 Kommentare)

Die schlimmste Dürre seit 40 Jahren bedroht die Menschen in Ostafrika. Der Krieg in der Ukraine verschlimmert die Situation zusätzlich. Doch einfach mehr anderswo anbauen, ist nicht so einfach.

Landwirtschaft ist überall auf der Welt eine Wette gegen das Wetter. In Ostafrika haben die Landwirte wieder einmal verloren. Normalerweise gibt es zwei Regenzeiten; eine im Herbst und eine im Frühjahr. Das reicht, um Ackerbau zu betreiben und ein paar Stücke Vieh zu halten. Jetzt sind die letzten drei Regenzeiten ausgeblieben, die Vereinten Nationen sprechen bereits von der schlimmsten Dürre seit 1981.

Der Krieg in der Ukraine tut sein Übriges: Zum einen fehlt ukrainisches und russisches Getreide. Zum anderen fehlen finanzielle Hilfen. Das Welternährungsprogramm fürchtet, dass in Somalia, Äthiopien und Kenia allein 13 Millionen Menschen von Hunger bedroht sind.

Deutschlands Landwirte wollen produzieren statt Flächen stilllegen

Auch Deutschlands Landwirte wollen helfen, wo sie können. Im Raum steht, solche Flächen zu nutzen, die bislang dem Naturschutz dienen. Bei einem Treffen in Magdeburg haben sich die Landwirtschaftsminister von Bund und Ländern nicht einigen können, wie man wegen des Ukraine-Krieges mit stillgelegten Flächen umgehen sollte. Freigeben oder nicht? Kurz gesagt, die Grünen sind dagegen, die SPD- oder CDU-Minster dafür. „Dass sowohl die Europäische Union wie auch diese Mehrheit im Bundesratsausschuss die Notwendigkeit der Lebensmittelproduktion auf diesen Flächen sieht, sollte die Bundesregierung nochmal zum Nachdenken veranlassen“, forderte Bayerns Ministerin Michaela Kaniber von der CSU.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir sagte, dass das Produktionspotenzial überschätzt werde. Er verwies auf das Thünen-Institut, wonach es nur ein Potenzial von 600.000 Tonnen Getreide gäbe, wenn man die Vorrangflächen zusätzlich nutzte. Demgegenüber schätzte Bauernverbandspräsident das Potenzial höher ein; er sprach sich dafür aus, einen Teil der Vorrangflächen dafür zu nutzen. Zusätzliche 250.000 Hektar könnten 1,5 Millionen Tonnen erzeugen.

Deutsche Landwirte können Weizen nicht kompensieren

Geht man einmal von der Zahl des Bauernpräsidenten Joachim Rukwied aus, reicht das trotzdem noch lange nicht. Die Ukraine hat 2020/21 einen Anteil von 8,5 Prozent am Export von Weizen, Mehl und Weizenprodukten gehabt. Russland zusätzlich fast 20 Prozent. Das heißt, Weizenexporte von gut 35 Millionen Tonnen könnten wegfallen. Deutsche Landwirte können das beim besten Willen nicht kompensieren. Selbst wenn man davon ausginge, dass jeder vierte der 16,6 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzter Flächen 7,5 Tonnen Weizen liefert, wären das rund 31 Millionen Tonnen.

Das Problem der Getreideknappheit trifft auch nicht nur Ostafrika. Allein Ägypten braucht 900.000 Tonnen Weizen - im Monat. Die Ukraine ist Hauptlieferant für Tunesien, Libyen, Pakistan, Djibouti, die Seychellen und den Libanon. Die Folgen außerhalb Deutschlands sind für uns kaum vorstellbar. „Im Libanon rationieren die Bäckereien seit mehr als einer Woche Brot“, sagt etwa Bujar Hoxha von der Hilfsorganisation CARE.

100 Millionen Menschen könnten hungern

Dürren sind an für sich nichts Ungewöhnliches in der Region. Bereits in den Jahren 2010/11 und 2016/17 gab es dort extreme Trockenheit. Auch das andere Extrem gefährdet die Erträge; die massiven Regenfälle 2020 brachten eine Heuschreckenplage mit sich. Die Folgen des Krieges treffen auf klimatische Effekte und verstärken sich. Experten fürchten bereits 100 Millionen Hungernde im Herbst.

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