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+++ Aktualisiert: 14:00 Uhr +++

Krisensitzung der EU-Agrarminister zu den Folgen des Ukraine-Krieges

Fahnen der EU und der Ukraine
am Mittwoch, 02.03.2022 - 11:14 (Jetzt kommentieren)

Der Krieg in der Ukraine könnte die Lebensmittelproduktion in Europa in Turbulenzen bringen - nicht nur die Preise für Rohstoffe oder Dünger. Frankreich will den EU-Krisenmechanismus aktivieren.

„Der Einmarsch in die Ukraine birgt das Risiko einer Störung der globalen Märkte für landwirtschaftliche Produkte“, heißt es in der offiziellen Ankündigung der Videokonferenz der EU-Agrarminister an diesem Nachmittag. Auch die Energie und die Produktion von Gütern wie Düngemitteln seien betroffen. Seit Beginn des Krieges sind die Weltmarktpreise für Weizen bereits stark gestiegen. 

Ziel der Beratungen soll es sein, Informationen und Prognosen zu Angeboten und Preisen auszutauschen, Probleme zu identifizieren und Maßnahmen mit internationalen Partnern zu erwägen. Die Ressortchefs wollen außerdem über die Lebensmittelversorgung der Menschen in der Ukraine sprechen.

Frankreich als amtierender Ratsvorsitz wird vorschlagen, den Europäischen Mechanismus zur Krisenvorsorge und Krisenreaktion im Bereich der Ernährungssicherheit (EFSCM) zu aktivieren.

EU soll Expertengruppe für Krise am Schweinemarkt einrichten

Der französische Vorschlag sieht vor, die Marktüberwachung maximal auszuweiten. Eingebunden werden sollen auch der Ausschuss für die Gemeinsame Organisation der Agrarmärkte (AfGMO) und weitere Marktbeobachtungsstellen. Mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und ihrem Agrarmarktinformationssystem (AMIS), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und dem Internationalen Getreiderat (IGC) soll eng zusammengearbeitet werden.

Besondere Aufmerksamkeit erfordert nach Einschätzung der Franzosen die Versorgung mit Futtermitteln für die Tierhalter und insbesondere die Schweinehalter. Paris schlägt vor, dass die Expertengruppe für die Krise am Schweinemarkt schnellstmöglich zusammenkommt.

Nicht vernachlässigt werden sollen auch die Energie- und Düngerpreise. Frankreich drängt außerdem darauf, dass möglicherweise notwendige Markteingriffe „proaktiv“ vorgenommen werden. Außerdem sollen „regulatorische Hebel“ im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) genutzt werden, um die europäische Agrarproduktion auszuweiten und die Ernährungssouveränität zu sichern.

Özdemir verweist auf hohe Eigenversorgung der EU

Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) hatte den Angriff Russlands auf die Ukraine scharf verurteilt. Sein Ressort teilte in einer ersten wirtschaftlichen Lage-Einschätzung mit, dass mögliche Auswirkungen auf die Agrar- und Düngemittelmärkte gemeinsam mit der EU beobachtet und bewertet würden.

Die Ukraine und Russland seien zwar bedeutende Exporteure auf dem internationalen Weizenmarkt, die EU habe aber eine hohe Eigenversorgung. Besonders von Folgen betroffen sein könnten Länder in Nordafrika und Asien sowie die Türkei als Hauptimporteure.

Bauernverband befürchtet Turbulenzen auf den Agrarmärkten

Der Deutsche Bauernverband befürchtet wegen des Krieges Turbulenzen auch an den Agrarmärkten. Schon jetzt sei Stickstoffdünger exorbitant teuer und knapp. Diese Situation könne sich nun noch verschärfen, hieß es kürzlich.

Hintergrund ist, dass der für die Landwirtschaft wichtige Stickstoffdünger unter Einsatz von Erdgas hergestellt wird - und die Gaspreise waren auch schon vor der jetzigen Eskalation hoch.

Berlin schließt Verteuerung von Lebensmitteln nicht aus

Das Agrarministerium erläuterte, es sei nicht auszuschließen, dass eine mögliche Unterbrechung von Exporten aus der Region für weitere Unsicherheiten sorgen könne - auch mit stärkeren Preisschwankungen.

Insgesamt sei die Ernährungsindustrie durch Preissteigerungen auch bei Vorleistungen wie Düngemitteln und Energie betroffen. Im Zuge dessen seien "eine weitere Verteuerung von Lebensmitteln sowie eine Steigerung der Inflationsrate nicht auszuschließen".

Mit Material von dpa, AgE

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