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Flächenverbrauch

Landfraß: 52 Hektar gehen täglich verloren

Bau von Wohnhäusern in Bamberg
am Freitag, 30.04.2021 - 11:56 (1 Kommentar)

Jeden Tag wurden in Deutschland durchschnittlich 52 Hektar für neue Siedlungs- und Verkehrsflächen im Zeitraum von 2016 bis 2019 verbraucht. Der Schwerpunkt des Flächenverbrauchs liegt auf dem Bau von Wohnhäusern, Industriegebieten und öffentlichen Einrichtungen.

In ihrer Nachhaltigkeitsstrategie hat die Bundesregierung sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 den Flächenfraß auf durchschnittlich unter 30 Hektar am Tag zu begrenzen. Bis 2050 soll für die Flächen in Deutschland sogar eine Kreislaufwirtschaft hergestellt werden – es sollen dann netto keine Flächen mehr für Siedlungs- und Verkehrsflächen verbraucht werden.

Verglichen mit dem Vierjahreszeitraum von 2015 bis 2018 ist eine Abnahme von täglich vier Hektar zu verzeichnen; in diesen vier Jahren belief sich der Landfraß also noch auf 56 Hektar pro Tag.

Wie aus der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts hervorgeht, gehen fast zwei Drittel der 52 Hektar im aktuellen Auswertungszeitraum von 2017 bis 2019 auf den Bau von Wohnungen und öffentlichen Einrichtungen sowie auf neue Industrie- und Gewerbeflächen zurück.

Flächenverbrauch für Gebäude hat zugenommen

Siedlungs- und Verkehrsfläche nach Art der Fläche in Hektar pro Tag

Im Vergleich der Jahre 2017, 2018 und 2019 hat der Flächenfraß bei Gebäuden und Industrie im letzten Jahr 2019 mit 33 Hektar pro Tag sogar um ein Hektar zugenommen. Das Statische Bundesamt weist auf eine starke Bautätigkeit im Innen- und Außenbereich von Gemeinden und Städten in diesen drei Jahren hin.

Bei den Sport-, Freizeit-, Erholungs- und Friedhofsflächen war von 2017 auf 2018 ein Rückgang von 15 auf 10 Hektar zu verzeichnen. Eine weitere Abnahme gab es 2019 aber nicht.

Der Verbrauch für die Verkehrsfläche lag 2018 doppelt so hoch wie 2017. Trotzdem war der Rückgang 2019 drastisch – in diesem Jahr wurden für Verkehrszwecke durchschnittlich nur zwei Hektar am Tag verbraucht. Für diese Entwicklung nennt das Statistische Bundesamt mehr Investitionen in der bestehenden Infrastruktur, Baumaßnahmen in kleineren Dimensionen, zurückgenommene oder lang andauernde Neubauprojekte sowie die Umwidmung von Flächen als mögliche Gründe.

Über 5 Mio. Hektar Siedlung und Verkehr in Deutschland

Entwicklung des Neuverbrauchs an Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland über etwa 20 Jahre

Mittlerweile beläuft sich die Fläche für Siedlungs- und Verkehrszwecke auf 5,1 Mio. Hektar. Das entspricht 14,4 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands von 35,8 Mio. Hektar.

3,3 Mio. Hektar gehen auf die Siedlungsfläche und 1,8 Mio. Hektar auf die Verkehrsfläche zurück.

In seiner Pressemitteilung erklärt das Statistische Bundesamt, dass es sich bei den Siedlungs- und Verkehrsflächen nicht zwangsläufig um Flächenversiegelungen handelt. Auch nicht versiegelte Flächen wie Haus- und Vorgärten oder Campingplätze sowie Grünanlagen und Spielplätze werden hierunter erfasst.

Unter den deutschen Flächenländern weist Mecklenburg-Vorpommern den geringsten Anteil von Siedlungs- und Verkehrsgebieten auf. Er liegt hier bei 8,6 Prozent. In Nordrhein-Westfalen gibt es mit 23,7 Prozent Verkehr und Siedlungen den höchsten Anteil.

Gebiete mit Vegetation befinden sich auf 83,3 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands beziehungsweise auf 29,8 Mio. Hektar. Davon nimmt die Landwirtschaft den größten Teil mit 18,1 Mio. Hektar beziehungsweise knapp 51 Prozent ein. Knapp 30 Prozent der Fläche Deutschlands sind mit Wäldern bedeckt. 2,3 Prozent sind Gewässerflächen.

Kommentar

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