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Tag des Artenschutzes

Landwirtschaft und Artenschutz: So wird im BMUB-Forum diskutiert

Landwirt im Feld mit blühendem Ölrettich
Landwirt im Feld mit blühendem Ölrettich © agrarfoto
von , am
03.03.2017

Was leisten Landwirte für die Artenvielfalt? Und wie könnte man den Artenschutz verbessern? Darüber wird derzeit im BMUB-Forum "Dialog Landwirtschaft" diskutiert.

Heute ist Tag des Artenschutzes - und auch die Landwirtschaft ist gefordert, die Vielfalt der Arten zu erhalten. Wie genau das geschehen kann, wird derzeit  in einem Forum des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) diskutiert. Auslöser für diese Diskussion waren die umstrittenen "neuen Bauernregeln", die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks veröffentlichte. Nachdem Hendricks diese Regeln wegen heftiger Kritik zurückgenommen hatte, wurde das Forum "Dialog Landwirtschaft" eröffnet, wo sich alle Bürger mit ihrer Meinung zu folgenden Themen zu Wort melden können:

  • Agrarförderung
  • Artenvielfalt
  • Verbraucher
  • Wasser/Boden
  • Ländlicher Raum

Das Forum ist noch bis zum 08. März 2017 geöffnet. "Im Nachgang der Kampagne werden wir die Beiträge analysieren und die Ergebnisse in die Erarbeitung der Positionen des BMUB zur zukünftigen Ausgestaltung der Landwirtschaftspolitik einfließen lassen", sagte ein Sprecher des Bundesumweltminiseriums gegen agrarheute.com. "Die Ergebnisse werden auch der interdisziplinär besetzten "Kommission Landwirtschaft" beim Umweltbundesamt (UBA) zur Verfügung gestellt."

Wir haben einige Themen, die im Forum vermehrt diskutiert werden, zusammengefasst. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, können Sie das bis zum 08. März im Forum "Dialog Landwirtschaft" tun.

Flächenverbrauch: Baumaßnahmen zerstören Artenvielfalt

Herr Köninger hat dazu eine klare Forderung: "Der Flächenverbrauch muss gestoppt werden. In Häusern wo früher 10 Menschen wohnen , leben heute nur noch zwei, dadurch werden immer mehr Siedlungsgebiet benötigt und die Natur verdrängt."

Daniel Spaderna stimmt zu: "Der riesige Flächenentzug aus der Landwirtschaft durch Infrastrukturmaßnahmen, Bau- und Gewerbegebiete muss gestoppt bzw. auf ein verträgliches Maß zurückgefahren werden, denn hier werden wertvolle Lebensräume für Pflanzen zerstört. Es bringt nichts, wenn immer neue Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen geschaffen werden und die bereits in einer Vielzahl vorhandenen Ausgleichs- und Biotopflächen nicht gepflegt werden."

Stefan Kramer: "Die Politik muss den anhaltenden, übermäßigen Flächenentzug für die Landbewirtschaftung stoppen. Der bayerischen Landwirtschaft sind in den letzten 40 Jahren mehr als 5000 Quadratkilometer Acker- und Grünland durch die gesamtgesellschaftlichen Infrastruktur- und Siedlungsprojekte verloren gegangen, was dem heutigen Umfang an Acker- und Grünland des gesamten Regierungsbezirks Schwaben entspricht."

Dünger und Pflanzenschutz: Mehr Regeln und Verbote

Sixta Görtz fordert: "Der Einsatz von Dünger in der Landwirtschaft muss gesetzlich strenger geregelt und vor allem auch besser kontrolliert werden. Pestizide sollten erst dann zugelassen werden, wenn sie sowohl auf ihre langfristigen Auswirkungen auf Bestäuber untersucht als auch die Wechselwirkungen mit anderen, bereits am Markt befindlichen Mitteln getestet wurde."

Einige Beiträge fordern das Verbot verschiedener Pflanzenschutzmittel, strengere Regeln für die Düngung und die Umstellung auf Bio. Friederike Stellter äußert sich hier ausgleichend und kompromissbereit: "Ein großes Problem ist, dass die Anerkennung des Artenschutzes in der (Land-)Bevölkerung zu gering ist. Es wird oft gegen die "Ökos" geschimpft, ohne zu bedenken, dass der Großteil dieser lediglich eine lebenswerte Umwelt für uns ALLE unterstützt. Es muss viel in Bildung und in Aufklärung investiert werden. Man muss Kompromisse finden, die sowohl für die Bauern, den Freizeitwert und den Naturschutz vereinbar sind."

Entschädigung der Landwirte für ihren Artenschutz-Beitrag

Immer wieder wird im Forum betont, dass Landwirte einen wichtigen Beitrag für den Artenschutz leisten. Eine Unterstützung oder Entschädigung könne das vielleicht noch fördern. Niels Wrogemann sagt dazu: "Aktuell wird einigen Wenigen (häufig Landwirte, Grundstückseigentümer allgemein) aufgebürdet, die Kosten für den Schutz der Artenvielfalt und Umwelt zu tragen. Eine adäquate Entschädigung gibt es i.d.R nicht und es gibt auch keinen automatischen, gesetzlichen Anspruch darauf."

Gebhard Aierstock fügt hinzu: "Die Leistungen, die die Landwirte zur Erhaltung der Biodiversität erbringen, müssen entsprechend bezahlt werden. Es ist eben keine Selbstverständlichkeit,das Artenvielfalt automatisch erhalten wird."

Gegen Strukturwandel: Kleine Betriebe leisten mehr

Thomas Schmoll findet, man müsse kleinere Betriebe besser unterstützen und schlägt vor: "Wenn die Landwirtschaft höhere monetäre Erträge aus der Produktion erhalten würde, wäre eine weitere Fruchtfolge das kleinste Thema." Eine weitere Fruchtfolge könnte die Artenvielfalt födern. Schmoll schlägt vor, dass Tierhaltungs- und Ackerbaubetriebe besser zusammenarbeiten oder Flächen tauschen könnten, wenn es entsprechende Anreize gäbe."

Christoph Weidner fordert zu diesem Thema: "Keine weitere Förderung des Strukturwandels (Betriebsvergrößerung) und keine weitere Förderung für Biogasanlagen! Durch die einheitliche Flächenbewirtschaftung der großen Betriebe geht die Artenvielfalt verloren. Bei vielen kleinen Betrieben werden alle Flächen unterschiedlich bewirtschaftet (mit bzw. ohne Weidegang, Heu oder Silo, unterschiedliche Düngung, unterschiedlich intensive Nutzung...)."

Blühäcker, Wiesen und Feldränder

Frau Schauer fände kostenloses Saatgut für Blühwiesen gut: "Das geforderte Saatgut z. B. für die Zwischenfrucht - Bienenweide, Blumenwiese, die wir anbauen sollen, bzw. müssen, sollte frei sein. Das heißt: es sollte für die Bauern einfach mal nichts kosten. Jeder Bürger in unserem Land profitiert von unseren fleißigen Bienen und anderen Insekten. Jeder Bürger erfreut sich an blühenden Wiesen. Jeder will gepflegte Grünflächen sehen, aber bezahlen soll es immer der Landwirt."

Matrion Ruppaner sagt dazu: "Wir brauchen endlich eine Kampagne, dass Straßenränder nicht einfach gemulcht werden, sondern erst dann gemäht werden, wenn die meisten Arten zum Blühen kamen und damit Lebensraum und Vielfalt erhalten. Evtl. sollten die Kommunen Handlungsverpflichtungen bekommen, die Biodiversität zu fördern."

Eva Krötz stimmt zu: "Mit der Flurbereinigung sind die kleinen Felder mit Heckenstreifen und Feldwegen verloren gegangen. Ich finde es ganz wichtig, dass zwischen den Feldern wieder mehr Hecken und Bäume gepflanzt werden."

Wertvolles 'Unkraut': Blühende Ackerwildkräuter erkennen

Lfl Bayern Broschüre Ackerwildkräuter
Heute gilt mehr als ein Viertel der auf den Acker spezialisierten Wildpflanzen aufgrund von intensivem Herbizideinsatz als bedroht. Die bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft (Lfl) stellt zur Identifizierung der schützenswerten Pflanzen die Broschüre "Ackerwildpflanzen - Erkennen und beurteilen" kostenlos zum Download zur Verfügung. Agrarheute stellt daraus ausgewählte Ackerwildpflanzen vor. © Lfl Bayern/agrarheute
Feldrittersporn
Unkraut ist nicht gleich Unkraut: Definiert man dieses als Pflanzen, die erwünschte Ackerkulturen verdrängt und somit einen wirtschaftlichen Schaden verursachen, fallen die meisten der heute bedrohten Ackerwildkräuter nicht unter die Kategorie "Unkraut". Pflanzen wie der Feldrittersporn seien dafür zu klein und konkurrenzschwach heißt es in der Broschüre der Lfl. © agrarfoto.com
Distel in Ferste
 Bei "echten Unkräutern" wie die Ackerkratzdistel ist das anders. Sie beanspruchen einen großen Teil des Lichts und anderer Ressourcen und können so tatsächlich zu Ertragseinbußen führen. © agrarfoto.com
Greening-Stempel
Der Schutz der gefährdeten Arten ist unter anderem sinnvoll, da Ackerwildkäuter Nahrungsgrundlage für Insekten, andere bedrohte Tierarten oder auch Nützlinge ist. Daneben können Landwirte den Schutz von Ackerwildkräutern durch die Anlage eines Feldrandstreifens als Greening-Maßnahme durchführen, mit einem erhöhten Gewichtungsfaktor von 1,5.  So hat der Artenschutz auch für die Landwirte Vorteile. © agrarfoto.com
Kornrade
Die Beschreibungen der Wildkräuter in der Lfl-Broschüre umfassen unter anderem Angaben zu den Standortansprüchen ("Boden") der Pflanzen und dem Gefährdungsstatus nach der Roten Liste, wobei Pflanzen umso stärker gefährdet sind, je kleiner die Zahl ist. Die Kornrade ist mit "RL1" somit eine der am stärksten bedrohten Arten auf dem Acker. Die Bilder dienen der Identifizierung der Pflanzen im Blühzustand, besonders auffallende Merkmale sind dabei mit einem Ausrufezeichen versehen. © Lfl Bayern
Echter Frauenspiegel
Wie die Kornrade kommt auch der Echte Frauenspiegel vor allem im Wintergetreide vor. © Lfl Bayern
Klatschmohn
Der Klatschmohn ist durch seine große Blüte besonders auffällig. Während dieser eher auf kalkigen Lehmböden vorkommt... © Lfl Bayern
Kornblume
bevorzugt die Kornblume leicht saure Lehm- und Sandböden. © Lfl Bayern
Feldrittersporn
Charakteristisch für den Acker-Rittersporn, der auch Feldrittersporn heißt, ist der 1,5 bis 3 Zenitmeter lange Sporn, der sich von der Blüte wegstreckt. © Lfl Bayern
Acker-Wachtelweizen
Die Blüte des Acker-Wachtelweizens ist purpurfarben mit weißen und gelben Flecken. Die Pflanze ist ein Kalk- und Trockenheitsanzeiger. © Lfl Bayern
Acker-Glockenblume
Charakteristisch für die blau-violetten Blüten der Acker-Glockenblume ist die Bewimperung der Kronblätter. © Lfl Bayern
Acker-Hahnenfuß
Eine weitere gefährdete Ackerwildkraut-Art ist der Acker-Hahnenfuß. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem Kriechenden Hahnenfuß, der sehr häufig auf dem Acker und im Grünland vorkommt. Am besten lassen sich diese zwei Arten an den Früchten unterscheiden, die beim Acker-Hahnenfuß im Gegensatz zur verwandten Art Stacheln an den Seiten besitzt. © Lfl Bayern
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