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Letzte Generation: Bärendienst für den Klimaschutz

Protestaktion der "Letzten Generation"
am Donnerstag, 21.04.2022 - 09:15 (4 Kommentare)

Klimaschutz tut Not. Aber indem Aktivisten in Extremismus abgleiten, schaden sie der Sache mehr, als ihr zu nutzen. Ob die "Letzte Generation" mit ihren Aktionen etwas gegen die Erderwärmung tut, ist zumindest fraglich.

Die „Doomsday Clock“, die „Weltuntergangsuhr“ steht längst nicht mehr auf fünf vor Zwölf. Das Wissenschaftler-Team, welches die Zeiger seit 1947 je nach Weltlage verstellt, sieht sie mittlerweile auf 23 Uhr, 58 Minuten und 20 Sekunden. Das ist ein Bild, welches man leicht verstehen kann. Leichter vielleicht als den Weltklimabericht, der eindringlich Handeln anmahnt.

Keine Frage, viel Zeit ist nicht mehr. Die Aktivisten der „Letzten Generation“ versuchen die Gesellschaft auf ihre Art von einem schnelleren Handeln zu überzeugen. Leider erreichen sie damit wohl nur, dass alle Klimaschützer in einen Topf geworfen werden. Ihre Aktionen erweisen dem Klimaschutz einen Bärendienst. Weder dem Eisbären noch Landwirten, die unter Dürre und Starkregen leiden, ist so geholfen.

Ankleben, Aufreißen, Unterbrechen - Extremismus ohne Sinn und Verstand

Die neueste Aktion der „Letzten Generation“ traf das Bundeswirtschaftministerium. Vor dem Dienstsitz Robert Habecks hatten sie Dienstag den Bürgersteig aufgerissen und eine symbolische Pipeline hingelegt. Ein Protest gegen das Energie-Abkommen mit Katar. Überdies kündigten sie an, nächste Woche Öl- und Gas-Pipelines abzudrehen.

Schon vorher war die „Letzte Generation“ mit Protestformen aufgefallen, die selbst von Umweltschützern kritisch gesehen worden; so hatten sie sich mehrfach an Straßen festgeklebt und den Verkehr lahmgelegt. Daneben stand noch offensives und verbotenes Containern auf dem Programm und 60 Liter Rapsöl auf einer Straße zu verschütten. Ein Aktivist sprang gar ins Hamburger Hafenbecken, um Schiffe zu behindern. Neben dem Klimaschutz ist den Aktivisten eben auch die Verschwendung von Lebensmitteln und die Agrarwende ein Herzensanliegen.

Zwischen Kopfschütteln und Hut ziehen

Vor soviel Engagement und Mut könnte man den Hut ziehen. Oder mit Kopfschütteln reagieren. Zum Umdenken bringt man auf diese Weise keinen Pendler, der nicht zur Arbeit kommt, weil ein Aktivist mit Sekundenkleber auf dem Asphalt bappt. Und auch kaum einen anderen, denn Pendeln ist für viele leider ebenso nervig wie notwendig. Und schnell verschwinden die Appelle zu mehr Klimaschutz hinter dem Ärger über ungewolltes Verspäten. Am Stammtisch spricht man nicht über die Katastrophe in Zeitlupe, die da mit dem Klimawandel vor unseren Augen stattfindet. Man spricht über die „Spinner“, die „nichts gelernt haben“. Das ist zwar falsch, aber nachvollziehbar. Und darum bringt der Aktivismus in der Sache nichts.

Appelle zum Klimaschutz müssen die Menschen animieren nicht blockieren

Klar, die Politik hat mindestens 40 Jahre lang alle Informationen zum Klimawandel ignoriert. Aber ebenso wenig wie man einen Supertanker in der Badewanne wenden kann, lässt sich eine Volkswirtschaft schnell auf grün drehen. Es muss zwar so schnell wie möglich gehen, aber dazu braucht es keine mutigen Aktivisten, die ins Hafenbecken springen. Es braucht mutige Politiker, die den Menschen erklären, dass etwas zu tun besser ist, als nichts zu tun.

Nur dann besteht überhaupt die Chance, die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen. Und die Menschen braucht man, sonst funktioniert Klimaschutz ohnehin nicht. Und in dem Aktivismus steckt noch eine andere Gefahr; vom Sendungswillen ist es nicht mehr weit zum Extremismus, der mit Gewalt seine Ziele zu erreichen sucht. Und selbst Ökosterrorismus, um die Welt zu retten, bleibt Terrorismus.

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