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Protestbrief

Liebe Regierung, lernen Sie von Trump!

am Dienstag, 17.12.2019 - 12:00 (Jetzt kommentieren)

Liebe Leser, mein Name ist Carsten Matthäus, ich bin seit kurzem als Redaktionsdirektor verantwortlich für die Bereiche Agrar und Forst im Deutschen Landwirtschaftsverlag. Mit offenen Briefen, die ich in loser Folge auf agrarheute.com veröffentliche, möchte ich ein paar Vorschläge machen. Der dritte Brief geht an die Regierenden.

Liebe Ministerinnen und Minister,

Portrait Carsten Matthäus, Direktionsdirektor Verlagsbereich Argrar und Forst im dlv

der Klimagipfel in Madrid war ein gigantischer Erfolg – für Populisten wie US-Präsident Donald Trump und Jair Bolsonaro, den Präsidenten Brasiliens. Sie haben es geschafft, wissenschaftliche Erkenntnisse und die darauf aufbauenden Pläne Hunderter Länder zu pulverisieren. Trumps Zerstörungskraft wird dadurch verstärkt, dass die großartigen USA, der zweitgrößte CO2-Emittent der Welt, ab November nicht mehr zum Kreis der Nationen gehören wird, die Klimaziele aktiv verfolgen.

Klar ist nun, dass man Wählerherzen gewinnen kann, wenn man das Klima noch mehr schädigt, die Umwelt noch mehr ausbeutet und versiegelt als je zuvor. Das hat einen durchaus wirtschaftlichen Hintergrund: Wälder zu roden, mehr und größere Häuser, Straßen, Autos oder Flughäfen zu bauen, kurbelt die Konjunktur an. So traurig es ist: Diese Populisten, die jetzt noch die Geschicke der Welt bestimmen, werden erst aus dem Amt gejagt werden, wenn die Klimakrise weiter fortschreitet und das Leben für ihre eigenen Wähler unerträglich wird und sie das nicht mehr auf einen politischen Gegner schieben können.

Innovationskraft nutzen

Irrsinnige Populisten zur Räson zu bringen, dazu sind Sie, liebe Ministerinnen und Minister, zu schwach, so viel hat das Gipfel-Desaster von Madrid gezeigt. Bleibt Ihnen nur, sich den Frust über gut zwei sinnlose Wochen in Spanien aus den Kleidern zu schütteln und schnellstmöglich das zu tun, was unter diesen Voraussetzungen möglich ist: Die eigene (Land-)Wirtschaft zu nutzen, um neue Exportschlager zu entwickeln. Es gibt hierzulande eine Vielzahl von Innovationen, die den Bedarf an Düngemitteln verringern, mit denen sich C02 binden oder nutzen lässt, mit denen Wasser gespart oder neu aufbereitet werden kann, die klimaneutrale Landwirtschaft ermöglichen. Dies sind Dinge, die die Welt jetzt braucht und in Zukunft immer mehr brauchen wird.

Der Weltmarkt für klimagerechte Produktion und klimafreundliche Verfahren wird rasant wachsen. Deutschland ist, wie auch beim Thema Umweltschutz vor einigen Jahren, sehr gut in der Lage, Marktanteile zu gewinnen. Dazu wäre es allerdings nötig, von Populisten zu lernen. Diese tun nämlich vor allem das, was ihre Wähler von ihnen wollen.

Klimawandel bietet Chancen

Liebe Ministerinnen und Minister, in einem Land wie Deutschland haben Sie das Glück, überwiegend umweltbewusste, innovationsfreundliche und technikbegeisterte Menschen zu regieren. Und Sie haben es mit Wirtschaftsunternehmen zu tun, die verstehen, dass ihre Klimabilanz irgendwann erfolgskritisch sein wird.

Fangen Sie deshalb an, den Klimawandel tatsächlich als Herausforderung zu sehen, der neben den vielen Risiken und Problemen auch Chancen bietet, für die deutsche Wirtschaft, für den Wohlstand der Bürger und für die Umwelt. Und suchen Sie in den Branchen nach Partnern, die Teil der Lösung sein wollen.

Nicht gängeln, sondern kooperieren

Da wäre zum Beispiel die Landwirtschaft, die über Humus-Aufbau, Aufforstung oder klimaschonende Verfahren schon heute deutlich über dem internationalen Standard arbeitet, dafür aber nicht adäquat entlohnt, mit absurden Vorschriften gegängelt und dann noch von der eigenen Ministerin belächelt wird. Doch gerade dieser Branche fällt angesichts der klimatischen Veränderung zukünftig eine im wahrsten Sinne des Wortes vitale Rolle zu: Eine wachsende Weltbevölkerung zu fairen Preisen mit Lebensmitteln zu versorgen und dabei möglichst schonend mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen.

Grund genug, liebe Ministerinnen und Minister, die Landwirtschaft nicht länger als nörgelnde Verursacher von Klima- und Umweltschäden zu behandeln, sondern als innovative Partner für die Lösung von Weltproblemen. Oder, um es mit Trump zu sagen:

„Make agriculture great again!“

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