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Bauerndemonstrationen

LsV-Rufe nach Reformen in der Landwirtschaft werden lauter

Demonstranten vor Aldi-Lkw
am Montag, 02.11.2020 - 13:39 (Jetzt kommentieren)

Land schafft Verbindung (LsV) Deutschland und die österreichische Organisation Landwirtschaft verbindet Österreich rufen den Lebensmitteleinzelhandel, die Politik und die Öffentlichkeit zum Umdenken auf. Die Corona-Folgen sind dabei nur eine von vielen Ursachen.

Zum einen wendet sich der deutsche LsV-Vorstand an alle Entscheider in der Wertschöpfungskette und fordert für die Landwirte „eine zukunftsfähige und nachhaltige Verbesserung der Erlössituation“. In einer weiteren, zum Reformationstag herausgegebenen Pressemitteilung in Form einer Disputation setzt sich LsV umfassend mit den Problemen und der Stellung der Landwirtschaft in Deutschland auseinander.

Landwirtschaft verbindet Österreich fordert den österreichischen Nationalrat auf, Landwirte stärker im österreichischen Corona-Maßnahmenpaket zu berücksichtigen.

Drängen auf Verhandlungsbereitschaft des Lebensmitteleinzelhandels

LsV Deutschland kündigt für die nächsten Tage bundesweite Bauernproteste vor verschiedenen Standorten von Lebensmittelkonzernen an. Damit solle „auf die verzweifelte Lage der Branche“ und die „Ernsthaftigkeit der Situation“ hingewiesen werden.

Die jüngsten bundesweiten Proteste vor Zentrallagern mehrerer Lebensmitteleinzelhändler haben bereits Ergebnisse hervorgebracht, berichtet LsV Deutschland: Edeka, Lidl und Aldi hätten mit dem LsV-Vorstand inzwischen Gesprächstermine vereinbart.

Dabei wird sich LsV Deutschland für seine Forderungen nach deutschen Standards für in Deutschland verkaufte Produkte und auskömmlichen Preisen für hochwertige Lebensmittel stark machen. Weiterhin setze sich die Initiative für eindeutige und einfache Rückverfolgbarkeit bei der Herkunftskennzeichnung von Produkten ein.

Durch immer kleinere Erlöse bei gleichzeitig ansteigenden Erzeugungskosten wegen immer strengeren Auflagen sei die wirtschaftliche Lage der Betriebe existenzbedrohend, warnt die Organisation. Stattdessen fordert der LsV-Vorstand eine nachhaltige Wertschöpfungskette, in der der Lebensmitteleinzelhandel nicht stets auf den kleinstmöglichen Preis hinwirkt.

Reformationstag im Zeichen der Landwirtschaft

Anbringung der 10 Thesen der deutschen Landwirtschaft am Reichstagsgebäude

Anlässlich des Reformationstages am 31. Oktober 2020 brachte LsV Deutschland zehn Thesen der Landwirtschaft an den Berliner Reichstag, am Bundeskanzleramt und am Berliner Dom an. Auch an vielen anderen Orten in Deutschland wurde auf die Thesen aufmerksam gemacht. In seiner Pressemitteilung warnt LsV Deutschland vor einer weiteren Spaltung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Dazu wird verkündet: „Reformen sind jetzt wichtiger denn je.“

Begleitend zu den zehn Thesen, die zum Beispiel an die Notwendigkeit der Landwirtschaft für Frieden und Wohlstand, an die Gefährdung heimischer Lebensmittel durch Importe und an die finanziellen Nöte der Landwirte erinnern, veröffentlichte die Organisation eine „Disputation zur Klärung der Kraft der Ablässe in der Landwirtschaft“.

Hierin geht LsV Deutschland auf die Probleme der deutschen Landwirte ein. So stünden der Versorgungssicherheit immer strengere Auflagen entgegen und es habe sich „der Eindruck, die Landwirtschaft in Deutschland ist für die Versorgung der Bevölkerung unerwünscht“, verfestigt. Darüber hinaus kritisiert die Disputation unterschiedliche Standards im europäischen Binnenmarkt und die anhaltend niedrigen Preise für „Lebensmittel in höchster Qualität“. Ebenfalls kritisch betrachtet wird Deutschlands Rolle auf dem globalen Energie- und Lebensmittelmarkt: Der Import von Energie und Rohstoffen, die „unter katastrophalen und menschenunwürdigen Bedingungen“ erzeugt würden, sei „einfach nur heuchlerisch“.

Österreichische Landwirte befürchten Hungersnot

Für die ab Dienstag in Österreich geltenden Corona-Maßnahmen macht Landwirtschaft verbindet Österreich dem Nationalrat konkrete Vorschläge, um die seit Beginn der Krise „finanziell stark belasteten“ Landwirte zu unterstützen.

Die Organisation fordert eine 100-prozentige Abnahmeverpflichtung für alle österreichischen Lebensmittel im gesamten Lebensmitteleinzelhandel. Weiterhin sollten Aktionen mit Lebensmitteln untersagt werden und Erzeugerpreise dürften nicht niedriger sein als die Entstehungskosten. In der österreichischen Verfassung sollte die Versorgungssicherheit als höchstes Gut festgeschrieben werden. Schließlich fordert die Organisation eine Erstattung der landwirtschaftlichen Sozialversicherungsbeiträge für 2020 – stattdessen sollten die Beiträge aus dem Covid 19-Fonds entnommen werden.

Mit dem Leitsatz „Ohne Mampf kein Kampf!“ begründet Landwirtschaft verbindet Österreich die Notwendigkeit von auskömmlichen. Erzeugerpreisen. Dadurch werde das „Recht auf Versorgung“ der Bevölkerung gesichert und eine „Hungerkatastrophe in Österreich verhindert“.

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