Login
Milchmarkt

Magermilchpulver kann nun an EU-Hilfsfonds für Bedürftige gehen

Josef Koch, dlz agrarmagazin
am
03.08.2017

Die EU-Mitgliedstaaten können Bedürftigen Magermilchpulver aus den EU-Beständen zukommen lassen. Auch Deutschland sollte dies tun, fordert der DBV.

dbv, Karsten Schmal, Milchpräsident

Die EU-Kommission hat vergangene Woche die Möglichkeit geschaffen, durch den Verkauf der Interventionsbestände an Magermilchpulver den Europäischen Hilfsfonds für Bedürftige finanziell aufstocken. Damit können auf Antrag der einzelnen EU-Mitgliedstaaten die am stärksten benachteiligten Personen in dem betreffenden Land unterstützt werden.

Derzeit befinden sich noch mehr als 350.000 Tonnen Milchpulver in öffentlichen Lägern, die in der zweijährigen Milchkrise eingelagert wurden.

Der EU-Hilfsfonds unterstützt die EU-Länder bei der Bereitstellung materieller Unterstützung für die am stärksten benachteiligten Personen. Die Kommission genehmigt die nationalen Programme für 2014–2020, auf deren Grundlage nationale Behörden über ihre mittels Partnerorganisationen (oft NGOs) durchgeführten Hilfsmaßnahmen entscheiden. Für den aktuellen Zeitraum sind effektiv über 3,8 Milliarden Euro für den Hilfsfonds vorgesehen.

DBV: Maßnahme kann Milchmarkt entlasten

Der DBV begrüßt den Entschluss und fordert die Bundesregierung sowie die EU-Kommission auf, diese Hilfe auch in Deutschland zeitnah umzusetzen. "Die EU-Kommission will mit der sehr sinnvollen Verwendung landwirtschaftlicher Produkte Bedürftigen helfen und die jetzige Marktlage nutzen, die Interventionsbestände mit Blick auf zukünftige Preistäler möglichst zügig abzubauen. Ein wichtiges Signal für uns Milchbauern. Wenn nicht jetzt, wann dann?", kommentiert DBV-Milchpräsident Karsten Schmal die Entscheidung der Kommission.

So könne nicht nur der auf dem Milchmarkt lastende große Bestand an Magermilchpulver schneller reduziert, sondern auch der Hilfsfonds gestärkt werden.

Auch Verfütterung prüfen

In den vergangenen Monaten ist es der EU-Kommission nicht gelungen, über die laufenden Ausschreibungsverfahren bedeutende Mengen an Magermilchpulver auf den Markt zu bringen.

"Die Lagerbestände müssen unter Berücksichtigung der aktuellen Erzeugerpreise für uns Milchbauern abgebaut werden," hob Schmal hervor. Derzeit könne an den Warenterminbörsen ein Erzeugerpreis von mehr als 39 Cent/kg für die kommenden 12 Monate abgesichert werden, was deutlich über dem Schnitt der Erzeugerpreise der vergangenen zehn Jahre liegt.

In der Vergangenheit hat die Europäische Union auch weitere Instrumente zum Absatz von Magermilchpulver aus der Intervention erfolgreich angewendet, um den Marktdruck zu verringern. Eine Prüfung der Reaktivierung solcher Instrumente, zum Beispiel für die Verfütterung, kann aus Sicht des DBV vorgenommen werden, wenn die Bestände an Magermilchpulver trotz der laufenden Aktivitäten der EU-Kommission nicht bedeutend verringert werden können.

Mit Material von DBV
Auch interessant