Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Bayern

Markus Söder warnt: ideologischer Kampf gegen Tierhaltung

Tierwohl-Haeringhof-Schweinehalter-Soeder
am Mittwoch, 25.01.2023 - 12:24 (1 Kommentar)

Beim Besuch eines landwirtschaftlichen Betriebs warnt der bayerische Ministerpräsident, Markus Söder, dass unter dem Deckmantel des Klimaschutzes eine ideologiegetriebene Kampagne gegen die Tierhaltung und den Fleischverzehr geführt werde. Hier wolle er gegenhalten.

Ministerpräsident Dr. Markus Söder hat Wort gehalten. Im Dezember hatte er bei der Landesversammlung des Bayerischen Bauernverbandes versprochen, sich über die Situation in der Schweinehaltung zu informieren und am 23. Januar hat er dies auf dem Häringhof bei Eichstätt getan. Nach dem Gespräch warnte Söder, dass es derzeit einen ideologischen Kampf gegen die Tierhaltung und den Fleischkonsum gebe. Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes werde kultureller Druck ausgeübt. Man rede über Hormone im Fleisch und empfehle Hormongaben an Kinder, man diskreditiere den Fleischkonsum und empfehle Nahrungsergänzungsmittel, um Nahrungskomponenten zuzuführen, die Fleisch ohnehin liefern würde.

Söder will Kampagne für Fleischkonsum

„Wir müssen uns gegen diese Ideologien wehren“, so Söder. Er erklärte: „Wir brauchen eine Kampagne für den Fleischkonsum.“ Für ihn spiele es dabei keine Rolle, ob Bio oder konventionell, entscheidend sei die Regionalität. Für Kantinen von staatlichen Einrichtungen gelte inzwischen die Vorgabe, dass 50 % des Angebotes regional sein müssten. Darüber hinaus gelte, dass Bayern noch sichtbarer werden müsse. Söder regte auch finanzielle Überbrückungshilfen für die Familienbetriebe an, um diese vor großen, außerlandwirtschaftlichen Kapitalanlegern zu schützen.

Michaela Kaniber kritisiert Agrarpolitik des Bundes

Für die bayerische Landwirtschaftsministerin, Michaela Kaniber, sind Botschaften aus dem Bund gegen alle Tierhalter gerichtet. „Es geht nicht um den Umbau, sondern um den Abbau der Tierhaltung“, sagte sie. Überall, wo der Bund nichts zustande bringe, springe aber Bayern ein. So habe man bei der Investitionsförderung die Grenze von 800 000 € auf 1,2 Mio. € angehoben und eine Tierwohlprämie auf den Weg gebracht.

Betriebskontrollen im Agrarressort bündeln

Aufhorchen ließ Söders Aussage, dass die betrieblichen landwirtschaftlichen Kontrollen nach der Wahl im Landwirtschaftsministerium gebündelt werden sollen, um hier klare Zuständigkeiten zu haben. Ein Schweinehalter beklagte, dass es den Kontrolleuren vor allem darum gehe, Fehler bei den Betrieben zu finden. Der Ministerpräsident sagte dazu, dass die „Europarechtsregelungen etwas italienischer“ gehandhabt werden sollten.

Kaniber: Mehr auf Regionalität setzen

Wie für ihren Chef ist auch für sie, die Regionalität ein wichtiger Punkt. Die sogenannten "5 B" – geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und verarbeitet in Bayern – seien der richtige Ansatz. Allerdings müssten sich die Schweinemäster auch etwas an die eigene Nase fassen und bayerische Ferkel kaufen, statt dänischer. Die Regionalität voranbringen möchte auch Christine Singer, Vorsitzende des BBV-Landesausschusses für Tierische Veredelung. Sie regte an, Einrichtungen, die die Gemeinschaftsverpflegung auf regionale Beine stellen, finanziell zu fördern –  "zumindest beim Einstieg".

Landwirt zieht positives Fazit

Landwirt Johannes Scharl, dessen Betrieb von Markus Söder und Michaela Kaniber besucht wurde, zog ein positives Fazit. Er sagte: „Ich glaube, die Botschaft ist angekommen. Wir haben sehr detailreich und emotional geschildert, wie es uns die letzten zwei Jahre ergangen ist. Wir haben klargemacht, dass wir dringend weitere Maßnahmen und Verbesserungen benötigen und dass dies auch den Schweinen zugutekommt.“

Landwirte wolle in mehr Tierwohl investieren

Schweinehalter Johannes Scharl betonte, dass die Schweinehalter bereit seien, in mehr Tierwohl zu investieren. Dazu bräuchten sie allerdings mehr Planungssicherheit. Natürlich müssten diese Investitionen auch genehmigungsfähig sein, es brauche also Anpassungen im Baurecht. Scharl schilderte die Lage der Nutztierhalter in einem Vergleich: "Stellen wir uns einmal vor, die Landwirte wären Fußballer. Dann hätte man den Stürmern die Füße zusammengebunden, der (Bundes)trainer gibt dem gegnerischen Trainer ständig Tipps und die Zuschauer kritisieren ständig die Leistung der Mannschaft."

Transparenzhinweis: agrarheute ist eine Medienmarke des Deutschen Landwirtschaftsverlags. In der Geschäftsleitung des Unternehmens vertreten sind unter anderem der stellvertretende Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes und der Geschäftsführer des Landvolks Niedersachsen.

Kommentar

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...