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Freihandel

Mercosur-Abkommen: Südamerikaner bekommen besseren Zugang zum EU-Markt

am Sonntag, 30.06.2019 - 15:50

Die politische Einigung auf das Mercosur-Abkommen steht. Lesen Sie, was auf die Landwirte zukommen kann und wo Chancen bestehen.

Nach insgesamt zwei Jahrzehnten der Verhandlungen mit Unterberechungen haben sich die Europäische Kommission und der südamerikanische Mercosur-Block auf dem G20-Gipfel in Japan auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. Innerhalb der EU-Länder ist das Abkommen aber sehr umstritten.

In den kommenden Monaten und Jahre müssen nun Details zu den Rahmenvereinbarungen ausgehandelt werden. Erst dann kann das Abkommen in Kraft treten. Zuvor müssen die EU-Mitgliedsstaaten und das EU-Parlament zustimmen.

Das sind die Mercosur-Staaten:

  • Argentinien,
  • Brasilien,
  • Paraguay und
  • Uruguay

Unmittelbar nach der Einigung räumte EU-Agrarkommissar Phil Hogan bei einer Pressekonferenz ein, dass die europäischen Landwirte durch das Abkommen verschiedenen Herausforderungen ausgesetzt werden seien. Allerdings bekräftigte der Ire auch, dass das Abkommen für Europas Bauern ebenso eine Reihe möglicher Vorteile mit sich bringen werde.

Medienberichte zufolge stellte EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan finanzielle Hilfen für Landwirte in Aussicht, um Nachteile auszugleichen. Sollte es zu Wettbewerbsverzerrungen kommen, könnten bis zu einer Milliarde Euro zur Verfügung gestellt werden, sagte der Ire.

Das kommt auf EU-Landwirte zu

Zu den sensiblen Agrarprodukten gehöre unter anderem Rinder- und Hühnerfleisch sowie Zucker. Dem Agrarkommissar zufolge wird dem Mercosur-Block für Rindfleisch ein präferiertes Zollhandelskontingent von 99.000 t Schlachtgewicht im Jahr eingeräumt. Für Hähnchenfleisch und Zucker sind Freihandelsmengen von jeweils 180.000 t vorgesehen.

Für alle drei Produkte sollen diese Quoten schrittweise über einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren eingeführt werden. Des Weiteren ist offenbar auch ein großzügiges Einfuhrkontingent für Ethanol geplant. Konkrete Zahlen wurden von Kommissionsseite dazu noch nicht genannt.

Allerdings werden bereits bestehende Einfuhrkontingente zum Beispiel bei Rindfleisch gegengerechnet. Unterm Strich könnten somit die Nettoimportmengen deutlich geringer als die vereinbarten 99.000 t sein.
 

Vorteile für EU-Käse und geschützte Erzeugnisse

Der europäische Agrar- und Ernährungssektor wird laut der Brüsseler Behörde unter anderem von einem Abbau der momentan hohen Mercosur-Zölle auf EU-Exportprodukte wie Pralinen und Süßwaren profitieren, Für sie soll der Zollsatz bislang 20 Prozent betragen haben. Ebenfalls wegfallen sollen die Zölle für Wein von gegenwärtig 27 Prozent sowie für Spirituosen und Softdrinks mit bisherigen Sätzen von 20  bis 35 Prozent.

Der EU-Kommission zufolge sieht das Abkommen darüber hinaus einen zollfreien Zugang für EU-Milcherzeugnisse vor, die derzeit mit einem Zollsatz von 28 Prozent belegt sein sollen. Vorteile werde es dabei vor allem für die europäischen Käseausfuhren geben, erklärte die Behörde.

Ebenso rechnet die deutsche Fleischbranche mit besseren Absatzchancen in die Mercosur-Staaten, vor allem für Nebenprodukte von Schachtrindern sowie verarbeitete Schweinefleischprodukte wie Schinken.

Darüber hinaus sollen auch 357 geschützte geografische Angaben (g.g.A.) für Erzeugnisse aus den EU-Mitgliedstaaten von den Südamerikanern anerkannt werden. Genannt werden beispielsweise „Münchener Bier“, „Tiroler Speck“ oder der ungarische Wein „Tokaji“.

Mit Material von AgE