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Interview

Minister Olaf Lies: "Wir riskieren die Weidetierhaltung für den Wolf"

Olaf Lies im Interview
am Dienstag, 18.05.2021 - 07:00 (5 Kommentare)

Deutschland hat ein Wolfsproblem. Immer mehr Weidetiere werden gerissen und immer öfter tauchen Wölfe in direkter Menschennähe auf. Wie soll es weitergehen? Ein Interview mit dem niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies.

In Niedersachsen gibt es laut Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) im Moment 32 offiziell erfasste Wolfsrudel mit insgesamt mindestens 130 Nachkommen der letzten Saison (Stand: Mai 2021).

Mit der Zahl der Wölfe steigt die Zahl der Übergriffe auf Weidetierherden. Die Schäfer, Rinder- und Pferdehalter im Land sind verzweifelt. Unterstützung bekommen sie vom niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies. Er fordert eine deutschlandweite Wolfsstrategie, die den geregelten Abschuss von Tieren umfasst, die sich immer wieder an Weidevieh vergreifen.

agrarheute hat mit Minister Lies über seine Erfahrungen und den geplanten Leitfaden Wolf gesprochen. Hier ein Auszug aus dem Interview:

Herr Lies, gehen Sie noch unbeschwert im Wald spazieren?

Ich persönlich tue das. Aber ich glaube, das liegt eher daran, dass ich nicht weiter darüber nachdenke.

Und wenn jemand anderes Sie um Rat fragt?

Das finde ich schon schwieriger. Wir alle kennen inzwischen die Bilder von Wölfen, die sich Menschen bedenklich nähern. Auf jeden Fall muss man sich also überlegen: Wie reagiere ich im Fall der Fälle?

Die Wolfsproblematik ist in Niedersachsen besonders ausgeprägt. Im vergangenen Jahr gab es fast 1.500 tote, verletzte und vermisste Nutztiere. Wie soll das weitergehen?

Was wir garantiert nicht wollen, ist, dass sich jeder selber schützt. Wir brauchen einen bundesweiten rechtlichen Rahmen, einen Praxisleitfaden Wolf.

 

 

Aber genau mit diesem Vorschlag sind Sie mit Ihren Amtskollegen bei der Umweltministerkonferenz Mitte April nicht übereingekommen.

Das ist leider richtig. Für den Leitfaden waren Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und das Saarland. Alle grünen Landesumweltminister haben dagegen gestimmt. Zuzüglich Bayern. Dort gehört der Umweltminister zu den Freien Wählern. Für wirklich problematisch halte ich aber das geschlossene Auftreten der grünen Kollegen. Parteipolitik und Parteisolidarität dürfen bei so einem Thema keine Rolle spielen.

Warum setzen Sie sich so sehr für ein verändertes Wolfsmanagement ein?

Die jetzige Entwicklung kann so nicht weitergehen. Wir riskieren den Fortbestand der Weidetierhaltung. Das können wir uns nicht leisten. Durch sie haben wir ein unglaub-
liches Mehr an Artenvielfalt. Und Weidetiere sind unverzichtbar, damit unsere Kulturlandschaft überhaupt gepflegt bleibt.

Das ganze Interview mit dem niedersächsischen Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz Olaf Lies (SPD) lesen Sie im nächsten agrarheute-Magazin oder in agrarheute digital.

 

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