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Marktmacht des Einzelhandels

Molkereien sollen sich gegen den Einzelhandel verbünden dürfen

Trinkmilchabfüllung
am Donnerstag, 12.03.2020 - 10:23 (Jetzt kommentieren)

CDU-Agrarpolitiker fordern vom Kartellamt eine Ausnahmegenehmigung für Verkaufsverbünde. Unterdessen trifft sich der Bauernverband mit Managern von Aldi Nord zum Krisengespräch.

Türschild des Bundeskartellamtes

Das Bundeskartellamt soll prüfen, ob es Molkereien erlaubt werden kann, sich zu Verkaufsverbünden zusammenzuschließen. Das fordern der agrarpolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Albert Stegemann, und die stellvertretende CDU-Vorsitzende Gitta Connemann in einem Schreiben an Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Anlass für das Schreiben, das agrarheute vorliegt, ist die Causa Aldi: Bekanntlich hat die gemeinsame Einkaufsgesellschaft der Discounter Aldi Nord und Aldi Süd die Verhandlungen über den Trinkmilchkontrakt für den nächsten Sechsmonatszeitraum vorgezogen. Aus Molkereikreisen war zu erfahren, dass der Chefeinkäufer dabei Preiszugeständnisse forderte. Es entsteht der Eindruck, dass Aldi die Verunsicherung am Weltmilchmarkt durch das Coronavirus zu seinen Gunsten nutzen wollte. Aldi wies diesen Vorwurf allerdings zurück.

„Aldi Nord und Aldi Süd planen eine Fusion“

Connemann und Stegemann stellen in ihrem Schreiben an Mundt in Frage, ob der Wettbewerb auf dem regionalen Rohmilchmarkt noch der richtige Maßstab sei, um Fusionen von Molkereien wettbewerbsrechtlich zu prüfen, während sich der Konzentrationsprozess auf der Handelsseite zuspitze.

„Aldi Nord und Aldi Süd planen eine Fusion“, so die Abgeordneten. Es stehe zu befürchten, dass sich die Abwärtsspirale für Landwirte und Erzeuger fortsetze.

Molkereien können keinen Konflikt mit dem Handel riskieren

Die beiden Unionsagrarier weisen Kartellamtspräsident Mundt auf zwei aus ihrer Sicht gravierende Wettbewerbsnachteile für Landwirte und Molkereien gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel hin:

  1. Wegen der Verderblichkeit der Ware könnten Landwirte und Molkereien keinen Konflikt mit dem Handel austragen.
  2. Andererseits könne der Handel über seine Eigenmarken ohne weiteres auf alternative Lieferanten zugreifen, ohne dass dies dem Verbraucher auffalle.

Aldi will Wertschätzungskampagne unterstützen

Aldi Nord Logo

Der Deutsche Bauernverband (DBV) nahm das Verhalten von Aldi zum Anlass, sich kurzfristig mit dem Gesamtverantwortlichen des Verwaltungsrates von Aldi Nord, Torsten Hufnagel, und dem Leiter des internationalen Einkaufs von Aldi Nord, Jürgen Schwall, zu einem Krisengespräch zu treffen. Auf Seiten des Bauernverbandes nahmen daran DBV-Präsident Joachim Rukwied und Milchbauernpräsident Karsten Schmal teil.

Nach Darstellung des DBV zeigten sich die Aldi-Manager offen dafür, eine Kampagne für mehr Wertschätzung der heimischen Landwirtschaft umzusetzen. Die Gesprächspartner seien sich einig gewesen, dass höhere Qualitätsstandards auch höher vergütet werden müssten. Beiden Seiten hätten unterstrichen, dass nur ein konstruktiver Dialog zu vernünftigen Lösungen führe, so der DBV.

Unterdessen haben die Bewegungen Land schafft Verbindung - Bayern und Landwirtschaft verbindet Österreich für nächste Woche zur einer Kundgebung vor der Hofer-Zentrale in Salzburg aufgerufen. Unter der Marke Hofer firmiert die Unternehmensgruppe Aldi Süd in Österreich.

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