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Moore und Klimaschutz

Die Moorschutzstrategie des Bundes und was sie für Landwirte bedeutet

Moorboden-Flächen in Niedersachsen
am Mittwoch, 09.11.2022 - 14:58 (12 Kommentare)

Das Bundeskabinett hat heute (9.11.) die von Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) vorgelegte Nationale Moorschutzstrategie beschlossen. Landwirte in den betroffenen Regionen sollen die Bewirtschaftung von entwässerten Flächen dem Klimaschutz anpassen.

Steffi Lemke

Im Zentrum der Strategie stehen Ziele und Maßnahmen, um entwässerte Moorböden wieder zu vernässen. Dazu sollen den Landwirten als Nutzer der Flächen finanzielle Anreize geboten werden, damit sie die Bewirtschaftung den Zielen des Moorschutzes anpassen.

„Trockengelegte Moore setzen große Mengen Treibhausgase frei und tragen so zur Klimakrise bei, daher müssen wir sie wiedervernässen“, sagte Umweltministerin Steffi Lemke nach dem Kabinettsbeschluss.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) stimmte der Moorschutzstrategie im Kabinett zu. Özdemir erklärte, „beim Moorbodenschutz heißt es, alle an Bord zu holen: Für die Höfe muss es sich lohnen, klimafreundlich zu arbeiten.“ Viele Landwirte wirtschafteten seit Generationen auf Moorstandorten. Nach dem Motto ‚Schützen und Nutzen‘ würden für sie nun Anreize für einen echten Moorbodenschutz geschaffen. „Wir unterstützen die Betriebe dabei, klima- und artenvielfaltsfreundliche Bewirtschaftungsformen einzuführen“, sagte Özdemir.

Wiedervernässte Moorböden sollen das Klima schützen

Die Nationale Moorschutzstrategie ist Teil des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz. Nach Angaben des Umweltministeriums stammen in Deutschland gegenwärtig 7,5 Prozent der Treibhausgasemissionen oder etwa 53 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente aus der Zersetzung von Moorböden infolge von Entwässerungsmaßnahmen und Torfnutzung.

Das Landwirtschaftsministerium geht davon aus, dass die Bewirtschaftung von 1 Million Hektar kohlenstoffreicher, entwässerter Moorböden für rund ein Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft verantwortlich ist. Durch Maßnahmen zur Wiedervernässung sollen die Emissionen aus Moorböden bis zum Jahr 2030 um mindestens 5 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalent reduziert werden.

Paludikultur als mögliche Nutzungsform

Eine mögliche Nutzung von Moorflächen stellt nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums die Paludikultur dar, also die Kultivierung und Verwertung von Pflanzen, die an hohe Wasserstände angepasst sind.

Auf Hochmoorböden kämen Torfmoose als Torfersatzstoff oder Sonnentau und Fieberklee für medizinische Zwecke in Frage, auf Niedermoorböden Schilf, Rohrkolben und Rohrglanzgras für Dämm- und Baustoffe, Biokohle oder die Energiegewinnung, erläutert das Ressort. Aber auch die Nutzung weiterer Pflanzen und die Herstellung innovativer Produkte sei denkbar. Ideen dafür hat das Ministerium mit einem Förderaufruf „Moorbodenschutz über die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen aus der Paludikultur“ eingeworben.

Insgesamt wird das Agrarministerium über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) bundesweit Modell- und Demonstrationsvorhaben mit über 100 Millionen Euro bis 2032 fördern.

Lemke: Intakte Moore beugen Dürren vor

Lemke erläuterte, intakte Moore und Moorböden würden dabei helfen, die Klimaschutzziele zu erreichen und außerdem einen einzigartigen Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten. „Sie halten Wasser in der Landschaft und beugen so Dürren vor“, sagte die Umweltministerin. Trockengelegte Moore setzten große Mengen Treibhausgase frei und trügen so zur Klimakrise bei; daher müssten sie wiedervernässt werden.

Die Nationale Moorschutzstrategie knüpft an die gemeinsam vom Bund und den Ländern im Herbst 2021 beschlossene Bund-Länder-Zielvereinbarung zum Klimaschutz durch Moorbodenschutz an und bildet die dortigen Ziele und Maßnahmen für die Bereiche der Land- und Forstwirtschaft ab.

Bauernverband: Freiwilligkeit muss Maßstab sein

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, unterstrich anlässlich des Kabinettsbeschlusses, Landwirte seien bereit, die Klimawirkung entwässerter Moorböden zu reduzieren, wenn die Betriebe eine dauerhafte wirtschaftliche Perspektive und Planungssicherheit behielten.

Die kulturhistorische – und früher staatlich geförderte – Leistung der Urbarmachung der Moore zur Lebensmittelerzeugung dürfe nicht gegen die Menschen in den Moorregionen gekehrt werden.

Krüsken forderte die Bundesregierung auf, dass in der Moorschutzstrategie festgehaltene Prinzip der Freiwilligkeit zum Maßstab aller Maßnahmen zur Umsetzung der Strategie zu machen. Es wäre nicht akzeptabel, wenn landwirtschaftliche Betriebe durch Auflagen auf Raten aus der Nutzung von Moorböden gedrängt werden. Nach Angaben des Bauernverbandes wird die geplante Wiedervernässung nicht nur einzelne landwirtschaftliche Flächen betreffen, sondern ganze Betriebe, Dörfer und ländliche Regionen.

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