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Kommentar

Wer wird das nächste Opfer eines Stalleinbruchs?

Ein dunkel gekleideter Mann mit Taschenlampe und Brecheisen
am Montag, 24.08.2020 - 13:00 (4 Kommentare)

Die heimlich gemachten Bilder aus einem Stall, an dem Dirk Andresen, Sprecher von „Land schafft Verbindung“ beteiligt ist, zeigen, dass Landwirte, die eine prominente Rolle einnehmen, noch immer häufig Opfer von Stalleinbrüchen werden. Wer ist das nächste Ziel?

Simon Michel-Berger

Es gibt einen Tierhalter, der hat Probleme mit der Versorgung seiner Tiere. Das gibt er selbst auf seiner Internet-Seite zu. Sein Unternehmen ist nicht klein – laut eigenen Angaben kostet die Versorgung der Tiere 38.000 € am Tag. Aber wegen der Corona-Pandemie kam er in Schwierigkeiten und jetzt ist die Not so groß, dass jeder Euro zählt.

Ist das der Betrieb, der als nächstes üble Schlagzeilen machen wird? Der bald Opfer eines Stalleinbruchs wird? Wieder ein Tierhalter, dem der Amtstierarzt die Schutzbefohlenen vom Hof holt? Wo schreckliche Bilder von halbverhungerten Gerippen aufgenommen werden, die Tierrechtsaktivisten und ihre Unterstützer noch jahrelang verwenden, um auf angeblich weit verbreitete Missstände in der Landwirtschaft aufmerksam zu machen? Ist das der nächste Bösewicht, der zu Recht an den Pranger gestellt werden wird?

Mit zweierlei Maß gemessen

Ganz sicher ist dieser Betrieb nicht das nächste Opfer eines Stalleinbruchs. Derjenige, der solche Probleme schildert, ist nämlich niemand anders als Gut Aiderbichl. Auf der eigenen Internet-Seite und in Anzeigenbeilagen ruft dieses Unternehmen so zu Spenden auf. In der freien Wirtschaft steht es jedem zu, sich ein Geschäftsmodell und eine Nische zu suchen. Das gilt für Aiderbichl genauso wie für einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Was aber ist der Unterschied zwischen einem Gnadenhof, der laut eigener Webseite ein „paradiesischer Ort“ ist und einem konventionellem modernen Nutztierhalter? Ist es das Fehlen einer „weit reichenden Medien- und Pressepolitik“, der sich Aiderbichl in seinem Leitbild rühmt? Das allein ist, glaube ich, nicht die Antwort. Denn darum bemühen sich Vertreter der Landwirtschaft schon seit vielen Jahren.

Angst vor dem Stalleinbruch

Spendenaufruf für Gut Aiderbichl

Teilweise ist es schon so, dass Nutztierhalter deswegen nicht mit der Presse reden wollen, weil sie Angst haben, Opfer eines Stalleinbruchs zu werden. Ganz nach dem Motto: Wer sich aus der Masse heraushebt, macht sich zur Zielscheibe.

Genauso wie sich manche Politiker, die aus ländlichen Gegenden kommen, nicht trauen, gegen Entscheidungen zu stimmen, die wirtschaftliche Nachteile für die Landwirte bedeuten. Weil derjenige, der etwa den Kastenstand verteidigt, auch gleich ein politisches Stromkabel anfassen könnte – der eigenen Karriere hilft es nicht.

Was müssen die Landwirtschaft und ihre Unterstützer tun? Mut, Geschlossenheit und immer wieder praktische Ideen bringen, wie es besser werden kann. Das schreibt sich leicht, ist aber furchtbar schwer. Helfen können Gremien wie die Zukunftskommission Landwirtschaft. Aber nur, wenn man dort nicht nur über Positionspapiere verhandelt, sondern die tiefen Probleme, die dahinterstecken, wirklich angeht.

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