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Europäischer Green Deal

Neuer Plan, altes Ziel: EU will weniger Dünger und Pflanzenschutz

Düngung mit Schleppschlauch im Winterweizenbestand
am Freitag, 14.05.2021 - 14:55 (1 Kommentar)

Um die Ziele des europäischen Green Deal weiter zu verfolgen, hat die EU-Kommission am Mittwoch (12.05.) einen Aktionsplan zu Schadstofffreiheit von Luft, Wasser und Boden vorgelegt. Darin wird für die Landwirtschaft zunächst an den bestehenden Vorgaben festgehalten.

Weitere Regelungen zur Begrenzung der Schadstoffe aus der Landwirtschaft zu erlassen, behält sich die Kommission allerdings vor. Vor allem geht es um die Ammoniakemissionen aus der Gülleausbringung. Wie im EU-Aktionsplan „Weg zu einem gesunden Planeten für alle – Null Schadstoffe für Luft, Wasser und Boden“ erläutert wird, seien dafür beispielsweise neue Regeln in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) denkbar. Ob diese notwendig sind, soll geprüft werden.

Bis dahin schreibt der EU-Aktionsplan für die europäischen Landwirte Ziele vor, die ohnehin schon aus der Farm-to-Fork-Strategie bekannt sind: Die Nährstoffverluste sowie das Risiko und der Einsatz chemischer beziehungsweise gefährlicher Pestizide sollen bis 2030 um 50 Prozent verringert werden. Im Aktionsplan gilt diese Vorgabe als Etappenziel auf dem Weg zur Schadstofffreiheit in Luft, Wasser und Boden bis 2050.

Schaffen will die Kommission also eine „„Welt, in der die Verschmutzung so gering ist, dass sie für die menschliche Gesundheit und die natürlichen Ökosysteme keine Gefahr mehr darstellt“.

Konkrete Vorschläge kommen erst 2022

Als weiteres Etappenziel bis 2030 nennt der Aktionsplan die Verringerung der Ökosysteme in der EU, in denen Schadstoffe in der Luft die biologische Vielfalt gefährden. Um 25 Prozent sollen diese Gebiete reduziert werden.

Darüber hinaus wiederholt der Aktionsplan das bestehende Ziel, dass 75 Prozent der Böden bis 2030 als gesund eingestuft werden sollen.

In einer Pressemitteilung kündigt die Kommission unter anderem an, die Normen für die Luft- und Wasserqualität überprüfen zu wollen. Außerdem werde durch entsprechende Förderungen angestrebt, dass auf die Produktion und den Verbrauch von Gütern keine Schadstoffe mehr zurückgingen. Konkrete Vorschläge für diese und weitere Maßnahmen sollen aber erst im nächsten Jahr folgen.

Optimierte Fütterung und neue Züchtungstechniken

Insgesamt sieht der Aktionsplan wie im Industrie-, Verkehrs-, Gebäude- und Energiebereich auch für die Landwirtschaft strengere Anforderungen vor. Jedoch sind diese Anforderungen noch nicht konkret und für die Landwirtschaft bereits in der Farm-to-Fork-Strategie festgeschrieben.

Ammoniak gilt im Papier als Vorläufer von Feinstaub. Die günstigsten Varianten, um die Ammoniakbelastung zu reduzieren, seien eine optimierte Fütterung und ein emissionsarmer Umgang mit der Gülle.

Neue digitale Techniken wie die Präzisionslandwirtschaft seien zur Minimierung des Dünge- und Pflanzenschutzmittel- sowie des Wasserverbrauchs geeignet. Der integrierte Pflanzenschutz solle an Bedeutung gewinnen. In der Fütterung sollten andere Futtermittel und innovative Futterzusatzstoffe eingesetzt werden. Darüber hinaus sei die Förderung agrarökologischer Maßnahmen, beispielsweise der ökologische Landbau, vorgesehen.

Durch neue Züchtungstechniken solle außerdem eine größere Unabhängigkeit von Pestiziden erreicht werden. Eine Vermeidung des Einsatzes chemischer Pestizide sei insbesondere für sensible Gebiete vorgesehen, was gleichzeitig die Kosten für die Trinkwasseraufbereitung verringere.

Wirtschaft soll nicht heruntergefahren werden

Wie die EU-Kommission in ihrem Aktionsplan klarstellt, sei eine Einschränkung der wirtschaftlichen Aktivität kein Mittel zum Ziel der Schadstofffreiheit. Stattdessen solle ein anderes Produktions- und Verbraucherverhalten den Wohlstand in der EU erhalten. Investitionen müssten so ausgerichtet werden, dass es zu keiner Umweltverschmutzung komme.  

Dieses Prinzip begrüßen auch Copa-Cogeca, die europäischen Dachorganisationen für Landwirtschaft. Den Aktionsplan unterstützen Copa-Cogeca. In ihrer Pressemitteilung weisen die Organisationen darauf hin, dass es der europäischen Landwirtschaft bereits gelungen sei, Ammoniak und andere Emissionen zu reduzieren und dabei gleichzeitig die Produktion zu steigern.

Weiterhin befürworteten Copa-Cogeca den integrierten Pflanzenschutz und die neuen Züchtungstechnologien als zukunftsweisende Ziele. Die Forschung dazu solle auf europäischer Ebene unterstützt werden.

Insbesondere in kleinen und mittleren Betrieben müsse eine kohlenstoffarme Bioenergieproduktion und die Nutzung von überschüssiger Wärme ermöglicht werden.

Vor einer doppelten Regulierung der Ammoniakemissionen warnten die Dachorganisationen allerdings. Dies sei zu befürchten, wenn der Geltungsbereich der europäischen Industrieemissionsrichtlinie erweitert werde.

Mit Material von dpa

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