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Wolfsmanagement

In Niedersachsen eskaliert der Streit um den Wolf

Der Wolf ist zurück in Deutschland
am Freitag, 08.01.2021 - 11:40 (1 Kommentar)

Der NABU hat bei der EU eine Beschwerde gegen die niedersächsische Wolfsverordnung eingelegt. Landesregierung und Weidetierhalter kritisieren den Schritt deutlich.

In Niedersachsen eskaliert der Streit um den Wolf. Stein des Anstoßes ist die neue Wolfsverordnung des Landes. Sie regelt die Bedingungen, unter denen auffällige Wölfe zum Schutz des Menschen, der Weidetierhaltung und der Deiche sowie zur Vermeidung wirtschaftlicher Schäden geschossen werden dürfen. Auch die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen gegen Wolfsrisse werden teilweise neu gefasst.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Niedersachsen sieht in den neuen Regeln Verstöße gegen den Artenschutz und die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie). Der Schutz des Wolfes werde massiv aufgeweicht. Darum hat der Verband bei der Europäischen Kommission eine Beschwerde gegen die Wolfsverordnung des Landes eingereicht.

Lies: Das Bundesnaturschutzgesetz wird eingehalten

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies warf dem NABU-Landesvorsitzenden Holger Buschmann daraufhin vor, beim Thema Wolf weiter polarisieren zu wollen. Nach Auffassung von Lies entspricht die Wolfsverordnung in allen Punkten dem Bundesnaturschutzgesetz und damit auch der FFH-Richtlinie der EU. Es gehe keineswegs um die Etablierung wolfsfreier Zonen, sondern lediglich um die Entnahme derjenigen Wölfe, die in der Kulturlandschaft die größte Gefahr für die Akzeptanz und damit die langfristige Überlebensfähigkeit der Art darstellten, betonte Lies.

Er verwies darauf, dass das Land angesichts von mittlerweile 35 Rudeln im vergangenen Jahr Herdenschutzmaßnahen in Höhe von über 5 Mio. Euro gefördert habe. Der NABU habe die Gelegenheit, die Wolfsverordnung bei der Verbändeanhörung mit konstruktiven Vorschlägen zu bereichern, weitgehend ungenutzt gelassen.

Landvolkverband kritisiert falsch verstandenen Tierschutz

Nutztierschäden durch den Wolf in Deutschland

Der Vizepräsident des niedersächsischen Landvolkverbandes, Jörn Ehlers, sprach angesichts der EU-Beschwerde des NABU von einem „Schlag ins Gesicht eines jeden Weidetierhalters“. Aus Sicht des Landvolks ist es nicht möglich, Schaf-, Ziegen- und weitere Weidetierherden wolfssicher einzuzäunen. Die Zahlen des Wolfmonitorings würden für sich sprechen: 2018/19 gab es in Niedersachsen 161 Übergriffe mit 420 getöteten Tieren, 2019/20 waren es 243 Übergriffe mit 1.087 toten Tieren.

Buschmann könne anscheinend gut die Augen vor der Realität verschließen, die die Tierhalter täglich blutig als Kadaver auf ihrer Weide vorfänden. „Das ist falsch verstandener Tier- und Naturschutz“, unterstrich Ehlers.

Wolfsfreie Zonen sind für Ehlers an der Küste ein Muss, die nur mit Abschussquoten erlangt werden können. Andernfalls sei naturnaher Küsten-, Deich- und Landschaftsschutz mit Weidetieren nicht möglich.

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