Login
Tierwohl

NRW: Stalleinbrüche sollen in die Kriminalstatistik

Einbruchswerkzeug
Thumbnail
Norbert Lehmann, agrarheute
am
09.05.2018

Nordrhein-Westfalen will Stalleinbrüche ab 2019 in die Kriminalstatistik aufnehmen. QS-Geschäftsführer Nienhoff tritt für eine sachliche Aufklärung ein.

Christina Schulze Föcking

Das Land Nordrhein-Westfalen will Stalleinbrüche ab dem kommenden Jahr in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassen. Das hat ein Sprecher des Düsseldorfer Innenministeriums gegenüber der Rheinischen Post bestätigt. Das unbefugte Eindringen in den Stall eines landwirtschaftlichen Betriebs soll als Hausfriedensbruch registriert werden. Bisher werden solche Delikte nicht in der Kriminalstatistik geführt.

Nordrhein-Westfalen reagiert damit auch auf die Debatte um die Tierhaltung auf dem Familienbetrieb der Landesagrarministerin Christina Schulze Föcking. Dort waren Tierrechtler vor rund einem Jahr in die Stallungen eingedrungen.

107 Sonderaudits nach Stalleinbrüchen

Im Zusammenhang mit der Medienberichterstattung über solche Vorkommnisse verwies der Geschäftsführer der QS Qualität und Sicherheit GmbH, Dr. Hermann-Josef Nienhoff, auf das erreichte hohe Tierwohl-Niveau der Tierhaltung in Deutschland hin.

In den vergangenen zwei Jahren, von Mai 2016 bis April 2018, hat QS nach eigenen Angaben 22 Medienberichte zur Tierhaltung registriert, die mit Stalleinbrüchen in Verbindung standen. Das Ereignis- und Krisenmanagement im QS-System war in dieser Zeit mit 46 Fällen zu Stalleinbrüchen konfrontiert. An 107 Standorten wurden sofort Sonderaudits durchgeführt. Davon waren 76 mit Schweinehaltung, 29 mit Geflügelhaltung und zwei mit Rinderhaltung.

Verstöße werden im QS geahndet

36 dieser Audits wurden ohne Abweichungen bestanden, in 58 Fällen wurden Korrekturmaßnahmen vereinbart. Dies betraf unzureichende Stalleinrichtung und Kadaverlagerung, Mängel bei der Schädlingsbekämpfung sowie das verfügbare Beschäftigungsmaterial. 13 Standorte bestanden das jeweilige Audit wegen Verstößen in der Tierhaltung nicht. Zwei Betriebe wurden dauerhaft aus dem QS-System ausgeschlossen.

Medien berichten häufig einseitig und skandalisierend

Hermann-Josef Nienhoff

Nienhoff stellte fest, die Berichterstattung über Stalleinbrüche sei häufig einseitig und skandalisierend. Er forderte, alle Wirtschaftsbeteiligten sowie die Politik sollten dafür eintreten, die Landwirte davor zu schützen. Die Tierhaltung in Deutschland werde hohen Ansprüchen gerecht und habe ein gutes Ansehen verdient.

Im vergangenen Jahr hätten 98 Prozent der Tierhalter ihre QS-Audits erfolgreich bestanden. Die Ergebnisse würden die zuverlässige und gewissenhafte Arbeit der Tierhalter belegen.

In jedem Fall Anzeige erstatten

Thomas May, Krisenmanager bei QS, rät Betrieben, Stalleinbrüche in jedem Fall QS und den zuständigen Ämtern zu melden, um einen Nachweis in der Hand zu haben. Außerdem empfiehlt QS, Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Auch interessant