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+++ Ergänzt um 10:30 Uhr +++

Öko-Regelungen: So viel Geld gibt es pro Hektar

Blühstreifen Öko-Regelungen Eco Schemes
am Donnerstag, 07.10.2021 - 08:08 (Jetzt kommentieren)

30 Euro für eine vielfältige Fruchtfolge, 100 Euro für den Verzicht auf den chemischen Pflanzenschutz – das sind die geplanten Fördersätze für die neuen Öko-Regelungen im Rahmen der EU-Agrarreform.

Rund 1 Mrd. Euro steht in Deutschland jährlich zur Unterstützung der – für Landwirte freiwilligen – Öko-Regelungen oder neudeutsch Eco-Schemes zur Verfügung. Lange hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sich nicht in die Karten blicken lassen, wie das Geld auf die einzelnen Maßnahmen verteilt wird. Doch kurz nach der Bundestagswahl liegen die Beträge nun vor.

Die angebotenen Summen lassen Fachleute zweifeln, ob damit eine hohe Akzeptanz in der Landwirtschaft zu erreichen sein wird. Die Anpassungskosten der Betriebe sind teils deutlich höher, wie Berechnungen der Fachhochschule Südwestfalen in Soest zeigen.

Konditionalität und Eco-Schemes werden geregelt

Doch der Reihe nach: Die Förderbeträge der Öko-Regelungen und die Bedingungen für die Konditionalität werden in zwei Verordnungen geregelt. Gestern (6.10.) hat das Bundeslandwirtschaftsministerium seine Referentenentwürfe an die Länder und Verbände zur Stellungnahme versandt.

Aus den Entwürfen, die agrarheute vorliegen, geht detailliert hervor, welche bundesweit einheitlichen Beträge den Landwirten für zusätzliche Umweltleistungen angeboten werden sollen. Auch wie diese Leistungen für den Umwelt- und Naturschutz auf dem Acker und im Grünland erbracht werden sollen, wird beschrieben.

Die Beträge für die neuen gekoppelten Beihilfen für Mutterkühe sowie Mutterschafe und -ziegen werden mit den beiden Verordnungen ebenfalls bestimmt: Vorgesehen sind 77,93 Euro für Mutterkühe im Antragsjahr 2023. Die Prämie fällt bis 2026 stufenweise leicht ab auf 73,60 Euro. Für Mutterschafe und -ziegen werden 2023 voraussichtlich 34,83 Euro gezahlt, ebenfalls leicht abfallend auf 32,89 Euro im Jahr 2026.

In der folgenden Tabelle sind die indikativen Einheitsbeträge zusammengefasst. Werden die verfügbaren Einzelbudgets über- oder unterschritten, können die Prämien innerhalb eines engen Korridors angepasst werden.

Geplante Einheitsbeträge für Öko-Regelungen in Euro je Hektar förderfähiger Fläche

   

 

2023

2024

2025

2026

Brache auf Ackerflächen

 

  • 1. Prozentpunkt

1.300 Euro

1.300 Euro

1.300 Euro

1.300 Euro

  • 2. Prozentpunkt

500 Euro

500 Euro

500 Euro

500 Euro

  • 3.-5. Prozentpunkt

300 Euro

300 Euro

300 Euro

300 Euro

Altgrasstreifen oder -flächen in Dauergrünland

 

  • 1. Prozentpunkt

900 Euro

900 Euro

900 Euro

900 Euro

  • 2. und 3. Prozentpunkt

400 Euro

400 Euro

400 Euro

400 Euro

  • 4. bis 6. Prozentpunkt

200 Euro

200 Euro

200 Euro

200 Euro

Anlage von Blühstreifen oder -flächen auf Ackerland sowie in Dauerkulturen

150 Euro

150 Euro

150 Euro

150 Euro

Vielfältige Fruchtfolge

30 Euro

30 Euro

30 Euro

30 Euro

Agroforstsysteme

60 Euro

60 Euro

60 Euro

60 Euro

Extensivierung des gesamten Dauergrünlandes

115 Euro

100 Euro

100 Euro

100 Euro

extensive Bewirtschaftung von Dauergrün- landflächen mit Nachweis von mindestens vier regionalen Kennarten

240 Euro

240 Euro

225 Euro

210 Euro

Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz

100 Euro

100 Euro

100 Euro

100 Euro

Bestimmte Bewirtschaftungsmethoden in Natura 2000-Gebieten

40 Euro

40 Euro

40 Euro

40 Euro

Wie wird die freiwillige Brache gefördert?

Recht kompliziert ist das Angebot für zusätzliche nicht-produktive Flächen auf Ackerland. Gemäß der Konditionalität müssen 4 Prozent ohnehin stillgelegt werden. Für den ersten Prozentpunkt an Fläche, der darüber hinaus freiwillig nicht-produktiv genutzt wird, sind 1.300 Euro je Hektar als Entschädigung vorgesehen. Für den zweiten Prozentpunkt an Fläche sind es nur noch 500 Euro und für den dritten bis fünften Prozentpunkt sinkt der Betrag sogar auf 300 Euro. Bei 5 Prozent Flächenanteil ist die Regelung gedeckelt.

Das Stufenmodell führt für einen Betrieb, der 5 Prozent seiner Ackerfläche zusätzlich freiwillig stilllegt, auf diesen Flächen zu einer durchschnittlichen Entschädigung von 540 Euro je Hektar. In einer Studie der FH Soest, die der Deutsche Bauernverband (DBV) in Auftrag gegeben hat, wird der Deckungsbeitragsverlust für einen Betrieb mit 5 Prozent Stilllegung auf einem guten Standort jedoch mit durchschnittlich 1.015 Euro je Hektar beziffert. Selbst auf einem mittleren Standort sind es noch 829 Euro.

Bei der Vorstellung der Studie hob der stellvertretende DBV-Generalsekretär Udo Hemmerling gestern hervor, die Stilllegung verursache relativ hohe Kosten für die Landwirte. Sie könnten aber nur dann an den Agrarumweltmaßnahmen teilnehmen, wenn ihnen attraktive Angebote gemacht würden. Hemmerling hält daher den „scharfen Bruch“ des Einheitsbetrages nach dem ersten Prozentpunkt für „noch diskussionswürdig“.

Was ist für Altgrasstreifen und Blühflächen geplant?

Ein ähnliches Stufenmodell ist für die Anlage von Altgrasstreifen oder -flächen auf Dauergrünland vorgesehen. Hier bewegen sich die Fördersätze zwischen 900 Euro und 200 Euro. Förderfähige Altgrasstreifen dürfen vor dem 1. September nicht beweidet oder gemäht werden.

Blühstreifen von mindestens 20 und höchstens 30 Metern Breite werden mit 150 Euro je Hektar bezuschusst. In Dauerkulturen gilt keine Mindestbreite. Für die Aussaatmischung gibt es exakte Vorgaben. Die Förderung kann ohne erneute Aussaat für zwei Jahre in Folge beantragt werden.

Wie die Umstellung auf den Öko-Landbau versteckt gefördert wird

Wenig attraktiv erscheint die Prämie von 100 Euro je Hektar für den Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz. Prof. Friedrich Kerkhof, der die Studie der FH Soest zu den Anpassungskosten von Eco-Schemes geleitet hat, sieht den Betrag als zu niedrig an, um wirklich einen Anreiz für konventionell wirtschaftende Betriebe darzustellen. Biobetriebe sind von diesem Angebot aber ausgeschlossen.

Aus Sicht des Landwirtschaftsministeriums ist diese Öko-Regelung daher vor allem für jene konventionellen Betriebe interessant, die sich damit den Einstieg in die Umstellung auf den Öko-Landbau fördern lassen wollen. Das Ministerium rechnet mit einer maximalen Akzeptanz von 1,2 Mio. ha im Antragsjahr 2024.

Kerkhof: Zu wenig Geld für die vielfältige Fruchtfolge

Die Förderung vielfältiger Fruchtfolgen in Höhe von 30 Euro erfordert mindestens fünf verschiedene Hauptfruchtarten. Jede davon muss auf mindestens 10 Prozent und darf auf höchstens 30 Prozent der Ackerfläche eines Betriebes angebaut werden. Leguminosen oder Gemenge daraus müssen Teil der Fruchtfolge sein. Der Getreideanteil darf höchstens 66 Prozent betragen.

Prof. Friedrich Kerkhof hält die angebotenen 30 Euro für deutlich zu niedrig. Er verwies auf das Beispiel Nordrhein-Westfalens, wo für eine ähnliche Agrarumweltmaßnahme derzeit 125 Euro angeboten werden und das Programm nur „wenig Begeisterung“ unter den Landwirten auslöse.

Darum rechnet der Bund dennoch mit hoher Akzeptanz der Eco-Schemes

Der Bund geht dennoch davon aus, dass die Landwirte aufgrund der Förderung jährlich rund 4,7 Mio. ha oder 40 Prozent der Ackerfläche mit vielfältigen Fruchtfolgen bestellen werden. Bei der extensiven Grünlandbewirtschaftung hofft das Ministerium auf knapp 2 Mio. ha Beteiligung sowie weiteren 640.000 ha für artenreiches Grünland. Bei dieser Einschätzung und der Höhe der angebotenen Förderung für die Eco-Schemes stützt sich das Ressort auf Berechnungen des Thünen-Instituts.

Klöckner will die Verordnungsentwürfe nach den Stellungnahmen der Länder und Verbände am 3. November im Kabinett beschließen lassen. Der Bundesrat soll die Verordnungen am 26. November verabschieden. Dann könnten sie noch rechtzeitig Teil des nationalen Strategieplans werden, der der EU-Kommission bis zum 1. Januar 2022 zur Genehmigung vorgelegt werden muss.

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