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Baden-Württemberg

Ortsumfahrung: Landwirtschaft wird vor Bürgerentscheid zum Spielball

Blick auf Markdorf und den Bodensee
am Donnerstag, 11.11.2021 - 15:40 (4 Kommentare)

In der baden-württembergischen Stadt Markdorf sollen die Bürger am kommenden Sonntag (14.11.) darüber abstimmen, ob die Planungen an einer Ortsumfahrung weiterverfolgt werden sollen. Befürworter und Gegner der Umfahrung rücken die landwirtschaftlichen Flächen der Umgebung in den Mittelpunkt, um mit ihren Argumenten zu überzeugen.

Eine 3,2 Kilometer lange Ortsumgehungsstraße südlich von Markdorf plant das Straßenbauamt des Landratsamts im Bodenseekreis. Das Planfeststellungverfahren zur Ortsumfahrung geht ins das Jahr 2009 zurück. Kurz vor dem Bürgersentscheid, durch den die Stadt Markdorf ihre Bewohner am Sonntag einbeziehen muss, scheint es, als sei es die Landwirtschaft, die sowohl für die Pro- als auch für die Contra-Seite der ausschlaggebende Punkt ist: für die einen als Naherholungsgebiet, für die anderen als agroökonomische Monokultur.

Doch nicht nur zwei Interessengruppen – die Interessengemeinschaft pro Südumfahrung und das Aktionsbündnis „Stop Südumfahrung“ – stehen sich gegenüber. Auch die Politik mischt vor Ort kräftig mit.

Beide Seiten wollen saubere Luft

Vor einer „Süd-Zerschneidung“ durch die geplante Ortsumfahrung warnt das Aktionsbündnis „Stop Südumfahrung“. Da auch die Bundesstraße 31 neu ausgebaut werde, werde die Erholungslandschaft sogar doppelt zerschnitten. Zwischen 17 und 18 Hektar würde die Umfahrungsstraße verbrauchen. Laut Aktionsbündnis befinde sich von dieser Gesamtfläche der größte Teil auf „auf besten landwirtschaftlichen Böden“. Die Ausgleichsflächen, die der Straßenbau naturschutzrechtlich erfordern würde, ginge wiederum auf Kosten weiterer landwirtschaftlicher Flächen. Zum Aktionsbündnis gehören nach eigenen Angaben unter anderen betroffene Landwirte, der Ortsverband der Grünen, die Ortsgruppe des BUND und die Umweltgruppe Markdorf.

Für die Interessengemeinschaft pro Südumfahrung scheinen Umwelt- beziehungsweise gesundheitliche Interessen aber nicht minder wichtig. Diese Gruppe möchte den Durchgangsverkehr in Markdorf vermeiden und damit die „dauerhafte Lärmbelästigung“ und die „Dreck- und Feinstaubbelastung für alle Anwohner“. Darüber hinaus wünscht sich die Interessengemeinschaft sichere Radwege, mehr Verkehrssicherheit für Kinder und eine Innenstadtentwicklung. In einem offenen Brief an den Gemeinderat behauptet die Gemeinschaft außerdem, dass in ganz Baden-Württemberg Markdorf die Stadt mit der höchsten Belastung an Stickoxiden sei.

Südumfahrung durch „agroökonomische Monokultur“

Rolf Haas, FDP-Stadtrat in Markdorf, empfiehlt auf Facebook, für die Südumfahrung beziehungsweise gegen die Ablehnung des Baus durch die Stadt zu stimmen. Aus einem Video der Interessengemeinschaft pro Südumfahrung, das Haas bei Facebook geteilt hat, geht hervor, dass die Frage für den Bürgerentscheid am Sonntag so lauten wird: „Soll die Stadt Markdorf in ihrer Stellungnahme an den Kreistag den Bau der Südumfahrung (K7743) ablehnen?“. Haas appelliert, mit „Nein“ zu stimmen.

Die Südumfahrung führe zudem nicht durch ein „Einhorn-Reservat“, sondern durch eine „agroökonomische Monokultur“, heißt es im Video. Pestizide und Herbizide würden auf den Flächen „mehrfach im Monat verspritzt, um den Ertrag zu schützen und zu maximieren“. Auch Jauche werde „als billiger Dünger“ mehrmals pro Jahr „auf die Felder gekippt“.

Eine ergänzende Stellungnahme hat Haas der agrarheute-Redaktion bisher noch nicht zukommen lassen. 

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