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Glosse

Ostern in Zeiten des Coronavirus

Osterei-Hase_smb
am Sonntag, 12.04.2020 - 08:30 (Jetzt kommentieren)

In einer Glosse wirft unser Chefredakteur, Simon Michel-Berger, einen Blick auf das Osterfest in Zeiten von Corona.

Herzlichen Glückwunsch, Sie haben es geschafft! Wenn Sie diese Zeilen lesen ist Ostersonntag und sie befinden sich wahrscheinlich an einem ruhigen Ort, hoffentlich mit einer Mahlzeit im Bauch. Dass Sie es bis hierher schaffen würden, war keinesfalls sicher. Denn niemand geringeres als unsere Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner war in Sorge um Sie.

Achtung: Feiertage an Ostern

In einem eigenen Statement hatte die Ministerin am Montag dazu aufgerufen, „rechtzeitige Vorbestellungen zu tätigen, und die gesamte Woche für den Ostereinkauf zu nutzen“. Der Grund für diesen wertvollen Hinweis: „am Freitag, am Sonntag und am Montag“ werden die Geschäfte weitgehend geschlossen sein. Unglaublich! Wer hätte das gedacht, noch dazu an Ostern.

Ostereinkauf als Familienevent?

Außerdem ermahnt Klöckner dazu, den Einkauf nicht als „Familienevent“ zu nutzen – um die Ansteckungsgefahr in Zeiten des Coronavirus moderat zu halten. Ich weiß nicht, wann Sie vor Corona an Ostern im Supermarkt waren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Ostereinkauf am Nachmittag des Gründonnerstags schon früher in der Regel nicht vergnügungssteuerpflichtig war, geschweige denn ein Event, bei dem man sich gerne von Kindern begleiten lässt. Letztere wissen nämlich schon ab erstaunlich jungen Jahren, den Einkaufsstress ihrer Eltern durch geschicktes Quengeln optimal für sich zu nutzen, um sich mit nutzlosem aber buntem Tand versorgen zu lassen.

Wo ist der mündige Verbraucher?

Es war im Juli 2007, als die damalige Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner einen schönen Satz im Parlament sagte: „Für uns ist der informierte, mündige Verbraucher das Leitbild.“ Sie sagte es – so viel Zeit muss sein – im Zusammenhang mit Verbraucherschutz bei Versicherungspolicen. Aber ich wage zu behaupten, dass wer eine Versicherung abschließen kann, ebenso weiß, dass vor Feiertagen in Supermärkten mehr los ist, als in einer normalen Woche. Auch ganz ohne Corona.

Den Einsatz belohnen

Doch wenn auch nur ein Menschenleben durch das Statement der Ministerin gerettet wurde, dann hat es sich gelohnt. Selbst wenn wir dann künftig mit weiteren medienwirksamen Aussagen im Stile von: „Öffnen Sie die Augen, wenn Sie aus dem Haus gehen. Es könnten Hindernisse auf Ihrem Weg liegen“ rechnen müssen. Der Dank der Nachwelt wird ihr gewiss sein. Oder wie König Ludwig der Bayer es formuliert hätte, wenn er noch leben würde: „Jedem Mann ein Ei und der tapferen Julia Klöckner zwei.“

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