Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Polen

Auf Polens Bauern nimmt der Druck weiter zu – Massenproteste drohen

Landwirtschaftsbetrieb in Polen
am Donnerstag, 21.10.2021 - 15:09 (3 Kommentare)

Polnische Bauern könnte es wegen stetig steigender Kosten, niedriger Preise auf dem Schweinemarkt und hoher Auflagen bald zu Massen auf die Straße treiben. Davor warnt der Rat der polnischen Landwirtschaftskammern.

Mit einem Schreiben hat sich der Rat der polnischen Landwirtschaftskammern an die Regierung gewandt. In diesem appelliert er, dem immer weiter steigenden Druck auf Polens Landwirte entgegenzuwirken. Die Preisexplosionen bei Dünge- und anderen Betriebsmitteln seien mit den nur leicht steigenden Erzeugerpreisen für Feldfrüchte kaum noch zu bewältigen. Hinzu kämen im Schweinesektor historisch niedrige Erzeugerpreise von umgerechnet teilweise deutlich weniger als 1,00 Euro pro Kilogramm. Wenn die Lage nicht entschärft werde, könne es zu Unruhen und Massenprotesten kommen, warnt der Rat.

Schon in der vergangenen Woche warnte die polnische Delegation im EU-Agrarrat vor sozialen Unruhen, die vor allem in den immensen Düngemittelpreisen ihren Ursprung finden könnten: Wenn sich die Lebensmittel wegen der hohen Produktionskosten weiter verteuern, könne sich die finanzielle Not schließlich auf die gesamte Bevölkerung in der EU übertragen.

Staatliche Hilfe gefordert

In der Sitzung des EU-Agrarrats versprach Agrarkommissar Janusz Wojciechowski, Vorschläge zu erarbeiten, um den europäischen Landwirten zu helfen. Von den steigenden Rohstoffpreisen ist der Düngermarkt am stärksten betroffen, allerdings liegen die Kosten für Agrardiesel und andere Betriebsmittel derzeit auch deutlich, etwa um 30 Prozent, über dem Vorjahresniveau.

Nach Angaben des Verbands der polnischen Getreideproduzenten ist bei Getreide und Raps eine bedarfsgerechte Düngung, die kostendeckend ist, momentan nicht möglich – selbst auf den besten Böden. Der Verband warnt ebenfalls vor gesamtgesellschaftlichen Folgen, die sich aus den Düngerpreisen ergeben können. Zusätzlich trügen die steigenden Kosten für Pflanzenschutzmittel dazu bei, dass aus der Gefahr Realität wird.

Ein zu geringer Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmittel könne sich bereits auf die neue Anbausaison auswirken. Es sei daher absehbar, dass sich die daraus folgenden Ertragseinbußen schon bald auf die Nahrungsmittelversorgung in Polen auswirken, heißt es vom Verband. Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki solle prüfen, wie die Agrarproduktion und die Landwirte unterstützt werden können.

Probleme noch nicht gelöst, wenn Betriebsmittel wieder bezahlbar

Doch selbst wenn sich die Preise für Dünge- und Pflanzenschutzmittel wieder normalisieren, werden die europäischen Bauern sie künftig reduzieren müssen. Unmut wegen überzogener Reduktionsziele, die der europäische Green Deal vorsieht, herrscht besonders auch bei den polnischen Landwirten. Darauf weist der Rat der polnischen Landwirtschaftskammern in seinem Schreiben hin. Die extrem ehrgeizigen Ziele beim Umwelt- und Klimaschutz dürften nicht festgelegt werden, ohne vorher die wirtschaftlichen und sozialen Kosten genau geprüft zu haben.

Mit Material von AgE
Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Dezember 2021
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
agrarheute Magazin Cover

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...