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Deutscher Raiffeisentag 2023

Politik ohne Technologieoffenheit: Bauern müssen Probleme allein lösen

Landwirte könnten politische Vorgaben aus Sicht des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV) besser erreichen, wenn sie mehr Innovationen nutzen könnten.
am Donnerstag, 08.06.2023 - 12:27 (3 Kommentare)

Beim Deutschen Raiffeisentag am 6. und 7. Juni in Berlin stand die Ampelkoalition in der Kritik: Landwirte sollen ihre hoch gesteckten Ziele umsetzen, können aber vorhandene technische Möglichkeiten nicht nutzen. Vorspann

Unter dem Motto „Über.Morgen. Megatrends Agrar und Ernährung“ lud der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) zur Mitgliederversammlung und zum Branchentreff ein.

DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp forderte von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen für Landwirte, aber auch nachhaltigere Entscheidungen, beispielsweise durch Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Technologien. Für den Einsatz von Innovationen, an denen die Branche bereits arbeite, sei ein positives Klima notwendig. „Politik und Gesellschaft müssen der Landwirtschaft das notwendige Vertrauen entgegenbringen, damit sie kreativ und zukunftsgerichtet agieren kann“, sagte Holzenkamp. Die Genossenschaften des Dachverbands seien vorbereitet, neugierig und aufgeschlossen für Neues – das wünsche sich der DRV auch von der Ampelkoalition.

Holzenkamp: Reduktionsziele beim Pflanzenschutz nicht ohne Innovationen

Im Mittelpunkt stehen müssten laut Holzenkamp wieder marktwirtschaftliche Prinzipien. Durch sie würden Innovationen erleichtert. Innovationen müssten insbesondere bei den Reduktionszielen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln berücksichtigt werden, da die pauschalen Vorgaben dazu ansonsten nicht zielführend seien.

Neben der Zurückhaltung gegenüber Innovationen kritisierte Holzenkamp „ideologiegetriebene Betrachtungen“ der Politik. So sei es zu kurz gegriffen, das deutsche 30-Prozent-Ziel für den Ökolandbau ohne eine Gesamtbetrachtung als nachhaltig einzustufen. DRV-Hauptgeschäftsführer Henning Ehlers kritisierte das Vorgehen der Bundesregierung beim Umbau der Tierhaltung. Die bisher ergriffenen Maßnahmen seien aus seiner Sicht ein „unreifes Stückwerk“.

Darüber hinaus forderte Holzenkamp gleiche Wettbewerbsbedingungen in der EU. Er sprach sich für einen Ausbau des internationalen Handels aus. Das Mercosur-Abkommen unterstütze er grundsätzlich, sofern es zu Handelsbeziehungen auf Augenhöhe führe.

FDP will Landwirtschaft mit CRISPR/Cas im internationalen Wettbewerb stärken

In einem Videobeitrag hatte die FDP-Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger den DRV-Präsidenten in seinem Wunsch nach Innovationen bestärkt. Neue Züchtungstechnologien wie CRISPR/Cas sollten aus Sicht von Stark-Watzinger leichter angewendet werden können. Sie gehörten zum Agrarsystem der Zukunft und seien unverzichtbar, weil sie die Ernährung sicherten und die Landwirtschaft an den Klimawandel anpassten.

Außerdem sorge CRISPR/Cas dafür, dass die Branche im internationalen Wettbewerb mithalten könne. „Wir müssen ein zeitgemäßes Gentechnikgesetz schaffen, das wissenschaftlich fundiert, risikoangepasst und technologieoffen ist“, sagte die Ministerin und schloss sich der DRV-Forderung nach einem „Innovationsbooster“ an.

Hennig Ehlers prognostizierte, dass die seit dem Ukraine-Krieg hohe Volatilität an den Agrarmärkten bestehen bleibe. Besonders bei Weizen, Stickstoffdünger und Erdgas werde es weiterhin Preisschwankungen geben.

Mit Material von AgE, Presseportal

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