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Mitten in der Maisernte

Rakete trifft Agrarbetrieb in Polen: Landwirt und Vorarbeiter tot

Polizeisperre in Przewodow
am Mittwoch, 16.11.2022 - 10:16 (1 Kommentar)

In einer Trocknungsanlage auf einem Agrarbetrieb im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet schlug gestern eine Rakete ein. Ein Landwirt und ein Vorarbeiter starben.

In einem Dorf im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet ist es am Dienstagnachmittag gegen 15.40 Uhr zu einer schweren Detonation gekommen.

Auf dem Gelände eines landwirtschaftlichen Betriebs in Przewodow schlug eine Rakete ein, wie die Tagesschau berichtet. Dabei starben zwei polnische Staatsbürger, vermutlich ein Landwirt und ein Vorarbeiter.

Raketeneinschlag: Mais in Getreidetrocknungsanlage gebracht

Das Dorf liegt ganz im Osten des Landes, keine zehn Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt.

Wie die Warschauer Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" meldet, explodierte die Rakete in einer Getreidetrocknungsanlage. Die beiden Opfer, ein Vorarbeiter und einer der Bauern, hätten gerade Mais dorthin gebracht. Beide seien auf der Stelle tot gewesen. Auch das Gebäude, in dem sich die Anlage des Agrarbetriebs befand, sei vollständig zerstört worden.

Ein Bekannter der beiden Männer erzählte der polnischen Boulevardzeitung „Fakt“, dass es sich bei den Toten um einen 60- und einen 62-Jährigen handle. Sie seien seit Montag mit der Maisernte beschäftigt gewesen.

Rakete stammt aus russischer Produktion: Weitere Ermittlungen

Nach Angaben des polnischen Außenministeriums handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Rakete aus russischer Produktion. Diese werden sowohl von der Ukraine als auch Russland verwendet. Der polnische Präsident Andrzej Duda sagte gegenüber Journalisten, es gebe noch keine gesicherten Erkenntnisse, wer für den Raketeneinschlag verantwortlich sei.

Man wisse zwar, dass es quasi den ganzen Tag über einen russischen Raketenangriff auf die Ukraine gegeben hat, aber man habe aktuell keine eindeutigen Beweise dafür, wer sie abgefeuert hat. Die Ermittlungen dazu dauerten noch an. Die russische Armee hatte am Dienstag die Ukraine mit mehr als 90 Raketen und Marschflugkörpern beschossen, erklärte Kiew. Auch die westukrainische Stadt Lwiw, etwa 60 Kilometer von Przewodow entfernt, war Ziel der Angriffe.

Möglicherweise Flugabwehrrakete aus Beständen der Ukraine

US-Präsident Joe Biden erklärte, dass es die Flugbahn der Rakete "unwahrscheinlich" erscheinen lasse, dass sie aus Russland abgefeuert wurde. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa berichtete er zudem später hinter verschlossenen Türen, dass es sich bei dem Geschoss um eine Flugabwehrrakete aus Beständen der Ukraine handeln könnte.

Polen versetzte Teile seiner Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft. Zudem alarmierte das Land die NATO. Man werde voraussichtlich den Antrag stellen, die Verfahren nach Artikel 4 des Nato-Vertrags einzuleiten. Dieser sieht Beratungen der Nato-Staaten vor, wenn einer von ihnen die Unversehrtheit seines Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die eigene Sicherheit bedroht sieht.

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, es seien keine Ziele im ukrainisch-polnischen Grenzgebiet beschossen worden. Die ukrainische Regierung schreibt den Angriff hingegen Russland zu.

Mit Material von tagesschau.de, Fakt, Focus

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