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Wiederzulassungsverfahren

Reaktionen auf die (Nicht-)Entscheidung beim Glyphosat

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
09.03.2016

Die EU-Staaten haben sich vorerst nicht auf eine Neuzulassung des Wirkstoffs Glyphosat geeinigt. Die Vertagung ruft unterschiedliche Reaktionen hervor.

Bereits am ersten Tag der zweitägigen Sitzung von Experten der 28 EU-Länder zeichnete sich ab, dass die nötige Mehrheit nicht zustande kommen würde. Zu einer Abstimmung kam es am Dienstag nicht. Das Experten-Gremium soll sich nach derzeitiger Planung am 18. und 19. Mai erneut mit der Zukunft des Mittels befassen. Allerdings könnte das Thema auch schon vorher besprochen werden, hieß es aus der EU-Kommission.

Insbesondere habe es Diskussionen über Zusatzstoffe gegeben, die gemeinsam mit Glyphosat zum Einsatz kommen. Die Bundesregierung hat ihre Position zum Thema bisher nicht festgelegt. Die derzeitige Zulassung in der EU läuft noch bis Ende Juni.

Die Vertagung der Entscheidung rief unterschiedliche Reaktionen hervor.

Risiken genau abwiegen

Der Agrarminister Mecklenburg-Vorpommerns, Dr. Till Backhaus (SPD), hält eine weitere Prüfung für sinnvoll: "Es sollte genau abgewogen, welche Konsequenzen eine Entscheidung für oder gegen Glyphosat für Mensch, Tier und Umwelt mit sich bringt. Schnellschüsse sind in dieser Frage nicht angebracht und würden die Öffentlichkeit, vor allem die Verbraucher, nur weiter verunsichern."

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner zeigte sich erfreut über die Entwicklung: "Natürlich bedeutet das Verschieben noch lange kein Ende für Glyphosat. Aber es gibt uns potenziell die notwendige Zeit, weitere wichtige Einschätzungen zur Gesundheits- und Umweltgefahr des Pflanzenvernichters abzuwarten." Er verwies auf ausstehende Neubewertungen der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) und einer Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Die Umweltorganisation Greenpeace forderte einen "grundsätzlichen Wandel in der Landwirtschaft" und Alternativen zum "Griff zur Giftspritze".

AGG: 'Wirkung von Glyphosat sehr eingehend untersucht'

Auch die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (AGG), die die Interessen von einigen Pflanzenschutzmittelherstellern vertritt, kommentiert die Entscheidung: "Wohl kaum eine Substanz ist je so eingehend untersucht worden wie Glyphosat im Rahmen dieses Prozesses. Wenn einzelne Mitgliedstaaten dennoch Bedarf für weitere Konsultationen gesehen haben, war es eine nachvollziehbare Entscheidung der Kommission, dafür angemessene Zeit zu gewähren." Die Entscheidung solle laut AGG nicht aus kurzfristigen politischen Erwägungen, sondern auf der Basis robuster wissenschaftlicher Bewertung erfolgen.

Die österreichische IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) hingegen bedauert die Vertagung: "Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat die wissenschaftliche Sicherheit zur Unbedenklichkeit von Glyphosat bestätigt, auch das Vorsorgeprinzip wurde eingehalten. Deshalb ist es schade, dass nun erneut politische Entscheidungen aus einer emotional geführten Debatte heraus getroffen werden", heißt es von Seiten des IGP.

Geteiltes Urteil der facebook-User

Auch auf unserer facebook-Seite wurde die Entscheidung der EU-Kommission kommentiert.

"Die Wiederzulassung sollte an fachgerechte Anwendungsbestimmungen festgelegt werden. Diese können von der Landwirtschaft umgesetzt werden und den Verbrauch einschränken. [...] Aber eine polemische Diskussion mit Wahrscheinlichkeiten und Mutmaßungen findet keine Akzeptanz. Schade das die fachliche Diskussion dazu ausbleibt", meint User Stegelmann.

Panowsky schreibt: "Würde Glyphosat verantwortbar eingesetzt, denke ich, wäre es vertretbar. Aber je größer die Flächen, desto größer der Anspruch an die Rentabilität."

Paulsen gibt zu bedenken: "Man kann ja Beschränkungen vornehmen. Wenn man jetzt aber Greening macht auf den Flächen für Zuckerrüben, [auf denen] der Frost nicht auslangte? Wegen der milden Witterung [sind dort] die Zwischenfrüchte nicht eingegangen. [...] Das in den Griff zu bekommen, erfordert ein erhöhtes Ausbringen von anderen Mitteln."

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