Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Artenschutz

Rettet die Bienen: Gute Ansätze im Kompromisspapier Baden-Württembergs

am Mittwoch, 23.10.2019 - 05:00 (1 Kommentar)

Hohenheimer Wissenschaftler finden das Eckpunktepapier zum Artenschutz gut. Baden-Württemberg hatte vergangene Woche damit das Volksbegehren zum Ruhen gebracht. Hier einige Statements.

Sandbiene auf Blüte

Baden-Württemberg will aktiv werden, um das Insektensterben zu stoppen. Als Reaktion auf das Volksbegehren „Rettet die Bienen“, das mit sehr weitreichenden Forderungen bei vielen Landwirten auf Kritik stieß, legte die Landesregierung vergangene Woche ein eigenes Eckpunktepapier als Kompromiss vor.

Experten der Universität Hohenheim in Stuttgart halten das Eckpunktepapier der baden-württembergischen Landesregierung als Kompromiss zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“ für gut. Es korrigiere das Maßnahmenpaket entscheidende Schwachpunkte des Volksbegehrens und schaffe die Grundlage für einen notwendigen Dialog. Entscheidend sei nun, wie die Pläne konkret umgesetzt werden. Hier einige Auszüge aus den Statements.

Mehrjährige Maßnahmen auf FAKT-Flächen nötig

Steidle-Johannes-Uni-Hohenheim

„Das Eckpunktepapier des Landes enthält entscheidende Punkte, die mir im Text des Volksbegehrens gefehlt hatten. Denn Pestizide sind zwar ein Teil des Problems, aber andere Faktoren sind vermutlich sogar noch wichtiger. Der Entwurf des Landes nimmt hier eine sinnvolle Gewichtung vor," sagt Prof. Dr. Johannes Steidle, Fachgebiet Tierökologie an der Universität Hohenheim.

Das Ziel, dass auf 10 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen sogenannte FAKT-Maßnahmen mit biodiversitätsstärkender Funktion umgesetzt werden soll, erscheint laut Steidle sinnvoll. Dabei müsse allerdings sichergestellt sein, dass es sich tatsächlich um mehrjährige Maßnahmen handelt, andernfalls sei der Effekt zu gering.

"Schutzgebiete auszuweiten und zu vernetzen ist ebenfalls ein richtiger Ansatz. Eine sehr sinnvolle Ergänzung wäre es hier, am Rande von Naturschutzgebieten zusätzlich auch vermehrt Pufferzonen mit eingeschränktem Schutzstatus zu schaffen", so der Wissenschaftler.

Auch das angestrebte Verringern von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln ist als eine Maßnahme im Gesamtpaket sinnvoll. Entscheidend sei dabei vor allem, die Flächen zu reduzieren, auf denen diese Mittel zum Einsatz kommen, nicht so sehr die Menge pro Fläche.

Halbierung der Pflanzenschutzmittel bis 2030 ist machbar

Vögele-Ralf-Uni-Hohenheim

„Das Eckpunktepapier stellt einen großen Fortschritt im Vergleich zum Volksbegehren dar, da es von Maximalforderungen Abstand nimmt", fasst Prof. Dr. Ralf Vögele, Dekan der Fakultät Agrarwissenschaften und Direktor des Instituts für Phytomedizin, Universität Hohenheim, zusammen.

Es könnte sich ein Kompromiss abzuzeichnen, den auch Landwirte mitgehen können. Allerdings werde es nun darauf ankommen, wie genau das Ziel, chemisch-synthetische Pflanzenschutzschutzmittel zu reduzieren, im Gesetz tatsächlich ausformuliert werden.

Eine Reduktion um 50 Prozent bis 2030 hält Vögele ich dann für möglich, wenn man dabei die Gesamtmenge über alle Anbaukulturen hinweg betrachtet. "An der Universität Hohenheim forschen wir beispielsweise an neuen Verfahren, wie wir auf einem ‚Dritten Weg‘ bei bestimmten Kulturen komplett auf Pflanzenschutzmittel verzichten können, dazu zählt beispielsweise Mais, Weizen aber auch Hülsenfrüchte", so der Pflanzenschutzexperte.

Fördern ist besser als nur verbieten

„Ich begrüße das vorgelegte Eckpunktepapier sehr, da es auf Dialog und eine ausgewogene Betrachtung aller relevanten Faktoren setzt. Dies ist der einzige Weg, um den aufgeheizten Konflikt einer sinnvollen Lösung zuzuführen", ist sich Dr. Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde, Universität Hohenheim, sicher.

Positiv ist zu bewerten, dass Fördermaßnahmen gegenüber reinen Verboten mehr Gewicht erhalten und dass die meisten für Artenschutz relevanten Gruppen in einem Dialogforum an einem Tisch zusammenkommen sollen, um gemeinsam zu erarbeiten, wie die Ziele konkret erreicht werden können.

Das Eckpunktepapier betont laut Rosenkranz zurecht, dass Artenschutz nicht nur im ländlichen Bereich stattfinden darf und es eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung nötig ist, um die Aufgabe zu bewältigen. Auch Verbraucher müssen dabei in die Pflicht genommen werden: Wer mehr ökologische Landwirtschaft will, sollte auch die entsprechenden Produkte kaufen.

proBiene will am Ball bleiben

 „Wir bleiben wachsam und beobachten ganz genau, wie die Eckpunkte in ein ambitioniertes Gesetz für Artenschutz gegossen werden“, sagt Volksbegehrens-Sprecher und proBiene-Geschäftsführer David Gerstmeier.

„Für viele Punkte finden sich die Grundlagen in unserem Gesetzentwurf. Die Landesregierung hat nun die Möglichkeit die Forderungen des Volksbegehrens finanziell zu untermauern und in weiteren Gesetzen den Artenschutz zu verankern.“ 

Kommentar

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...