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Reduktionsziele Pflanzenschutzmittel

Ringen um Pflanzenschutz: LsV und Bioland setzen Politik unter Druck

Die geplante Verordnung der EU-Kommission zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln wird immer konkreter. Für kommenden Montag (15.08.) hat LsV NRW eine Demo vor dem Bonner Landwirtschaftsministerium angekündigt.
am Samstag, 13.08.2022 - 05:00 (3 Kommentare)

Das politische Verfahren zur Umsetzung des EU-weiten 50-Prozent-Ziels für die Einsparung von Pflanzenschutzmitteln hat Fahrt aufgenommen. Interessengruppen versuchen, Einfluss zu nehmen – jedoch von ganz unterschiedlichen Standpunkten aus.

Dass die EU-Kommission weitere Schritte zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln bis 2030 in der Sommer- und Erntezeit unternommen hat, blieb in der Landwirtschaft nicht unbemerkt. Die Farm-to-Fork-Strategie mit ihrem Ziel, bis dahin den Pflanzenschutzmitteleinsatz in der EU um die Hälfte zu reduzieren, ist inzwischen wieder voll in der Diskussion um die Zukunft der Landwirtschaft beziehungsweise um eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln angekommen.

So ruft die Organisation LsV NRW für den kommenden Montag (15.08.) zu einer Protestaktion gegen die Pläne der EU vor dem Bonner Landwirtschaftsministerium auf.

Bioland dagegen zeigt sich über den am Dienstag (09.08.) vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vorgestellten Bericht zum Pflanzenschutzmittelabsatz in Deutschland besorgt. Dem im letzten Jahr etwas gestiegenen Absatz will der Verband mit einem konsequenten Ausbau des Ökolandbaus und damit mit einem Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz begegnen.

Auch wenn die Standpunkte von konventionellen und Biolandwirten sehr gegensätzlich sind, könnte die Berücksichtigung beider Interessenlagen zu einer Annäherung an das Reduktionsziel beitragen. Fraglich ist dabei aber noch, was genau für Deutschland als Ziel vorgesehen ist. In dieser Woche verdichteten sich nämlich die Hinweise darauf, dass Deutschland bis 2030 nicht 50 Prozent, sondern 55 Prozent an Pflanzenschutzmitteln einsparen soll.

500 Menschen mit 200 Traktoren sollen an Demo in Bonn teilnehmen

Ein Reduktionsziel von 55 Prozent dürfte nicht nur den konventionellen Landwirten in Deutschland, sondern auch wichtigen Importländern für deutsche Agrarerzeugnisse Sorge bereiten. „Wir ackern für den Frieden!“ lautet auch das Motto, unter dem LsV NRW am 15. August in Bonn gegen den Verordnungsvorschlag der EU-Kommission zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln demonstrieren wird.

Wie die Polizei Bonn gestern (11.08.) mitteilte, rechne der Veranstalter mit 500 Menschen und 200 Traktoren vor dem Landwirtschaftsministerium in Bonn. Die Demo soll von 6 bis 15 Uhr stattfinden. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) will die Demo unterstützen.

Bioland spricht sich für Pestizidabgabe aus

Auf den Gegensatz zwischen dem europäischen 50-Prozent-Ziel und dem um 4 Prozent gestiegenen Pflanzenschutzmittelabsatz in Deutschland macht der Verband Bioland aufmerksam. Um sich in Richtung des Reduktionsziels zu bewegen, müsse das Ausbauziel für den Ökolandbau umgesetzt werden. Bis 2030 sollen in Deutschland 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet werden. EU-weit sind es 25 Prozent.

Bioland erinnert außerdem an seine Forderung einer Pestizidabgabe. Mit der Pestizidabgabe könne das Verursacherprinzip verfolgt werden, nach dem die Produzenten und Anwender für die Folgen des Pflanzenschutzmittelverkaufs beziehungsweise -einsatzes aufkommen müssten. Eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) habe ergeben, dass auch über diesen Weg eine Halbierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes erreicht werden könne.

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