Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Düngeverordnung

Rote Gebiete: Wegen dieser Neuausweisung gibt es Streit in MV

Aus dem Entwurf zur Neuausweisung der roten Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern lässt sich ableiten, dass der Anteil betroffener Flächen wohl nicht so hoch sein wird, wie es der Bauernverband vorhersagt. Und trotzdem: Die nitratbelasteten Gebiete werden voraussichtlich deutlich zunehmen.
am Mittwoch, 02.11.2022 - 14:43 (Jetzt kommentieren)

Sehr weit auseinander gehen die Angaben über die künftigen roten Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern. Doch selbst das für Landwirte günstigere Szenario bedeutet einen enormen Anstieg der betroffenen Flächen. agrarheute liegt die vorläufige Karte vor.

Karte mit roten Gebieten in Mecklenburg-Vorpommern

In der letzten Woche hat das Landwirtschaftsministerium in Mecklenburg-Vorpommern den Entwurf der neuen Düngelandesverordnung fertig gestellt. Daraufhin hatte der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern mit Detlef Kurreck an der Spitze erklärt, dass fast 50 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche als rotes Gebiet ausgewiesen werden sollen und vor heftigen Ernteeinbußen gewarnt.

Dem widersprach Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) noch am selben Tag. Es seien etwa 32 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche des Landes, die künftig zum roten Gebiet erklärt werden sollen, so Backhaus. Noch liege der Anteil bei 13 Prozent.

Damit würde sich die Situation für die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern deutlich verändern. Ist hier der Anteil nitratbelasteter Gebiete noch eher gering, soll er künftig im oberen Bereich liegen. Bayern und Niedersachsen – die beiden Bundesländer, die ihre Entwürfe zur Neuausweisung bereits veröffentlicht haben – würde Mecklenburg-Vorpommern jedenfalls überholen.

Eine konkrete Angabe zur Summe der nitratbelasteten Gebiete findet sich in der neuen Karte nicht. Das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern weist darauf hin, dass sie als vorläufig zu betrachten ist. Nach der Verbandsbeteiligung und abschließenden Abstimmung muss die Anpassung der Düngerverordnungen in allen Bundesländern bis zum 30. November 2022 erfolgt sein.

Kurreck: Ministerium hat Düngung maximal eingeschränkt

Verbandspräsident Detlef Kurreck warnt davor, dass Landwirte ihre Kulturen künftig nicht mehr bedarfsgerecht düngen können: „Mit dieser Düngeverordnung sind heftige Einbußen in der Erntemenge und der Erntequalität vorprogrammiert“.

Nachdem das Oberverwaltungsgericht Greifswald die Düngeverordnung des Landes für unwirksam erklärt hat, habe der Bauernverband auf Nachbesserungen gehofft. „Eine pauschale Bestrafung der Landwirtinnen und Landwirte aufgrund eines grob vereinfachten Modellverfahrens ist in diesen Zeiten der Krise nicht vertretbar“, sagt Kurreck, der seit August auch Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands (DBV) ist.

Das Ministerium aber habe alle Register gezogen, um die Düngung maximal einzuschränken. Für Gespräche stehe der Bauernverband trotzdem weiterhin bereit.

Backhaus: Viel mehr Messstellen im Sinne des Verursacherprinzips

Mecklenburg-Vorpommern habe die Verwaltungsvorschrift des Bundes laut Backhaus exakt umgesetzt. Ursächlich für den Zuwachs an roten Gebieten seien der Wegfall der emissionsbasierten Gebietsabgrenzung sowie strengere Vorgaben für Wasserschutzgebiete.

„Auch weise ich ausdrücklich darauf hin, dass der aktuellen Gebietskulisse Werte von 818 Messtellen zugrunde liegen; vorher waren es etwas mehr als 550“, so der SPD-Politiker. Eine deutlicher differenzierte Gebietskulisse hätten sich die Landwirte immer gewünscht, um sich dem Verursacherprinzip zu nähern. Der Verweis auf das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Greifswald sei an dieser Stelle irreführend und zwecklos.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...