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Rückkehr des Wolfes: Demo der Bauern in München

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am Samstag, 02.10.2021 - 18:03 (1 Kommentar)

Gut 1500 Vertreter bäuerlicher Organisationen demonstrierten am 2. Oktober 2021 in München große Einheit und kämpften für den Erhalt der Weidetierhaltung. Die Angst um ihre Tiere wegen der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland trieb sie auf die Straßen.

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„Es soll kein Trauerzug werden, wir wollen der Stadtbevölkerung deutlich machen, dass wir selbstbewusst um die Weidetierhaltung kämpfen“, das hatte der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes Walter Heidl zum Auftakt der Demonstration „Ausgebimmelt ? – gemeinsam für den Schutz der Weidetiere“ betont. Oberbayerns BBV-Bezirksbäuerin Christine Singer konnte dazu Gäste von der Ostsee bis nach Südtirol begrüßen. Und ihr Pendant auf der Männerseite, Ralf Huber, machte auch gleich die Betroffenheit der Weidetierhalter deutlich: „Wir sind bei unseren Tieren von der Geburt an und wir bauen eine Beziehung zu ihnen auf. Wir mögen den Wolf, aber wir mögen vor allem unsere Tiere auf den Weiden. Der Wolf hat sicher irgendwo seinen Platz, aber nicht da wo unsere Tiere sind.“

Schellen, Goaßlschnalzer, und Wolfsgeheul

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Dass sie wegen der Rückkehr des Wolfes besorgt um die Weidetierhaltung sind, daran ließen die Teilnehmer der Demo "Ausgebimmelt?" bei ihrem Zug durch die Münchner Innenstadt am Samstag, den 2. Oktober 2021, keinen Zweifel. Allein schon die Zahl der Teilnehmer – der Veranstalter, der Bayerische Bauernverband, sprach von 1500 Personen, was aber wohl sehr vorsichtig geschätzt ist – war beeindruckend. Fahnen und einprägsame Transparente wie "Almen ohne Wolf" machten die Forderungen und Positionen deutlich. Währenddessen sorgten zahlreiche Kuhglocken, Alphörner und Goaßlschnalzer [Anmerkung der Redaktion: ein bayerisch-österreichischer Brauch, bei dem rhythmisch mit einer Fuhrmannspeitsche geknallt wird]  lautstark dafür, dass die Demonstration auch akustisch Gewicht erhielt. „Es war eine große Demo für Freiheit, Selbstbestimmung und Eigentum“, so fasste Albrecht Fürst Oettingen-Spielberg, Präsident der Familienbetriebe Bayern seine Eindrücke von der Kundgebung zusammen.

Demonstranten: Wölfe sind keineswegs vom Aussterben bedroht

Bei der Abschlusskundgebung von "Ausgebimmelt?" machten die zahlreichen an der Demo beteiligten Organisationen noch einmal deutlich, worum es ihnen geht. Im letzten Jahr habe es 4000 Wolfsrisse, allein in Deutschland gegeben, wie Walter Heidl berichtete. Allein das sei der Beweis, dass der Wolf hierzulande nicht mehr vom Aussterben bedroht sei. „Der Schutzstatus des Wolfes muss heruntergestuft erden“, forderte Heidl. Das sei Aufgabe der Politik. Dann brauche es ein Wolfsmanagement und Managementpläne, die das Vorgehen vor Ort regeln. Diese dürften von den Behörden nicht blockiert werden und bei Bedarf müsse vor Ort konsequent gehandelt werden.

In zehn Jahren schon 20 000 Wölfe

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Was bei einem Weiter wie bisher passiert, das rechnetete Sabine Firnhaber, Vizepräsidentin des Bauernverbandes Mecklemburg-Vorpommern, bei "Ausgebimmelt?" vor. Derzeit gebe es rund 1500 Wölfe in Deutschland, die Zuwachsrate liege bei rund 30 %. „Das bedeutet wir haben wir in 10 Jahren 20 000 Wölfe in Deutschland, dann aber sicher keine Weidetiere mehr“, so Firnhaber. Um den Bestand auf dem aktuellen Niveau zu halten, müssten bereits heute im Jahr 450 Wölfe entnommen werden. Gäbe es in 10 Jahren die 20 000 genannten Tiere, müssten 6000 entnommen werden, nur um den Bestand nicht weiter anwachsen zu lassen.

Forderung bei "Ausgebimmelt": Auffällige Wölfe und Rudel entnehmen

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An einer schnellstmöglichen Begrenzung des Bestandes geht also laut Firnhaber kein Weg vorbei. Auffällige Wölfe und Rudel müssten dabei komplett entnommen werden. Die bisher empfohlenen Schutzmaßnahmen seien absolut nicht zielführend, wie auf der Kundgebung deutlich wurde. Allein in der Gemeinde Garmisch-Partenkirchen müssten 250 km Zaun gezogen werden, berichtete Sepp Glatz, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. Dies entspreche einer Strecke, die von Garmisch bis nach Nürnberg reiche. Herdenschutzhunde würden nicht nur vor Wölfen schützen, sondern auch vor Menschen und vor deren Hunden. Deren Einsatz hätte also bereits fatale Auswirkungen auf den Tourismus und wenn die Almen aufgegeben würden, würde das den Tourismus ebenfalls schwer treffen, ganz zu schweigen von der Biodiversität. Dies alles stehe durch die Rückkehr des Wolfes auf dem Spiel.

Behörden müssen aktiv werden, so die Demonstranten

Auf die zusätzliche Arbeitsbelastung der Weidetierhalter wies Josef Grasegger, Vorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Schafhalter hin. Weder im Voll- noch im Nebenerwerb sei der der ständige Auf- und Abbau von Zäunen leistbar. Nicht mehr hinnehmbar sei auch die Trägheit der offiziellen Stellen beim Thema Wolf. Seit 2 Jahren liege der Monitoringplan zum Wolf beim Landesamt für Umweltschutz, passiert sei nichts. Ein vernichtendes Urteil fällte Grasegger zur aktuellen Rechtslage: „Wir haben Gesetze gegen Tierwohl und für das Tierleid.“

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Ebenso im Stich gelassen fühlte sich angesichts der Rückkehr des Wolfes Gina Strampe vom Verein der Weidetierhalter Deutschland. Sie forderte das Bundesumweltministerium auf, die Weidetierhalter nicht länger zu verschaukeln und nicht mehr mit veralteten Zahlen zu spielen. Es müsse unbedingt eine Obergrenze für die Wolfspopulation in Deutschland festgelegt werden. Sie forderte einen realitätsnahen Umgang mit dem Wolf. „Es gibt sieben Millionen Tier- und Pflanzenarten in Deutschland, eine Million davon ist bedroht. Warum wird der Wolf wie eine heilige Kuh behandelt?,“ fragte sie bei der Demonstration "Ausgebimmelt?".

Wolf sei die Melkkuh für Umweltorganisationen

Eine mögliche Erklärung dafür hatte Josef Hechenberger, Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer. Manche Umweltorganisation sehe Kampagnen für den Wolf als gute Möglichkeit Spendengelder einzusammeln. „Denen geht es schlicht ums Geld“, so Hechenberger. Die Weidetierhalter und Almbauern hätten da eine viel tiefere Sicht. Sie sähen es als ihre verdammte Pflicht, für die Weitergabe ihres Erbes an die nächste Generation zu kämpfen, unterstrich der tiroler Landwirtschaftskammer-Präsident bei "Ausgebimmelt?".

Gefahr auch durch Bär, Goldschakal und Luchs

Keine guten Nachrichten hatte Leo Tiefenthaler, Obmann des Südtiroler Bauernbundes mitgebracht. Dort gehe es nicht mehr nur um den Wolf sondern auch um den Bär, den Goldschakal und den Luchs. Würde man diesen das Feld überlassen, drohe die Landflucht und der Alpenraum sei früher oder später nicht mehr wiedererkennbar.

Demonstranten fragen: Und was ist mit den Menschen?

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Auch für Max Weichenrieder, den Präsidenten des Landesverbandes Bayerischer Wildtierhalter, sind die Aussichten düster. „Wir haben geglaubt mit unseren zwei Meter hohen Zäunen seien wir auf der sicheren Seite, wurden aber in diesem Frühjahr eines besser belehrt.“ Laut Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, habe der Kindergarten neben dem Gatter, in das der Wolf eingedrungen ist, den gleiche Zaun, wie das Gatter. Beinahe sarkastisch klingt Weichenrieders Abschluss-Szenario, das er bei der Kundgebung "Ausgebimmelt?" vor den Zuhörern skizziert: Er fürchtet, dass es beim ersten „Unfall“ mit einem Menschen heißt: „Hätte er sich nicht falsch benommen, wäre ihm nichts passiert.

Mit Material von Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt

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