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Tierhaltung

Schmidt stellt staatliches Tierwohllabel vor

Vorstellung des neuen staatlichen Teirschutzlabel
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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
19.01.2017

Bundesagrarminister Christian Schmidt hat in Berlin das neue staatliche Tierwohllabel vorgestellt. Mittelfristig sollen damit rund 20 Prozent beim Fleisch gekennzeichnet werden.

Im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) das angekündigte staatliche Tierwohllabel vorgestellt. Das Thema ging in den letzten Wochen durch durch die Publikumspresse, entsprechend groß war das Interesse.

Nach Angaben Schmidts stehe das Label als "Qualitätssiegel für einen breiten Anspruch im Markt" und sei durch die staatliche Struktur auch ein "Vertrauenssiegel". 20 Prozent Marktdurchdringung beim Fleisch geben die Teilnehmer in den kommenden Jahren als Ziel an. "In anderen Ländern sind mit ähnlichen Initiativen bis zu 40 Prozent erreicht", erklärte Schmidt in Berlin.

Geplant sind bei dem Label mehrere Stufen, "je höher die Stufe, desto besser die Haltungsbedingung", führte Schmidt aus, der zunächst jedoch zwei Stufen sieht. In der Haushaltsplanung seien 70 Millionen Euro für die Bekanntmachung des Labels vorgesehen.

Tierwohllabel nicht nur für die Nische

"Wir wollen allerdings kein Nischenluxuslabel", sagte Schmidt weiter, der mit der Kennzeichnung in die Breite gehen möchte. Das Tierwohllabel sollte in der Verbraucherinformation und -kommunikation für jedermann begreifbar sein. Allerdings sei klar: "Tierwohl zum Nulltarif wird es nicht geben."

Bis Ostern soll ein Kriterienkatalog ausgearbeitet werden. Für Schweinefleisch-Produkte sind laut einem Papier des BMEL zufolge bislang 11 Kriterien vorgesehen, die auch auf der Arbeit beispielsweise der Initiative Tierwohl fußen. Diese Punkte sind unter anderem:

  • Platzangebot
  • Buchtenstrukturierung (ausreichend Platz, um Liege- und Aktivitätsbereich zu trennen)
  • Säugephase (Dauer der Säugezeit)
  • nicht-kurative Eingriffe (Schwänzekupieren)
  • Tiergesundheitsindex (Teilnahme an Erfassungssystemen)
  • Transportdauer
  • Schlachtdauer (bessere Kontrolle von Betäubungen)

Rukwied für Verzahnung mit Initiative Tierwohl

Im Hinblick auf die Initiative Tierwohl waren am Rande der Grünen Woche auch Befürchtungen zu hören, das neue Tierschutzlabel könne die durch die Initiative erzielten Erfolge gefährden. "Wir haben schon Erfahrungen im Finden von Konsens mit der Initiative Tierwohl" sagte bei der Vorstellung des Labels DBV-Präsident Joachim Rukwied, der langfristig für eine Verzahnung der - seiner Sicht erfolgreichen - Initiative Tierwohl und des neuen Labels plädiert, um mehr Tierschutz in die Ställe und den Markt zu bringen.

"Die Brancheninitiative Tierwohl ist ein guter Ausgangspunkt für das Siegel, dass das Geld dort hin kommt, wo es nötig ist", sagte Schmidt. "Wir müssen dies aber durch einen Stallhaltungsinitiative begleiten. Die Tierhaltung in den Ställen muss verlässlich und planbar sein" argumentiert der Minister für die Einführung des Labels.

Verbraucherzentrale für nationale Nutztierstrategie

Vor dem Hintergrund der breiten gesellschaftlichen Debatte zu dem Thema, nannte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), bei der Vorstellung des Tierwohllabels drei Punkte, die für die Verbraucherzentrale essentiell seien:

  • zweistufiges Label mit Einstiegs- und Premiumstufe; für Verbraucher und Handel einfach zu handeln
  • Forderung einer EU-weiten Haltungskennzeichnung, damit eine Verbindlichkeit entsteht
  • nationale Nutztierstrategie, das auch künftig eine landwirtschaftliche Produktion in Deutschland möglich ist

An der Ladentheke soll das Label laut Schmidt im nächsten Jahr ankommen. Da allerdings im September die Bundestagswahlen anstehen, ist für die legislative Umsetzung des neuen staatlichen Tierwohllabels Geschwindigkeit geboten.

Label-Dschungel: Hier bekommen Sie den Durchblick

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