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Weltnaturkonferenz

Schulze sieht Landwirtschaft als Problem im Naturschutz-Management

Weltnaturkonferenz in Kunming
am Montag, 11.10.2021 - 15:38 (10 Kommentare)

Zum heutigen (11.10.) Auftakt der Weltnaturkonferenz in China hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) ein besseres Management von Naturschutzgebieten gefordert. Ein wesentlicher Verursacher der Probleme sei die aktuelle Agrarpolitik.

Schulze will erreichen, dass weltweit 30 Prozent der Landes- und Meeresflächen bis 2030 unter Schutz stehen. Für die Landesflächen bedeute dies eine Verdopplung; für die Meeresflächen sogar eine Verdreifachung. Wie beim Pariser Klimaabkommen wollen die etwa 200 Vertragsstaaten der UN-Konvention für die biologische Vielfalt (CBD) bis Freitag über ein gemeinsames Ziel für den Naturschutz beraten.

Das nächste Treffen der Vertragsstaaten ist für Januar 2022 geplant. Im Mai 2022 soll schließlich eine Strategie unter der Bezeichnung „global biodiversity framework“ verabschiedet werden.

Schulze: Abkommen soll in nationale Verpflichtungen münden

Die noch amtierende Umweltministerin warnte davor, dass die globalen Vereinbarungen der Weltnaturkonferenz folgenlos blieben. Stattdessen müssen sie als nationale Verpflichtungen umgesetzt werden. Daran solle sich eine „Erfolgskontrolle“ anschließen, die sich an ehrgeizigen und messbaren Zielen orientiere.

Laut Schulze reiche es nicht mehr aus, einzelne Arten oder Gebiete unter Schutz zu stellen. Durch die Ausweitung der Naturschutzgebiete auf 30 Prozent der weltweiten Flächen sollen der Natur- und Artenschutz vorangetrieben werden.

Außerdem müsse die Naturverschmutzung zurückgehen, indem konkrete Reduktionsziele für den Pflanzenschutz und Düngemitteleinsatz sowie für den Plastikmüll festgelegt würden. Diese Ziele sollten nicht nur für Schutzgebiete, sondern an jedem Ort gelten.

„Nach Jahrzehnten der Naturzerstörung müssen wir den Trend umkehren und ein Jahrzehnt der Renaturierung einleiten“, so Schulze. Moore, Wälder und Auen in Deutschland sollten wieder in einen naturnahen Zustand versetzt werden. Dazu müsse auch die Agrarpolitik ihren Teil beitragen. „So wie wir im Moment Landwirtschaftspolitik betreiben, ist sie Teil des Problems und nicht Teil der Lösung“, sagte die SPD-Politikerin.

Nicht nur Umweltministerium soll Artensterben bekämpfen

Als prominente Beispiele für das Artensterben hierzulande führte Schulze die rückläufigen Bestände beim Feldhasen und beim Luchs an. Nicht zu vernachlässigen sei aber auch das Insektensterben. „Was der Regenwald für bestimmte Affenarten ist, ist die Blumenwiese vor unserer Haustür für bestimmte Insektenarten“, warnte sie.

Neben dem Umweltministerium sollten für die Finanzierung des Artenschutzes die Landwirschafts-, Haushalts- und Umweltpolitik verantwortlich sein.

Darüber hinaus verweist Schulze auf die wirtschaftlichen Folgen des Artenschwunds, deren Ausmaße gravierend seien. Im Durchschnitt verschwinde alle zehn Minuten unwiederbringlich eine Art – das sei für unseren Planeten ein Rekord.

Mit Material von dpa
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