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Runder Tisch

Schulze: Auch Städte müssen beim Insektenschutz handeln

Runder-Tisch-Insektenschutz
am Mittwoch, 24.06.2020 - 16:26 (2 Kommentare)

Umweltministerin Svenja Schulze will beim Insektenschutzgesetz nicht nur Landwirte, sondern auch die Städte in die Pflicht nehmen. Insbesondere Lichtverschmutzung und die Flächenversiegelung sind problematisch.

Die Bundesregierung sieht neben der Landwirtschaft auch die Städte beim Insektenschutz in der Pflicht. "Die Ursachen für das Insektensterben sind sehr vielfältig", sagte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Mittwoch anlässlich eines Runden Tischs, zu dem sie eingeladen hatte. Dieser fand bereits zum dritten Mal statt.

Insektenschutz müsse auf vielen Ebenen ansetzen: "Handlungsbedarf besteht nicht nur in der Landwirtschaft und auf den Agrarflächen, sondern auch in der Stadt und auf den Grünflächen." Das Insektenschutzgesetz, das Schulze noch vor der Sommerpause vorlegen will, soll daher etwa auch Regeln gegen "Lichtverschmutzung" enthalten - also eine verbreitete helle Beleuchtung auch nachts.

Klöckner: Flächenversiegelung in Städten ist ein Problem

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) verwies außerdem auf versiegelte Flächen in den Städten. Dem Insektenschwund sei Einhalt zu gebieten. Bei Auflagen etwa für weniger Unkrautvernichtungsmittel seien aber Augenmaß und eine Abschätzung der Folgen wichtig. Gerade angesichts der Corona-Pandemie müsse man im Auge behalten, dass Landwirte vor allem für die heimische Nahrungsmittelproduktion da seien.

Verbände und Vertreter der Landwirtschaft beim Runden Tisch zum Insektenschutz

Nach Angaben des Umweltministeriums tauschten sich Vertreter von Verbänden, Ländern, Kommunen und der Wissenschaft bei dem Runden Tisch über Ursachen des Insektenrückgangs und Gegenmaßnahmen aus. Auch die Initiative Land schafft Verbindung, die große Bauern-Demos unter anderem in Berlin organisiert hatte, nahm demnach teil. Im Vorfeld und während des Rundes Tisches meldeten sich einige Vertreter von Verbänden zu Wort.

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes: "Die Zukunftsfähigkeit der Betriebe, aber auch die Versorgungssicherheit mit hochwertigen, heimischen Lebensmitteln darf nicht vergessen werden. Ein Tunnelblick auf die pauschale Reduzierung des Pflanzenschutzes und auf eine Verbotspolitik ist auch für den Insektenschutz nicht hilfreich, wird aber zu einer deutlichen Schwächung der Betriebe führen." Zudem sei Insektenschutz in der Kulturlandschaft nur in Kooperation mit den Landwirten möglich. Rukwied kritisiert, das Aktionsprogramm konzentriere sich ausschließlich auf die Landwirtschaft und vernachlässige zentrale Probleme wie den ungebremsten Flächenfraß, Urbanisierung und Mobilität.

Digitalsierung als Lösung, Ökologie als Business Model

Franz-Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV): "Neben der Agrar- und Ernährungswirtschaft stehen Kommunen und Privatpersonen in der Verantwortung." Er sei gegen pauschale Verbote und Auflagen. Für die Agrarwirtschaft biete die Digitalisierung Lösungen, um Flächen wirtschaftlich zu nutzen und gleichzeitig Insekten zu schützen.

Max v. Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst: "Das Aktionsprogramm Insektenschutz sollte nun dafür genutzt werden, Anreiz- und Honorierungssysteme aufzubauen, statt nur mit Ordnungsrecht zu arbeiten. Wenn Ökologie zum Business Model für die Land- und Forstwirtschaft wird, ist das der wirksamere und auch nachhaltigere Weg."

Der Runde Tisch findet zweimal pro Jahr statt und ist Teil des Aktionsprogramms Insektenschutz der Bundesregierung.

Mit Material von dpa, DRV

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