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Schutz vor dem Wolf: Der Ball liegt jetzt bei der Kommission

Fahne der Europäischen Union vor Parlementsgebäude
am Donnerstag, 24.11.2022 - 16:00 (3 Kommentare)

Mehrheit im EU-Parlament fordert die EU-Behörde zum besseren Wolfsmanagement auf.

Straßburg Das EU-Parlament erhöht den Druck auf die EU-Kommission, die europäische Wolfsstrategie auf neue Füße zu stellen. Am Donnerstag (24.11.) hat das Parlament dazu eine Resolution verabschiedet. Die Grünen indes sehen dadurch den Schutz gefährdeter Tiere ausgehöhlt.

In dem Entschließungspapier geht es der Mehrheit der Parlamentarier um den Schutz der Nutztiere vor Wölfen und anderen großen Beutegreifern. „Unsere Forderungen lösen das Problem zwar nicht, sie sorgen aber dafür, dass sich die EU-Kommission mit dem Thema befassen muss“, ist der Südtiroler EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann überzeugt. Er hofft nun, dass es endlich zu einem Umdenken komme.

Forderung 1: Neue Wolfsstrategie

In ihrer Resolution geht es vor allem darum, die EU-Organe – allen voran die Kommission – zu einer Neubewertung der EU-Wolfstrategie zu bewegen. Dafür gilt laut Dorfmann aufzuzeigen, dass der Wolf dank der Schutzmaßnahmen der letzten Jahrzehnte nicht mehr vom Aussterben bedroht ist. Dazu fordert das Parlament ein grenzüberschreitendes Monitoring.

Laut den europäischen Bauern- und Genossenschaftsverbänden Copa-Cogeca werden die Wolfspopulationen in der EU27 auf etwa 19 000 und im Großraum Europa auf etwa 21 500 geschätzt, was allein in den letzten fünf Jahren einen erheblichen Anstieg darstellt. Alleine in Deutschland gab es 2020 etwa 942 Wolfsangriffe, in Spanien wurden 5085 Angriffe gezählt. Zwischen 2018 und 2021 gab es in Rumänien 3.800 Angriffe von Wölfen, fast 30 Menschen wurden im gleichen Zeitraum von Bären getötet, so Copa-Cogeca.

Forderung 2: Entnahmen auch in Berggebieten

Des weiteren fordern die EU-Abgeordneten, die besondere Situation der Berggebiete anzuerkennen. Laut Dorfmann sind dort die traditionelle Alm- und Weidesysteme besonders anfällig für Raubtierrisse. Solche traditionellen Besonderheiten müsse die EU anerkennen und entsprechende Ausnahmeregelungen zulassen, bis hin zu Entnahmen. „Weil die Population großer Beutegreifer in Europa konstant wächst, dürfen Entnahmen kein Tabu mehr sein“, so Dorfmann.

Damit Entnahmen möglich sind, müsse die EU-Kommission die Habitat-Richtlinie überarbeiten, mit der der Schutz bedrohter Arten geregelt ist, heißt es in der geänderten Entschließung. Sie erfolgt auf Antrag Dorfmanns.

Forderung 3: Finanzierung nicht auf Bauernkosten

Nicht zuletzt fordert das EU-Parlament in seiner Resolution „angemessene und langfristige“ Finanzierungsmöglichkeiten von Maßnahmen, um Wolfsrissen vorzubeugen. Und sollte es trotzdem zu solchen Rissen kommen, müssten diese angemessen entschädigt werden. Die notwendigen Gelder dürften aber nicht aus dem Agrarhaushalt entnommen werden, weil dadurch die Bauern mit eigenen Mitteln für ihre Schäden aufkommen müssten, erklärt der EVP-Abgeordnete. Die Finanzierung des Beutegreifer-Managements, von Schutzmaßnahmen und Entschädigungen für Risse müssten daher aus dem allgemeinen Steuertopf kommen.

Grüne sehen Artenschutz gefährdert

Heftige Kritik an der verabschiedeten Resolution kommt von den Grünen. Laut der Fraktion hatte sich eine Mehrheit der im Europäischen Parlament vertretenen Parteien im Vorfeld der Abstimmung zum Schutz großer Raubtiere und der heimischen Landwirtschaft auf einen ausgewogenen Text geeinigt. So sollte die Ko-Existenz von Naturschutz und Landwirtschaft gewährleistet werden.

Doch ein Block aus rechten, konservativen und liberalen Parteien stimmte laut dem österreichischen EU-Abgeordneten Thomas Waitz heute gegen den Schutz gefährdeter Tiere in Europa. „Ein Aufschnüren der Habitat-Richtlinie gefährdet nicht nur den Schutzstatus vieler Tierarten in Europa, sondern auch andere Naturschutz-Errungenschaften wie die Natura2000 Gebiete. „Ein Bericht aus 2020 zeigt, dass noch nicht einmal ein Drittel der in der Habitat-Richtlinie geschützten Arten einen günstigen Erhaltungszustand erreicht haben,“ warnt er.

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