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So lief Cem Özdemirs Start als Landwirtschaftsminister im EU-Agrarrat

Özdemir Wojciechowski
am Dienstag, 14.12.2021 - 14:08 (Jetzt kommentieren)

Viel Fisch, etwas Tierschutz: Cem Özdemir erwischte in Brüssel bei seinem ersten EU-Agrarrat einen ruhigen Start.

Noch nicht einmal eine ganze Woche im Amt, stand für Cem Özdemir als frisch gebackener Bundeslandwirtschaftsminister gestern (13.12.) das erste Treffen im Kreis seiner europäischen Ministerkollegen an. Der Grüne erwischte einen günstigen Start: Abgesehen von den heftig umstrittenen Fischfangquoten war der EU-Agrarrat von Orientierungsdebatten geprägt. Die großen Reformbeschlüsse waren alle längst gefasst.

Die Minister verzichteten darauf, gegen zwei delegierte Rechtsakte der EU-Kommission zur Umsetzung der EU-Agrarreform ein Veto einzulegen. Die Zustimmung des Europaparlaments zu den beiden Rechtsakten steht allerdings noch aus.

85 Prozent der Legehennen erleiden ein gebrochenes Brustbein

Bereits vor der Sitzung der EU-Landwirtschaftsminister hatte Özdemir auf verbreitete Tierschutzprobleme bei Legehennen hingewiesen.

Der dänische Landwirtschaftsminister Rasmus Rehn präsentierte dazu in Brüssel eine Studie der Universität Kopenhagen. Die Wissenschaftler haben in 40 Beständen bei durchschnittlich 85 Prozent aller Legehennen gebrochene Brustbeine gefunden. Das Phänomen ist dabei unabhängig von der Haltungsform, egal ob in Volieren, im Freiland, in Bodenhaltung, ökologisch oder konventionell.

Züchtung als Ursache

Prehn zufolge ist mit „höherer Wahrscheinlichkeit“ davon auszugehen, dass die Probleme auf die Genetik der Tiere zurückzuführen sind. Zu kleine, schlanke Legehühner wurden auf hohe Legeleistung bei möglichst großen Eiern gezüchtet. Aufgrund dessen komme es beim Legevorgang häufig zu schmerzhaften Frakturen des Brustbeins.

Da die meisten Legehennen auf Hybridlinien nur sehr weniger Zuchtunternehmen zurückgehen, dürfte es sich hierbei um ein EU-weites Tierleiden handeln, so Prehn.

EU soll Zuchtstrategien regulieren

Im Lichte der dänischen Studie sprach sich die Mehrheit der Landwirtschaftsminister für eine Regulierung von Zuchtstrategien über das EU-Tierschutzrecht aus. Die EU-Kommission soll eine entsprechende Anpassung vorschlagen.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir unterstützte die Forderung. „Die Ergebnisse der Studie sehen wir mit großer Besorgnis und nehmen sie sehr ernst“, sagte der Grünen-Politiker. Man werde die Ursachen für die Brustbeinbrüche umfassend untersuchen. Gleichzeitig habe auch Deutschland vor zu prüfen, was in dieser Angelegenheit getan werden könne, um den Tierschutz zu stärken.

Erneute keine Hilfe aus Brüssel für die Schweinehalter

Zum wiederholten Male berieten die EU-Agrarminister über die Krise am europäischen Schweinefleischmarkt. Insgesamt 14 Mitgliedstaaten, darunter Belgien und Österreich, forderten die Europäische Kommission dringend zu Stützmaßnahmen auf. Deutschland, Dänemark und die Niederlande sowie Spanien schlossen sich dem Antrag nicht an.

EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski ließ die Forderungen daher erneut abtropfen. Wie schon in mehreren vorangegangenen Sitzungen wies Wojciechowski den Ruf nach Beihilfen zur privaten Lagerhaltung (PLH) ab. Der Pole verwies zudem darauf, dass es am Schweinefleischmarkt erste Anzeichen einer Preiserholung gebe.

Agrarminister sind besorgt über die explodierenden Produktionskosten

Sehr besorgt sind die EU-Agrarminister über die enorm gestiegenen Kosten für landwirtschaftliche Betriebsmittel. Insgesamt 19 Mitgliedstaaten forderten die Kommission gemeinsam auf, die Betriebsmittelmärkte genau im Blick zu behalten, insbesondere für Düngemittel, Energie und Rohstoffe, weil sie negative Auswirkungen auf die Agrarproduktion in der EU befürchten.

Wojciechowski wertete die steigenden Energie- und Düngerpreise als Zeichen dafür, dass die EU mit dem Green Deal, der auf eine Reduzierung des Dünger- und Pflanzenschutzeinsatzes abzielt, auf dem richtigen Weg sei.

Mit Material von AgE

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