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Österliches Grußwort

Solidarisch und mit Weitsicht gegen den Hunger

Weihbischof Rolf Lohmann
am Sonntag, 17.04.2022 - 05:00 (4 Kommentare)

Österliches Grußwort von Weihbischof Lohmann an Landwirtinnen und Landwirte.

An Ostern feiert die Kirche den Sieg des Lebens über den Tod. Ein bedrängend aktuelles Thema, denn bei vielen Menschen geht es wirklich um das reine Überleben – schauen wir nur auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine. Aus den Medien erfahren wir hautnah das Leid der Menschen vor Ort, die Zerstörung von Gebäuden und Infrastruktur und damit ihrer Heimat. Die Kirche betet für die Opfer dieses Krieges, für die Toten und Verwundeten, die Vertriebenen.

Ukraine-Krieg verschärft globale Ernährungslage

Durch die Auswirkungen dieses Krieges geraten Themen auf die Tagesordnung und ins breite gesellschaftliche Bewusstsein, die uns zuvor als „geregelt“ schienen. Wir sprechen wieder über den Hunger. Ganz unmittelbar betroffen sind die Menschen in der Ukraine, deren Lebensmittelversorgung, etwa weil sie in von der russischen Armee eingeschlossenen Städten leben, nicht mehr gesichert ist und die dringend auf Hilfe angewiesen sind. Im ukrainischen Kriegsgebiet, der „Kornkammer Europas“, fällt ein Großteil der Ernte aus, denn wer bestellt schon in den Wirren des Krieges seine Felder. Dazu kommt der nun stark eingeschränkte Handel mit Russland, dem größten Weizenexporteur der Welt, wodurch die Preise in die Höhe schießen. Expertinnen und Experten warnen davor, dass deshalb in naher Zukunft viele Menschen etwa im Nahen Osten und in Nordafrika vom Hunger bedroht sind, die derzeit noch gerade so über die Runden kommen. In vielen Ländern treffen diese globalen Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf bereits bestehende prekäre Ernährungslagen, die durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, durch Krieg, Terror und Klimawandel verursacht wurden. Es steht zu befürchten, dass der Ukraine-Krieg über die globale wirtschaftliche Verflechtung zusätzliche, verheerende Folgen in vielen Länder auslösen wird. Hier braucht es internationale Solidarität und Lösungen, die multilateral gut koordiniert sind.

Den Landwirt auch in Deutschland nicht selbstverständlich nehmen

Genügend Essen auf dem Teller zu haben, klingt für uns in Deutschland völlig selbstverständlich, ist es aber leider nicht. Sich darüber bewusst zu werden bedeutet auch, eine neue Perspektive auf den Berufsstand der Landwirtinnen und Landwirte einzunehmen. Wie wichtig ist doch ihr Dienst. Zuvörderst stellen sie gute und gesunde Lebensmittel her und stillen damit ein menschliches Grundbedürfnis. Aber damit ist es nicht getan – sie pflegen unsere Heimat, unsere Kulturlandschaft und leisten Beiträge zum Erhalt von Artenvielfalt, zum Schutz der Umwelt und des Klimas. Für all das bin ich sehr dankbar.

Krisenzeit zwingt zur Frage: Wie wollen wir landwirtschaften?

Als „Umweltbischof“ der Deutschen Bischofskonferenz ist es mir wichtig, dass der Klima- und Umweltschutz auch in der akuten Krise nicht das Nachsehen hat. Papst Franziskus betont unsere Verantwortung für die Schöpfung in seinen Reden und Schriften immer wieder. Wir müssen daher die sich abzeichnende, globale Nahrungsmittelkrise so bewältigen, dass dadurch nicht künftigen Krisen Vorschub geleistet wird. Die Befunde der Wissenschaft, dass unsere aktuelle Lebens- und Wirtschaftsweise mittel- und langfristig nicht nur viele Pflanzen- und Tierarten in ihrer Existenz, sondern ebenfalls die Grundlage unserer Ernährung bedroht, bleiben wegweisend. Auch der Klimawandel birgt die Gefahr, in Zukunft unsere und die globalen Ernten zu mindern. Insofern gilt es, in der aktuellen Lage klug abzuwägen. Wäre es nicht beispielsweise angemessen, dem Anbau und der Herstellung pflanzlicher Lebensmittel Vorrang vor dem Anbau von Futtermitteln zu geben und die Nutztierbestände tendenziell zu verkleinern? So ließe sich jedenfalls mehr Nahrung für mehr Menschen auf dieser Erde produzieren. Ich denke, dass man über solche Ansätze ernsthaft, aufrichtig und lösungsorientiert sprechen sollte.

Maßhalten beim Fleischkonsum geboten

Ethisch jedenfalls ist ein Maßhalten beim Fleischkonsum dringend geboten – wobei es wohlgemerkt nicht um den völligen Verzicht geht, sondern um eine Reduzierung des gegenwärtigen Fleischkonsums. Ethisch ohnehin inakzeptabel ist die Verschwendung von Lebensmitteln, die immer noch in beklagenswertem Umfang stattfindet. Wie kann diese weiter reduziert werden? An diesen Themen muss konsequent und aus aktuellem Anlass mit neuer Dringlichkeit gearbeitet werden, und zwar gemeinsam mit allen Beteiligten. Hierzu gehören die Landwirtinnen und Landwirte, von denen sich viele ohnehin schon in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation befinden, die sich nunmehr durch die hohen Preise für Kraftstoffe und Düngemittel noch verschärft. Zu diesen Beteiligten gehören aber auch die Politik, der Handel und die Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Osterfest steht für Hoffnung und Zuversicht

In der äußerst schwierigen Lage, in der wir uns befinden, bleibt uns die Botschaft des Osterfestes als Botschaft der Hoffnung und der neuen Schöpfung, die uns tragen möge. Als Christinnen und Christen glauben wir fest daran, dass Gott uns nie uns selbst überlässt und am Ende das Gute über das Böse siegt – so wie unser Herr, Jesus Christus, selbst am Kreuz gelitten hat bis zum Tod und ihn in seiner Auferstehung überwunden hat.

Rolf Lohmann ist Weihbischof im Bistum Münster und Vorsitzender der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz („Umweltbischof“).

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