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Tierschutzsiegel

Staatliches Tierschutzlabel: Mehrstufiges Qualitätssiegel geplant

Verbraucher beim Einkauf
© WavebreakmediaMicro/fotolia
von , am
30.12.2016

Das neue Tierschutzlabel soll dem Label-Dschungel entgegenwirken und mehr Objektivität schaffen. Beim nationalen Gütesiegel sind mehrere Stufen vorgesehen.

Das geplante Tierschutzlabel für Lebensmittel soll nach dem Willen von Agrarminister Christian Schmidt die Qualität anstelle des Preises in den Mittelpunkt rücken. Der Wettbewerb für Nahrungsmittel in Deutschland sei relativ schwierig, sagte der CSU-Politiker am Freitag. Das Label solle "eine verständliche und einfache Kaufentscheidungshilfe" bieten, heißt es im "Grünbuch Ernährung, Landwirtschaft, Ländliche Räume", das Schmidt in Berlin vorstellte.

Bessere Vergleichbarkeit

Ein nationales Gütesiegel in diesem Bereich hält der Minister für wichtig, um eigene Label großer Konzerne zu verhindern, die wenig objektiv und für Verbraucher schwer vergleichbar wären. Die bereits bestehende Brancheninitiative Tierwohl sehe er als "Baustein", nicht als eine Alternative für das neue Label, sagte Schmidt. Auch bestehende Bio- oder Ökolabel sollen nicht ersetzt werden.

Mehrstufiges System

Das Tierwohllabel soll Schmidt zufolge mehrere Stufen haben und einen "signifikanten Marktanteil" erreichen. Welche Kriterien Tierhalter und Schlachthöfe erfüllen müssen, ist noch nicht bekannt. Details will Schmidt im Januar auf der Grünen Woche in Berlin präsentieren.

Davor werde er noch "intensive Gespräche" mit den Beteiligten führen, sagte Schmidt. Es sei nicht einfach, die Interessen unter einen Hut zu bringen, "es geht aber".

Verbraucher befürchten Tierwohlmängel

38 Prozent der Deutschen glauben, dass den meisten Bauern das Wohl der Tiere nicht so wichtig ist, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Agrarministeriums Anfang Dezember ergab. "Die deutsche Landwirtschaft kann langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn sie von einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz getragen ist", sagte Schmidt. Diese sei aus seiner Sicht "derzeit nicht durchgängig festzustellen."

Label-Dschungel: Hier bekommen Sie den Durchblick

Bioland, Biokreis, Neuland, Naturland - klingt alles ähnlich, aber hinter den Siegeln verstecken sich unterschiedliche Bewertungskriterien. Für mehr Durchblick klicken Sie weiter © ah
Das Regionalfenster beinhaltet ausschließlich Aussagen zur Herkunft der eingesetzten landwirtschaftlichen Zutaten, dem Ort der Verarbeitung und optional zu den Vorstufen der Landwirtschaft. Aussagen zur Art der Erzeugung (z.B. fair, nachhaltig, ökologisch, ohne Gentechnik, tiergerecht) sind im Regionalfenster nicht erfasst. Das Regionalfenster soll das Erkennen regionaler Lebensmittel erleichtern. © BMEL
Neuland ist kein Biolabel und findet sich ausschließlich auch tierischen Produkten. Das Siegel stammt von einem Verein, der sich für eine „soziale, qualitätsorientierte, tiergerechte und umweltschonende Tierhaltung“ einsetzt. Laut den Richtlinien haben die Tiere Auslauf ins Freie, liegen auf Stroh, haben viel Tageslicht im Stall und bekommen nur einheimische, gentechnisch nicht veränderte Futtermittel zu fressen. © Neuland
Das Siegel des Deutschen Tierschutzbunds steht ebenfalls für artgerechte Tierhaltung. Mehr Tierschutz umfasst zwei Anforderungsstufen, die vergeben werden können: eine Einstiegsstufe und eine Premiumstufe. Beiden Stufen liegen jeweils verbindliche Anforderungen an die Tierhaltung, den Tiertransport und die Schlachtung zugrunde. Mehr dazu hier. © Deutscher Tierschutzbund
Mit dem deutschen staatlichen Bio-Siegel dürfen nur Lebensmittel gekennzeichnet werden, welche nach den EU-Rechtsvorschriften ökologisch produzieren und daraufhin kontrolliert wurden. Alle Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs müssen mindestens zu 95 Prozent aus ökologischem Landbau stammen. © BMEL
Das Biosiegel des ökologischen Anbauverband Biokreis gibt es bereits seit den 80er Jahren. Die Arbeit des Verbandes basiert auf einer organisch-biologischen Kreislaufwirtschaft. Beispielsweise dürfen nur Futtermittel von Biokreis-Mitgliedern angewandt werden. Auf synthetische Pestizide und chemisch-synthetischen Stickstoffdünger wird verzichtet. 100 % der Zutaten sind aus ökologischer Herkunft. © Biokreis
Das Bio-Label des Anbauverband Bioland setzt eine organisch-biologische Kreislaufwirtschaft sowie eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Gentechnikeinsatz voraus. 100 % der Zutaten müssen aus ökologischer Herkunft stammen.  Kurze Tier-Transportwege bis maximal 4 Stunden. © Bioland
Die internationale Bio-Marke Demeter hat sich die älteste ökologische Form der Landbewirtschaftung als Leitlinie genommen. Hier gilt eine ausschließlich biologisch dynamische Bewirtschaftung für den gesamten Betrieb. Demeter ist der einzige ökologische Anbauverband, welcher zur Tierhaltung verpflichtet. © Demeter
Der Öko-Verband Gäa setzte sich vor allem für den Aufbau des Öko-Landbaus in Ostdeutschland ein. Zentrum der Arbeit von Gäa ist die Landschaftpflege und der Naturschutz. Die Richtlinien gehören zu den strengsten in Deutschland. Besonderes Augenmerk liegt beim Ressourcenschutz und transparenten Ablauf der Erzeugung bis hin zum Verkauf. © Gäa
Das Biosiegel von Naturland steht für einen ganzheitlichen Ansatz, dem nachhaltigen Wirtschaften, praktizierten Natur- und Umweltschutz, sowie Erhalt von Luft, Boden und Wasser. Desweiteren arbeitet Naturland intensiv im Bereich der ökologischen Waldnutzung und Aquakultur. © Naturland
In Mecklenburg-Vorpommern gründeten 1991 engagierte Landwirte und Wissenschaftler den Verband Biopark. Heute ist dieser bereits in 15 Bundesländern vertreten. Bei der Tierhaltung setzt Biopark auf artgerechte Haltung, viel Auslauf, Weidegang und betriebseigene Fütterung. © Biopark
Dieser Bio-Anbauverband wurde im Jahr 2007 gegründet und hat sein Arbeitszentrum in den neuen Bundesländern. Im Mittelpunkt allen Handelns stehen die sogenannte „soziale Landwirtschaft und die bäuerliche Form des Wirtschaftens“ © Verbund Ökohöfe
Das EU-Biosiegel ist für alle vorverpackten europäischen Biolebensmittel verpflichtend. Dies gilt für Produkte aus dem ökologischen Landbau und Biolebensmittel, die einen Verarbeitungsschritt in der Europäischen Gemeinschaft erfahren. 95 % der Zutaten müssen dabei ökologischer Herkunft sein. © EU
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