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Nutztierhaltung

Staatliches Tierwohl-Label: Schmidt verspricht Schnellstart

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt © dlv
von am
18.01.2018

Sobald die neue Regierungskoalition steht, will Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ein Gesetz zum staatlichen Tierwohl-Label einbringen.

Nach Angaben des Ministers liegt der Gesetzentwurf für die Schweinehaltung bereits „fertig in der Schublade“. Sobald die neue Bundesregierung im Amt sei, werde der Entwurf in das parlamentarische Verfahren eingebracht.

In einer Fragestunde des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten (VDAJ) in Berlin warnte Schmidt eindringlich vor den Aktivitäten des Lebensmitteleinzelhandels (LEH): Wenn sich die LEH-Siegel am Markt durchsetzen würden, „haben wir bald nur noch Lohnmäster; das will ich verhindern und darum ist das staatliche Label so wichtig“. Die Discounter Aldi Süd und Aldi Nord hatten erst vor wenigen Wochen ein eigenes Tierwohl-Label für Geflügelfleisch eingeführt.

Tierwohl-Label gemeinsam weiter voranbringen

Schmidt sprach sich dafür aus, dass die verschiedenen Initiativen zum Tierwohl mit dem staatlichen Siegel zusammenarbeiten sollten. In diesem Zusammenhang erwähnte er ausdrücklich das Label des Tierschutzbundes. „Ich bin bereit, gemeinsam voranzugehen“, so der Minister.

Er kündigte auch an, dass ein beträchtlicher Teil der zusätzlichen 1,5 Mrd. Euro, die nach den Sondierungsgesprächen von CDU, CSU und SPD in der nächsten Legislaturperiode für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum zur Verfügung stehen sollen, in die Förderung von Tierwohl-Investitionen fließen sollten.

Dies ist laut Schmidt ein Grund, warum er sein staatliches Siegel nicht verpflichtend machen will: Die Einhaltung gesetzlicher Standards könne nicht mit kräftigen Investitionsanreizen unterstützt werden.

Tierwohl international standardisieren

Allerdings will Schmidt sich für internationale Standards zum Tierwohl einsetzen, unter anderem auf der Ministerkonferenz (GFFA) im Rahmen der Grünen Woche.

Er spüre ein großes Interesse an dem Thema in Asien und Lateinamerika, angetrieben von den Gesprächen über Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union, stellte der Minister fest. Bis zur einer verbindlichen Erklärung werde es aber ein langer Weg.

Label-Dschungel: Hier bekommen Sie den Durchblick

Bioland, Biokreis, Neuland, Naturland - klingt alles ähnlich, aber hinter den Siegeln verstecken sich unterschiedliche Bewertungskriterien. Für mehr Durchblick klicken Sie weiter © ah
Das Regionalfenster beinhaltet ausschließlich Aussagen zur Herkunft der eingesetzten landwirtschaftlichen Zutaten, dem Ort der Verarbeitung und optional zu den Vorstufen der Landwirtschaft. Aussagen zur Art der Erzeugung (z.B. fair, nachhaltig, ökologisch, ohne Gentechnik, tiergerecht) sind im Regionalfenster nicht erfasst. Das Regionalfenster soll das Erkennen regionaler Lebensmittel erleichtern. © BMEL
Neuland ist kein Biolabel und findet sich ausschließlich auch tierischen Produkten. Das Siegel stammt von einem Verein, der sich für eine „soziale, qualitätsorientierte, tiergerechte und umweltschonende Tierhaltung“ einsetzt. Laut den Richtlinien haben die Tiere Auslauf ins Freie, liegen auf Stroh, haben viel Tageslicht im Stall und bekommen nur einheimische, gentechnisch nicht veränderte Futtermittel zu fressen. © Neuland
Das Siegel des Deutschen Tierschutzbunds steht ebenfalls für artgerechte Tierhaltung. Mehr Tierschutz umfasst zwei Anforderungsstufen, die vergeben werden können: eine Einstiegsstufe und eine Premiumstufe. Beiden Stufen liegen jeweils verbindliche Anforderungen an die Tierhaltung, den Tiertransport und die Schlachtung zugrunde. Mehr dazu hier. © Deutscher Tierschutzbund
Mit dem deutschen staatlichen Bio-Siegel dürfen nur Lebensmittel gekennzeichnet werden, welche nach den EU-Rechtsvorschriften ökologisch produzieren und daraufhin kontrolliert wurden. Alle Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs müssen mindestens zu 95 Prozent aus ökologischem Landbau stammen. © BMEL
Das Biosiegel des ökologischen Anbauverband Biokreis gibt es bereits seit den 80er Jahren. Die Arbeit des Verbandes basiert auf einer organisch-biologischen Kreislaufwirtschaft. Beispielsweise dürfen nur Futtermittel von Biokreis-Mitgliedern angewandt werden. Auf synthetische Pestizide und chemisch-synthetischen Stickstoffdünger wird verzichtet. 100 % der Zutaten sind aus ökologischer Herkunft. © Biokreis
Das Bio-Label des Anbauverband Bioland setzt eine organisch-biologische Kreislaufwirtschaft sowie eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Gentechnikeinsatz voraus. 100 % der Zutaten müssen aus ökologischer Herkunft stammen.  Kurze Tier-Transportwege bis maximal 4 Stunden. © Bioland
Die internationale Bio-Marke Demeter hat sich die älteste ökologische Form der Landbewirtschaftung als Leitlinie genommen. Hier gilt eine ausschließlich biologisch dynamische Bewirtschaftung für den gesamten Betrieb. Demeter ist der einzige ökologische Anbauverband, welcher zur Tierhaltung verpflichtet. © Demeter
Der Öko-Verband Gäa setzte sich vor allem für den Aufbau des Öko-Landbaus in Ostdeutschland ein. Zentrum der Arbeit von Gäa ist die Landschaftpflege und der Naturschutz. Die Richtlinien gehören zu den strengsten in Deutschland. Besonderes Augenmerk liegt beim Ressourcenschutz und transparenten Ablauf der Erzeugung bis hin zum Verkauf. © Gäa
Das Biosiegel von Naturland steht für einen ganzheitlichen Ansatz, dem nachhaltigen Wirtschaften, praktizierten Natur- und Umweltschutz, sowie Erhalt von Luft, Boden und Wasser. Desweiteren arbeitet Naturland intensiv im Bereich der ökologischen Waldnutzung und Aquakultur. © Naturland
In Mecklenburg-Vorpommern gründeten 1991 engagierte Landwirte und Wissenschaftler den Verband Biopark. Heute ist dieser bereits in 15 Bundesländern vertreten. Bei der Tierhaltung setzt Biopark auf artgerechte Haltung, viel Auslauf, Weidegang und betriebseigene Fütterung. © Biopark
Dieser Bio-Anbauverband wurde im Jahr 2007 gegründet und hat sein Arbeitszentrum in den neuen Bundesländern. Im Mittelpunkt allen Handelns stehen die sogenannte „soziale Landwirtschaft und die bäuerliche Form des Wirtschaftens“ © Verbund Ökohöfe
Das EU-Biosiegel ist für alle vorverpackten europäischen Biolebensmittel verpflichtend. Dies gilt für Produkte aus dem ökologischen Landbau und Biolebensmittel, die einen Verarbeitungsschritt in der Europäischen Gemeinschaft erfahren. 95 % der Zutaten müssen dabei ökologischer Herkunft sein. © EU
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