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Konjunkturbarometer Agrar

Stimmung unter Landwirten verschlechtert sich zum Ende der Legislatur

Landwirten blickt über eine Grünlandfläche
am Montag, 18.10.2021 - 15:05 (Jetzt kommentieren)

Im dritten Quartal 2021 hat sich die Stimmung unter Landwirten in Deutschland weiter verschlechtert. Zu diesem Ergebnis des Konjunkturbarometers Agrar führte vor allem die agrarpolitische Bilanz der noch amtierenden Bundesregierung.

Die quartalsweise Erhebung des Deutschen Bauernverbands (DBV) zur Stimmungslage in der Landwirtschaft hat im Vergleich zur Juni-Umfrage einen deutlich geringeren Indexwert ergeben. Bereits vor drei Monaten zeugte der Wert von 14,7 von einer verbreiteten Mutlosigkeit. Im September ist der Indexwert noch einmal deutlich abgerutscht – auf 10,6. Ausschlaggebend für diese Entwicklung sind laut DBV-Präsident Joachim Rukwied insbesondere die politischen Rahmenbedingungen. Berechnet wird der Indexwert aus der Einschätzung zur aktuellen und künftigen wirtschaftlichen Entwicklung.

Auftraggeber für das Konjunkturbarometer Agrar sind der Deutsche Bauernverband (DBV), der Fachverband Landtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau sowie die Landwirtschaftliche Rentenbank. Durchgeführt wurde die Umfrage mit 850 Landwirten vom Marktforschungsinstitut Produkt + Markt.

Preiskrise auf dem Schweinemarkt verschärft die Lage

Ihre Einschätzung, dass es in der Landwirtschaft weniger Investitionen gibt als noch vor zwei bis drei Jahren, begründeten 56 Prozent der Befragten mit der fehlenden Planungssicherheit. Laut Rukwied könnten Tierhalter wegen des mangelhaften Bau- und Umweltrechts den gesellschaftlichen Wunsch nach einem Umbau der Tierhaltung nicht umsetzen.

Hohe gesetzliche Auflagen waren für 47 Prozent der Landwirte ein Grund für den empfundenen Investitionsrückgang. 40 Prozent machten die schwierige Marktlage verantwortlich. Rukwied erinnert an die existenzbedrohende Lage der Schweinehalter, für die die Mischung aus Afrikanischer Schweinepest (ASP) und der Corona-Pandemie toxisch sei und zu einer schweren Preiskrise geführt habe.

Die hohen Kosten sahen 29 Prozent der Landwirte als Hinderungsgrund für Investitionen. Für 15 Prozent war die gesellschaftliche Kritik ausschlaggebend. Von den fünf genannten Gründen konnten sich die Teilnehmer für zwei entscheiden. Insgesamt war etwa die Hälfte der Landwirte der Meinung, dass die Investitionstätigkeit abgenommen hat. Diese Ansicht war im Norden (63 Prozent) und Osten (60 Prozent) stärker verbreitet als im Süden (41 Prozent).

Für Tierhalter kann es nur besser werden

Sowohl ihre aktuelle als auch die künftige wirtschaftliche Situation bewerteten die Landwirte schlechter als noch im Juni. Auf der Notenskala von 1 (sehr günstig) bis 5 (sehr ungünstig) vergaben die Teilnehmer für ihre aktuelle wirtschaftliche Situation im Durchschnitt die Note 3,19 – im Sommer lag der Mittelwert noch bei 3,05. Eine leichtere Verschlechterung gab es in der Bewertung der künftigen wirtschaftlichen Situation, wo jetzt eine Note von 3,26 erreicht wurde.

Die aktuelle wirtschaftliche Lage gestaltet sich nach Angaben der Befragten je nach Spezialisierung der Betriebe (Ackerbau, Futterbau, Veredlung) sehr unterschiedlich. Tief gesunken, von etwa 3,25 auf etwa 3,8, ist die Stimmung der Veredlungsbetriebe. Dennoch haben die Tierhalter Hoffnung, dass sich ihre wirtschaftliche Lage wieder bessert. Umgekehrt verhält es sich bei den Acker- und Futterbaubetrieben: Sie gehen davon aus, dass ihre künftige Lage gegenüber der derzeitigen Situation etwas verschlechtern wird.

Unter den Tierhaltern ist der Anteil der Betriebe mit angespannter Liquiditätslage im Moment entsprechend hoch (30 Prozent). Die betriebliche Liquidität hat sich im Durchschnitt der Betriebe gegenüber dem Sommer etwas verbessert. Insgesamt litten 15 Prozent der Betriebe unter angespannter Zahlungsfähigkeit.  

Von den Folgen der Corona-Pandemie fühlten sich sieben Prozent der Umfrageteilnehmer bedroht. Acht Prozent waren es vor einem Jahr. 20 Prozent gaben an, dass die Pandemie zu Umsatzverlusten geführt habe. Bei 13 Prozent führe das Virus zu einem Aufschieben von Investitionen.

Ein Drittel der Betriebe will im nächsten halben Jahr investieren

Dass in der Zeit von Oktober 2021 bis März 2022 in den Betrieb investiert werden soll, gaben 30 Prozent der Befragten an. Vor einem Jahr waren es 31 Prozent. Die größten Posten bilden Investitionen in Maschinen und Geräte (17 Prozent) und Wirtschaftsgebäude (9 Prozent). An dritter Stelle folgt der Landkauf mit 8 Prozent. Im letzten Jahr gaben 6 Prozent der Landwirte an, neue Flächen kaufen zu wollen. In erneuerbare Energien wollten drei Prozent der Befragten investieren. Im September 2020 waren es noch vier Prozent.

Auf 5,3 Mrd. Euro soll sich das Investitionsvolumen im nächsten halben Jahr nach Angaben der Umfrageteilnehmer belaufen. Das ist mehr als im letzten Jahr, wo die Landwirte noch 5,0 Mrd. Euro investieren wollten. Vom Gesamtvolumen sind in diesem Jahr 1,9 Mrd. Euro für Wirtschaftsgebäude vorgesehen. Damit sind die geplanten Investitionen in Wirtschaftsgebäude leicht rückläufig. 1,5 Mrd. Euro wollen die Befragten für Maschinen und Geräte ausgeben, was eine Zunahme von 0,3 Mrd. Euro bedeutet. Für die Hof- und Stalltechnik soll sich der Betrag von 0,3 auf 0,6 Mrd. Euro verdoppeln. Von 1,3 Mrd. auf 1,1 Mrd. Euro verringert sich das Investitionsvolumen für erneuerbare Energien.

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