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Welternährung

Stockende Getreideexporte aus Ukraine – Schiffe stehen im Stau

Ein Getreidefrachter im Hafen von Odessa.
am Montag, 24.10.2022 - 12:33 (1 Kommentar)

Der Krieg in der Ukraine gefährdet erneut die globale Lebensmittelversorgung. 3 Millionen Tonnen Getreide können die ukrainischen Häfen derzeit nicht verlassen, weil Russland das Passieren der Schiffe verhindern soll.

Obwohl es im Juli gelang, unter Vermittlung der UN und der Türkei zwischen Russland und der Ukraine ein Abkommen über Getreideausfuhren aus der Ukraine zu schließen, ist die Gefahr von zunehmenden Hungerkatastrophen auf der Welt nicht beigelegt. Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, befänden sich 150 Schiffe in einem künstlichen Stau, weil Russland die Passage der Getreidefrachter an den Schwarzmeerhäfen behindere.

Aus Sicht des russischen Präsidenten Wladimir Putin habe sich das Abkommen als „Abzocke“ erwiesen, weil die versprochenen Lockerungen der Sanktionen gegenüber Russland nicht eingehalten worden seien.

Hungerkatastrophe und Flüchtlingsströme befürchtet

Schon während der Verhandlungen über das Abkommen hatte Russland mit dessen Ende gedroht. Die Vereinbarung enthält auch Erleichterungen für russische Düngemittel- und Lebensmittelexporte. Russland beklagt, dass dieser Teil nicht umgesetzt werde. Angelegt war das Abkommen auf vier Monate.

Selenskyj dagegen ist der Überzeugung, dass Putin weltweit Lebensmittelkrisen und soziale Spannungen hervorrufen will. „Der Feind tut alles, um unsere Lebensmittelexporte zu verlangsamen“, so der ukrainische Präsident. Die drei Millionen Tonnen Lebensmittel, deren Export aus der Ukraine behindert werde, reiche aus, um zehn Millionen Menschen ein Jahr lang zu ernähren. Laut Selenskyj wolle Russland die Lage durch Fluchtströme von Hungernden in die Türkei oder in die EU zuspitzen.

Scholz: Seeweg für Getreidelieferungen muss offen bleiben

„Eine große Hungerkatastrophe“ hält auch Bundeskanzler Olaf Scholz für möglich. Beim bayerischen Landesparteitag der SPD in München sagte er am Wochenende, dass die Wege für die Getreideexporte nicht wieder versperrt werden dürften. Alle Lieferungen über die Eisenbahn, die Donau, aber auch über den Seeweg müssten aufrecht erhalten bleiben.

Deutschland werde die Ukraine weiterhin finanziell, humanitär und auch mit Waffen zur Verteidigung seiner Unabhängigkeit unterstützen, sagte Scholz.

Mit Material von dpa

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