Login
Bauernregeln-Kampagne

'Tut mir leid': Ministerin Hendricks mit Videobotschaft an die Landwirte

Umweltministerin Barbara Hendricks
Thumbnail
Redaktion agrarheute, agrarheute
am
10.02.2017

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat sich für die Form ihrer Bauernregeln-Kampagne bei den Landwirten per Video entschuldigt. In der Sache bleibt die Ministerin bei ihrem Standpunkt.

Mit ihren "neuen" Bauernregeln hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) viele praktizierende Landwirte vor den Kopf gestoßen. Kritik gab es dafür von Fachverbänden und aus allen politischen Lagern. Am Donnerstag Nachmittag zog das Bundesumweltministerium die Reißleine und erklärte, dass es keine weiteren Bauernregeln mehr gebe und nun eine Dialog-Webseite gestartet werden solle.

Hendricks erklärte sich schließlich auch auf facebook zu dem Thema. Das Statement wurde nach 17 Stunden bereits über 38.000 mal aufgerufen (Stand: 10. Februar, 11.30 Uhr). Das sind die Aussagen der Ministerin:

Statement von Barbara Hendricks zum Stopp der Bauernregeln

Großes Feedback auf Kampagne

Zunächst bedankt sich Hendricks bei jenen, die sie in den letzten Tagen darin bestärkt haben, das "wichtige Thema Umwelt und Landwirtschaft" durch die Kampagne angesprochen zu haben. In der Folge richtet sich die Ministerin dann an die Landwirte, "die vielfach mit Ablehnung und Empörung auf die Kampagne reagiert haben".

Nach Aussage Hendricks würden ihr zwar viele der Landwirte "Recht darin geben, dass sich etwas ändern muss in der Art und Weise, wie wir in Deutschland Landwirtschaft betreiben. Gleichwohl sehen sie sich durch die Aufmachung der Kampagne persönlich angegriffen oder sich in ihrer Berufsehre verletzt. Das tut mir leid", fährt die Ministerin fort.

Hendricks: 'Landwirte sind Getriebene'

In der Folge erklärt Hendricks, dass sie selbst aus einer landwirtschaftlich geprägten Region aus dem Kreis Kleve am Niederrhein käme und in ihrer Amtszeit in den letzten drei Jahren mit zahlreichen Bauern und Bäuerinnen gesprochen habe und sie auf deren Höfe besucht habe. "Ich weiß sehr wohl, dass viele von ihnen sehr hart arbeiten und gleichzeitig immer weniger Auskommen haben", sagt Hendricks und führt das Beispiel Milchpreis an.

Dann betont die Ministerin ihr Kernanliegen des Schutzes der Umwelt und Natur, bei dem es große Probleme gebe, auch wegen "Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft". "Aber mir geht es genauso darum, dass es nicht sein kann, dass Landwirte auf der einen Seite zu Getriebenen einer ungerechten Agrarförderung werden und gleichzeitig auf der anderen Seite von der Marktmacht der Lebensmittelindustrie und des Einzelhandels die Preise diktiert bekommen."

Beides führe dazu, dass immer mehr bäuerliche Betriebe in wirtschaftliche Schwierigkeiten und Umwelt und Natur unter die "Räder eines billiger, schneller, mehr" gerieten.

Ministerin bietet Dialog an

"Über ein paar Dinge müssen wir schon reden", macht Hendricks weiter und führt neben dem Strukturwandel auf Betrieben, Ställen und Flächen in den vergangenen Jahren auch die "zu hohen Nitratwerte in einem Drittel der Messstellen für die Grundwasserqualität".

Dann appelliert sie an die Zuhörer: "Was wir nicht tun sollten, ist eine Spaltung zwischen den Menschen in den Städten und denen auf dem Land herbeizureden." Ferner sollte der Austausch von Meinungen und Erfahrungen nicht durch eine verrohte Sprache vergiftet werden - gerade in den sozialen Netzwerken.

Zum Ende hin bietet Hendricks den Landwirten dann den Dialog an: "Gerne mit offenem Visier, deutlich in der Sache, gleichwohl mit Offenheit und mit gegenseitigem Respekt."

Reaktionen auf die Botschaft von Ministerin Hendricks finden Sie hier.

Auch interessant