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UBA-Berater wollen Tierhaltung begrenzen und verlagern

Außenaufnahme eines modernen Schweinestalls
am Donnerstag, 10.10.2019 - 10:19 (1 Kommentar)

Die Tierhaltung soll in Deutschland begrenzt und verlagert werden. Das ist eine von vielen UBA-Forderungen zum Umbau der Landwirtschaft.

In einem aktuellen Positionspapier schlägt die Kommission Landwirtschaft am Umweltbundesamt (UBA) eine fundamentale Neuausrichtung der Agrarwirtschaft vor.

So soll die Tierhaltung deutschlandweit pro Betrieb auf 2 Großvieheinheiten pro Hektar (GVE/ha) begrenzt werden. In ökologisch sensiblen Gebieten soll die Obergrenze 1,4 GVE/ha betragen. Der Umbau zu einer flächengebundenen Haltung soll innerhalb von zehn Jahren erfolgen. Dazu sollen Tierbestände aus Veredlungsregionen in tierarme Gebiete verlagert werden.

Weniger und effizienter düngen

Güllefass mit Schleppschlauch im Weizen

Die UBA-Kommission rät, den Einsatz von Mineraldünger deutlich zu verringern und Wirtschaftsdünger wie Gülle besser zu verwerten.

Nährstoffüberschüsse durch Stickstoff und Phosphor in der Landwirtschaft als Folge übermäßiger und ineffizienter Düngung führten seit langem zu gravierenden Umwelt- und Klimaproblemen, so das Gremium, das von Prof. Alois Heißenhuber geleitet wird.

Verbrauchersiegel soll Produktion transparent machen

Damit die Verbraucher erkennen können, welche Gesamtkosten die Produktion verursacht, und sich nicht länger allein am Preis orientieren, soll die Politik ein staatliches und unabhängiges Lebensmittelsiegel einführen. Das Label soll Produktionsweisen transparent machen und umweltgerechte Kaufentscheidungen ermöglichen.

Der Ländliche Raum wird nach Einschätzung der UBA-Kommission von einer schlechten Infrastruktur und schrumpfenden Bevölkerung bei gleichzeitiger Konzentration auf intensive landwirtschaftliche Produktion geprägt. Darum sollte die Politik ein neues und umfassendes Leitbild für den ländlichen Raum entwickeln, an dem alle, die Landwirtschaft, die Politik und die Bevölkerung mitwirken. Das sei Voraussetzung für eine umweltgerechte und zielorientierte Verteilung von Fördermitteln.

Den internationalen Agrarhandel sehen die UBA-Berater kritisch. Sie fordern "verantwortungsvolle Lebensmittelexporte", Importe von zertifizierten Erzeugnissen und eine weitere Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in internationale Handelsabkommen.

Schuldzuweisung hinter sich lassen, raus aus der Diskursfalle

Zusammenfassend kommt die UBA-Kommission zu dem Schluss, dass eine allein von Ertragssteigerung und Kostensenkung geprägte Landwirtschaft und ein Markt, der im Wesentlichen auf preisgünstige Lebensmittel setzt, nicht nachhaltig sein können. Darum müssten neue Agrarsysteme entwickelt werden.

Der Diskurs scheitere aber immer wieder, wenn die Verursacherfrage in den Vordergrund rücke und die landwirtschaftliche Produktion als unzulänglich oder gar als falsch hingestellt werde.

Um aus dieser Falle herauszukommen, betont die Kommission, dass die Zukunftsdiskussion nicht nur auf eine Produktionsweise oder isolierte technologische Lösungen ausgerichtet werden sollte. Die Experten fordern, das Konzept der Multifunktionalität weiterzuentwickeln und prominent in die agrarpolitischen und ordnungsrechtlichen Maßnahmen einzubauen.

Kommentar

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