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Umfrage: Landwirte weisen „Bauernmilliarde“ als Schweigegeld zurück

Schleppschlauchverteiler im Weizenfeld
am Donnerstag, 06.02.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die sogenannte „Bauernmilliarde“ lehnen neun von zehn Landwirten als Schweigegeld ab. Das zeigt eine agrarheute-Umfrage.

Umfrage Bauernmilliarde

Mit eine Milliarde Euro zusätzlich sollen die Landwirte in den nächsten vier Jahren bei der Anpassung an die verschärfte Düngeverordnung unterstützt werden. Das haben die Parteivorsitzenden von CDU/CSU und SPD vorige Woche beschlossen.

Doch das vermeintlich großzügige Steuergeschenk der Koalition stößt in der Landwirtschaft auf eine fast einhellige Front der Ablehnung. Das zeigt eine exklusive Blitzumfrage auf agrarheute.com.

"Dafür sind wir nicht auf die Straße gegangen"

Wir haben gefragt: „Was halten Sie von der Bauernmilliarde?“ Und innerhalb weniger Tage haben 92 Prozent von über 8.000 Teilnehmer der Umfrage geanwortet: „Das ist doch Schweigegeld. Dafür sind wir nicht auf die Straße gegangen.“ Ein so eindeutiges Meinungsbild ist selten.

Nur ein kleine Gruppe von 4 Prozent will erst einmal abwarten, ob das Geld überhaupt auf den Betrieben ankommt. Weitere 2 Prozent finden die Geste gut, sind aber der Meinung, das Geld das Problem nicht löst. Und lediglich 1 Prozent der teilnehmenden Landwirte begrüßte die Bauernmilliarde als Anerkennung und Hilfe, die zusätzlichen Kosten zu senken.

Geld kann politische Fehler nicht überdecken

Auch bei der Opposition und unter den Verbänden und Organisationen der Landwirtschaft hatte der Koalitionsbeschluss viel Kritik ausgelöst.

So hatte DBV-Präsident Joachim Rukwied die Entscheidung zwar als starkes Signal der Wertschätzung gewürdigt. Zugleich stellte Rukwied fest, Geld allein löse die Herausforderungen nicht. Fachliche Mängel bei der Verschärfung des Düngerechts müssten korrigiert werden.

Land schafft Verbindung – Deutschland lehnte die Bauernmilliarde „in dieser Form“ ab. Die Milliarde bedeute nicht anderes als die Fortführung einer missratenen Politik.

Agrarministerium arbeitet "mit Hochdruck" an Hilfspaket

Offen ist noch, wie die zusätzlichen Fördermitteln überhaupt auf die Betriebe gelangen sollen. Dazu traf der Koalitionsausschuss keine Festlegung.

Im Bundeslandwirtschaftsministerium wird „mit Hochdruck an einem entsprechenden Paket“ gearbeitet, wie eine Sprecherin des Ressorts gegenüber agrarheute erläuterte.

Die Sprecherin verwies auf bestehende einzelbetriebliche Fördermöglichkeiten in der Gemeinschaftsaufgabe Agrar- und Küstenschutz (GAK), für die nun zusätzliche Gelder bereit stünden.

Ministerin Julia Klöckner sprach bei einer Bauernkundgebung in Bad Kreuznach davon, die Mittel neben der Investitionsförderung auch für höhere Zuschüsse zur landwirtschaftlichen Sozialversicherung nutzen zu wollen. Bis das Paket ausgearbeitet ist, dürfte es allerdings noch einige Zeit dauern.

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