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Bundestagswahl 2021

Umfrage: Das sind die Sorgen der Landwirte

Bauernprotest in Berlin
am Dienstag, 23.03.2021 - 06:30 (Jetzt kommentieren)

Ein fairer Wettbewerb und immer neue Umweltauflagen – das sind die Politikthemen, die Landwirte am meisten beschäftigen. Dies hat eine agri EXPERTS-Umfrage ergeben.

Topthemen für die deutsche Agrarpolitik

Wir haben unsere Leser gefragt, worauf sich die deutsche Agrarpolitik nach der Bundestagswahl im September konzentrieren soll. Rund 1.000 Teilnehmer haben sich vom 29. Januar bis 28. Februar 2021 an der Befragung beteiligt. Und die Antworten sind eindeutig: Das wichtigste Thema sind für die Landwirte „faire Erzeugerpreise“ mit 48 Prozent der Nennungen. Dies zeigt, wie essentiell höhere Produkterlöse für die Bauern geworden sind. Die Debatte um niedrige Einkaufspreise des Lebensmitteleinzelhandels, zu niedrige Milchpreise und der katastrophale Einbruch der Schweinepreise hinterlassen ihre Spuren.

An zweiter Stelle rangieren der Wunsch nach einem „Bürokratieabbau“ und einer fachlich fundierten Umweltpolitik mit 39 beziehungsweise 38 Prozent. Hier wirkt sich sicherlich aus, dass die Befragung in eine Zeit fiel, in der intensiv über das Insektenschutzpaket und die Abgrenzung der roten Gebiete zur Düngeverordnung diskutiert wurde.

Umweltauflagen dominieren über betriebswirtschaftliche Themen

Topthemen auf dem Betrieb

Dazu passt auch, dass 62 Prozent der Umfrageteilnehmer angaben, die Umweltauflagen beschäftigten sie auf ihrem Betrieb derzeit am meisten. Umweltpolitisch motivierte Eingriffe in die Betriebsführung liegen damit weit vor betriebswirtschaftlichen Problemen, wie zum Beispiel die Liquidität mit nur 21 Prozent der Nennungen oder ein Investitionsstau mit 7 Prozent.

Besorgt sind die Landwirte offensichtlich um den Erhalt bäuerlicher Strukturen und um die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Gesellschaft. Deutlich abgeschlagen sind im Vergleich dazu Themen wie die Förderung des Ökolandbaus und der Umbau der Nutztierhaltung mit jeweils 5 Prozent, obwohl diese Politikbereiche in den Publikumsmedien breiten Raum einnehmen.

Fairer Wettbewerb auch im Binnenmarkt das Topthema

Die wichtigsten Themen in der EU-Agrarpolitik

In unserer Befragung wollten wir von den Teilnehmern auch wissen, wofür sich die nächste Bundesregierung auf EU-Ebene einsetzen soll. Auch bei der EU-Agrarpolitik belegen die Antworten: Das mit Abstand größte Problem sehen die deutschen Bauern darin, dass im Binnenmarkt ein fairer Wettbewerb gesichert wird. Mit 88 Prozent waren rund acht von neun Teilnehmern der Meinung, dass dies das drängendste Thema der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sei.

An zweiter Stelle nannten 53 Prozent eine Ausweitung der Herkunftskennzeichnung als Auftrag an die europäische Agrarpolitik. Abgeschlagen rangieren im Vergleich dazu die Themen „grüne Architektur“ und ein Tierwohl-Label.

Ein Drittel der Befragten wünscht sich eine stärker gestaffelte Flächenprämie

Grafik zur Zukunft der Direktzahlungen

Das wichtigste Instrument zur Einkommensstützung der europäischen Landwirte sind die Direktzahlungen. Sie stehen auch im Fokus der aktuell diskutierten EU-Agrarreform. Darum haben wir die Landwirte gefragt, wie die Zukunft der Direktzahlungen aussehen sollte. Mit 31 Prozent wünschte sich die größte Gruppe der Befragten, dass die Flächenprämien stärker nach der Betriebsgröße gestaffelt werden sollten.

Schon an zweiter Stelle lagen dicht dahinter die Gegner der Direktzahlungen, die sich für eine Abschaffung aussprachen. Das derzeitige System beibehalten wollen 20 Prozent der Befragten.

Ein Zehntel sprach sich dafür aus, die Flächenprämie durch eine Gemeinwohlprämie zu ersetzen, wie das der Entwurf des grünen Wahlprogramms für die Bundestagswahl vorsieht. Eine stärkere Umschichtung in die zweite Säule der GAP hat mit 6 Prozent der Antworten nur wenige Anhänger.

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