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Umweltbundesamt: graue Eminenz der Agrarpolitik

Das Umweltbundesamt in Dessau.
am Dienstag, 14.04.2020 - 11:20 (1 Kommentar)

Im Wettstreit der Behörden des Bundes um die öffentliche Aufmerksamkeit nimmt das Umweltbundesamt (UBA) eine Spitzenposition ein – sogar in Zeiten des Coronavirus.

Heutzutage gibt es einen einfachen Gradmesser, wie wichtig eine Bundesbehörde ist. Es ist nicht allein das Budget, das ihr zur Verfügung steht. Es ist ihre Präsenz in der Suchmaschine Google. Die Auffindbarkeit in der meistbesuchten Website der Welt entscheidet ganz wesentlich darüber, ob Botschaften den Weg in das breite öffentliche Bewusstsein finden oder nicht. Das Umweltbundesamt nimmt hier in der Agrarpolitik unter den Einrichtungen des Bundes eine Spitzenposition ein.

Welche Behörde gewinnt bei Google?

Während andere Behörden wie das Robert-Koch-Institut oder das Bundesamt für Migration in der aktuellen politischen Großwetterlage natürlich auch auf Google sehr häufig zu finden sind (gut 57 Millionen bzw. gut 6 Millionen Mal), wird die Luft für viele weitere Einrichtungen schnell dünn. Zu „Bundesamt für Verfassungsschutz“ finden sich auf Google gerade mal knapp eine halbe Million Treffer, das Bundeskartellamt kommt auf rund 800.000 und das Bundesamt für Sportwissenschaft nicht einmal auf 100.000.

Wieviel besser ist das UBA als landwirtschaftliche Einrichtungen?

Das Umweltbundesamt sticht jedoch heraus: Mit fast 1,8 Millionen Treffern liegt es nicht nur deutlich vor den Bundesforschungsinstituten für Tiergesundheit, Nutzpflanzen oder Ernährung (zwischen 100.000 und gut 300.000 Suchergebnissen), es schlägt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (350.000 Treffer), das Bundeslandwirtschaftsministerium (gut 80.000 Ergebnisse) und sogar das Bundesumweltministerium (knapp 500.000 Treffer).

Wie gelingt dem UBA die starke Präsenz?

Das Umweltbundesamt schafft dieses Kunststück, weil es sich zu vielen Themen zu Wort meldet und den Besuchern seiner Seite jede Menge praktische Tipps an die Hand gibt. Mit der jüngsten Untersuchung zum Ökolandbau, die auch stark bei Entwicklungszielen für die konventionelle Landwirtschaft mitredet, zeigt die Behörde wieder einmal geschickt, dass es sich lohnt auch bei heißen Themen mitzureden, die nicht eindeutig in die eigene Kernkompetenz fallen. Eigentlich gibt es am Thünen-Institut ein Institut für ökologischen Landbau. Ausgesprochene Fachleute leisten hier exzellente Arbeit – dringen damit in die öffentliche Diskussion aber so gut wie gar nicht vor.

Was heißt das für die Landwirte?

Die Stärke des Umweltbundesamtes macht sich auch politisch bezahlt: Wer sich auf Google zu Umweltschutz und Landwirtschaft informieren möchte, findet zuerst Positionen dieser Behörde. Wer nach „Agrarpolitik“ und „Umweltbundesamt“ sucht, stößt auf mehr als doppelt so viele Treffer wie bei der Suche nach „Agrarpolitik“ und „Bundeslandwirtschaftsministerium“. Die Landwirtschaft sollte daraus lernen: Geht auf die Menschen zu, beantwortet praktische Fragen, redet bei vielen Themen mit und verschanzt Euch nicht hinter reiner Fachlichkeit. Sonst brauchen sich die Bauern nicht zu wundern, wenn sie von vielen Menschen nicht verstanden werden.

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