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Biodiversität

Umweltministerin Schulze: Weniger Pflanzenschutz für mehr Insekten

Umweltministerin Svenja Schulze
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
10.10.2018

Reduzierter Pflanzenschutz, mehr Anwendungsverbote: Die Vorschläge aus dem Umweltministeriumgefallen der Praxis wenig. Ein Onlinevoting beteiligt die Bürger.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze stellt heute ihre Maßnahmenvorschläge für das im Koalitionsvertrag vereinbarte „Aktionsprogramm Insektenschutz“ vor.

Schulze will das Fördersystem für die Landwirtschaft sowie den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln grundlegend wandeln. Dazu hat die Ministerin auch eine vierwöchige Online-Öffentlichkeitsbeteiligung gestartet.

Ein überarbeiteter Vorschlag soll dann innerhalb der Bundesregierung abgestimmt und ins Kabinett eingebracht werden.

„Überarbeitung der Agrarpolitik bietet eine Chance“

Umweltministerin Schulze: „Das Insektensterben zu stoppen, ist eine zentrale politische Aufgabe unserer Zeit.“ Dazu brauche es „mehr Lebensraum für Insekten, weniger Pestizide und eine klügere Agrarförderung“.

Die laufende Reform der EU-Agrarförderung, der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) biete eine Chance, „eine Landwirtschaft zu fördern, die den Insekten nicht schadet, sondern ihr Überleben ermöglicht“.

Der Einsatz jeglicher Pflanzenschutzmittel müsse nach Ansicht der Ministerin reduziert werden. Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat gefährdeten nachweislich die biologische Vielfalt, heißt es aus dem Bundesumweltministerium (BMU). Die Bundesregierung habe sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, den Glyphosateinsatz grundsätzlich zu beenden.

Vorschläge des Umweltministeriums

Konkrete Vorschläge der Ministerin:

  • Zulassungen an Schutzflächen für Biodiversität knüpfen,
  • Anwendungsverbote in ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen,
  • Schutz von Gewässerrandstreifen,
  • Unterschutzstellung von Biotopen wie artenreichem Grünland,
  • Regelungen zum Eindämmen von Lichtverschmutzung.

Die Ideen des Umwelministeriums sollen auf dem 9. Nationalen Forum zur biologischen Vielfalt mit zentralen Akteuren diskutiert werden. Die Ergebnisse daraus und aus dem Online-Dialog sollen ins „Aktionsprogramm Insektenschutz“ einfließen, das das Kabinett im Frühsommer 2019 beließen will.

100 Millionen Euro für Insektenschutz

Medienberichten zufolge will das Umweltministerium den Insektenschutz in Deutschland und Europa mit 100 Millionen Euro fördern.

Die eine Hälfte solle ab 2020 über ein gemeinsames Förderprogramm von Bund und Ländern verteilt werden, die andere solle der Bund tragen, berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe unter Berufung auf den Entwurf für das «Aktionsprogramm Insektenschutz». Von dem Geld sollten 25 Millionen Euro zusätzlich in Forschung und Monitoring fließen.

Bauernverband mahnt Einseitigkeit an

Eberhard Hartelt, Umweltbeauftragter des Deutschen Bauernverbandes (DBV), betont, dass der Schutz von Insekten im eigenen Interesse der Landwirte sei und bereits viel für Insektenschutz getan werde. „Die Vorschläge des Bundesumweltministeriums müssen auch die ökonomischen Herausforderungen der Landwirtschaft berücksichtigen“, mahnte Hartelt.

Nach Ansicht des DBV schlage das BMU Maßnahmen mit „enormer Regelungstiefe und Verbotsdichte“ vor, während andere Handlungsfelder zu vage blieben – etwa beim Klimawandel, dem Flächenverbrauch, der Mobilität oder in Privatgärten und Kommunen.

Der DBV entwickele bereits konkrete und praxistaugliche Biodiversitätsprojekte, die in der europäischen Agrarpolitik verankert werden sollen. Mehr Anreize statt Verbote seien nötig.

Zum Onlinedialog des Umweltministeriums: https://dialog.bmu.de/insektenschutz

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