Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Wasserschutz

Ungeklärte Abwässer in Flüsse: Landwirt Lohmeyer im Petitionsausschuss

Lohmeyer-Abwässer
am Dienstag, 16.06.2020 - 09:31 (Jetzt kommentieren)

Zu einer ungeklärten Einleitung von Hausabwässern kommt es offenbar nicht nur bei extremen Starkregenereignissen. Eine Petition fordert, zumindest die Einleitungsstellen zu markieren. Hier die Eindrücke aus der gestrigen Sitzung im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags.

Abstandsauflagen beim Düngen und Fäkalien aus Gräben und Bächen auf dem Acker oder  Grünland passen nicht zusammen. In der öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses vom Deutschen Bundestag kam dieser Missstand gestern ans Licht der Öffentlichkeit. Landwirt Christian Lohmeyer hatte Unterschiften für eine Petition gesammelt.

Lohmeyer: Einleitung von ungeklärten Abwässern ist gängige Praxis

Zu ungeklärten Einleitungen von Hausabwässern kommt es demnach offenbar nicht nur bei extremen Starkregen. Das belegte Lohmeyer, der mit seiner Familie einen Ackerbaubetrieb mit Schaf-, Pferde- und Hühnerhaltung in Bücken nahe Hoya an der Weser bewirtschaftet, unter anderem mit Videos. Im Petitionsausschuss konnte er mit Mitstreiter Thomas Tilsch dafür sorgen, das Problem ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

In Berlin fänden die Einleitungen in die Spree "bis zu 60 Mal pro Jahr" statt, so die Petitenten. Das zeige, „dass die Einleitung von ungeklärten Abwässern in Flüsse, Bäche und Meere gängige Praxis in Deutschland“ zu sein scheine. Lohmeyer sprach sich dafür aus, die Einleitungsstellen zumindest sofort zu markieren.

Die Augen öffnen für offensichtlichen Missstand

Der Landwirt sagte im Anschluss an die Sitzung, dass viele Abgeordnete das Problem "nicht auf dem Schirm" hätten. Er fordert, das Einleiten von ungeklärtem Abwasser aus Haushalten zu stoppen. Die maroden und oft völlig veralteten Kanalisationen unter vielen Städten seien zu sanieren. Einleitungspunkte müssten auch bei normalen Wasserständen zu erkennen sein.

Während der Sitzung unter Vorsitz von Marian Wendt (CDU/CSU) widersprach Lohmeyer der Einschätzung des Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Florian Pronold (SPD), wonach es zu einer ungeklärten Einleitung nur bei extremen Starkregen komme. Das Beispiel Wilhelmshaven etwa zeige, dass die Abwässer schon bei Niederschlägen ab 10 l/m2 in der Stunde "konsequent in die Nordsee" eingeleitet würden.

Auflagen beim Düngen führten zur Petition

Das deutsche Wasserhaushaltsgesetz und die EU-Wasserrahmenrichtlinie untersagten grundsätzlich das Einleiten ungeklärter Abwässer in Flüsse und Bäche. Der Umwelt-Staatssekretär räumte aber ein, dass es bei extremem Starkregen vorkommen könne, dass die vorhandene Kanalisation mit all ihren Rückhaltebecken und anderen Vorrichtungen nicht ausreicht, um die Wassermengen aufzufangen und zu klären. So werde Wasser aus den Mischkanalsystemen eingeleitet.

Für die in die Jahre gekommenen Kanalisationssysteme, deren Wartung und Instandsetzung seien jedoch die Länder zuständig, so Pronold. Festzustellen sei aber auch, „dass sich die Qualität unserer Oberflächengewässer in den letzten Jahren konsequent verbessert“ habe.

Lohmeyer wies darauf hin, dass jeder Bürger einen "Abwasserfußabdruck" habe und nicht allein die Landwirte für Einträge durch die Düngung Schuld trügen. Einig waren sich Regierungsvertreter und Landwirt, dass Flächen massiv entsiegelt werden müssten, damit das Regenwasser in den Boden versickern könne, statt die Abwasserkanäle zu fluten.

Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Oktober 2020
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
cover_agrarheute_magazin.jpg

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...