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Glosse

Unsinnige FDP-Anfrage: Vom wilden Rentier gebissen?

AufsKorn
am Freitag, 25.12.2020 - 08:00 (Jetzt kommentieren)

Die FDP schreibt mit ihrer Kleinen Anfrage „Fröhliche Weihnachten nicht überall“ ein Stück Realsatire.

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Die Kleine Anfrage kann ein unbequemes Instrument zur Kontrolle der Regierung sein: Die Opposition fragt der Regierung Löcher in den Bauch, und die muss die Karten auf den Tisch legen. Leider wird das nützliche Werkzeug regelmäßig zu unsinnigen Detailanfragen missbraucht. Vor allem die AfD hält die Regierung gelegentlich für die analoge Version von Google.

Doch in der Adventszeit hat die FDP mit ihrer Anfrage „Fröhliche Weihnachten nicht überall“ sozusagen dem Christbaum die Spitze aufgesetzt. Unter Drucksache Nr. 19/24800 wollen Lindners Liberale wissen, wie die Bürger „negative Folgen durch die Weihnachtszeit minimieren“ können und was die Bundesregierung dafür tut.

Anfrage zur Ökobilanz von künstlichen und natürlichen Weihnachtsbäumen

Die insgesamt 19 Fragen an alle 14 Bundesministerien plus Kulturstaatsministerin und Bundespresseamt lassen nur den Schluss zu: Auf der Weihnachtsfeier der liberalen Fraktion muss es hoch hergegangen sein. Offenbar ist die ganze Truppe in den Punsch gefallen, als sie die Anfrage formulierte.

Denn die Regierung soll zum Beispiel ökobilanzielle Vergleiche von natürlichen und künstlichen Weihnachtsbäumen vorlegen. Sie soll auflisten, wie viele Weihnachtsbäume in Bundes- und Landesforstbetrieben geschlagen wurden, und zwar von 2017 bis 2020.

Kosten für Weihnachtsdekoration?

Brennend interessiert ist die FDP an den Kosten für Porto, Postkarten, Briefe, Weihnachtsdekoration und „sonstige Kosten mit Weihnachtsbezug“, und zwar für alle Bundesministerien und -behörden für – Sie ahnen es – die Jahre 2017 bis 2020.

Auch über das Abfallaufkommen soll die Regierung Auskunft geben, natürlich für 2017 bis 2020, nach Monaten und Abfallarten! Schließlich erfordere das hohe Abfallaufkommen durch Verpackungen und Weihnachtsbäume von der Abfallwirtschaft „eine logistische Meisterleistung“, so die FDP.

Lichtverschmutzung durch Weihnachtsbeleuchtung

Norbert Lehmann, agrarheute Redakteur

Und weil die Insekten bei den Liberalen anscheinend auch im Winter reichlich schwärmen, soll der Bund erläutern, was er gegen die Lichtverschmutzung unternimmt. Denn die sei schließlich durch die Weihnachtsbeleuchtung verstärkt.

Soll das etwa noch der liberale Geist sein oder war es bloß der Glühweingeist? Peinlich ist, dass die FDP diesen Unfug zudem mit durchaus ernsten Fragen vermischt, nämlich wie viele Soldaten im Auslandseinsatz wegen Corona-Auflagen an Weihnachten nicht nach Hause kommen. Ein Glück für die Liberalen, dass Knecht Ruprecht für dieses Jahr schon durch ist. Es hätte Dresche gegeben. 

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