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Handelskrieg USA/China

USA: Immer mehr Farmer unterstützen Trump

US Farm
am
02.09.2019
(1 Kommentar)

Der Schein trügt: Immer mehr Farmer unterstützen - trotz massiver Einkommens- und Absatzverluste - die Politik von Donald Trump.

Und sie wollen ihn wieder wählen. Dabei ist die Unterstützung unter den Farmern sogar größer als vor einem Jahr. Das zeigt jedenfalls eine aktuelle Umfrage der Analysten- und Beraterfirma FarmFutures unter Farmern im Mittelwesten.

Dabei hatten zahlreiche Farmverbände wie etwa die einflussreiche Soybean Assoziation (ASA) und auch der amerikanische Bauernverband (AFBF) die Verantwortung für den eskalierenden Handelskrieg und seine negativen Auswirkungen für die Farmer Donald Trump und seiner harten Haltung gegenüber China zugeschrieben.

Aber offenbar sind viele Farmer anderer Ansicht als ihre Verbände. Dazu trägt möglicherweise auch die großzügige staatliche Unterstützung nach der Flutkatstrophe im Frühjahr bei. Das jetzt abgeschlossene und sehr umfassende Handelsabkommen mit Japan, einem der größten Agrarimporteure, war den Farmern zum Zeitpunkt der Befragung Ende Juli noch nicht bekannt – ebenso wie die neuen Zölle, die China Ende August angekündigt hat. Beide Ereignisse hätten aber wahrscheinlich wenig Einfluss auf die Ansichten der Farmer gehabt.

Zwei Drittel der Farmer für Trump

Farmer

In der FarmFutures-Umfrage, die Ende Juli durchgeführt wurde, wurden die Farmer gefragt: Wenn die Präsidentschaftswahlen heute stattfinden würden, würden Sie für Präsident Trump stimmen? Zwei Drittel (66,6 Prozent) wollten danach für Trump stimmen, gegenüber 59,6 Prozent vor einem Jahr. Das war eine sehr kräftiger Zuwachs von 7 Prozentpunkten. Etwas mehr als 1.100 Landwirte hatten an der diesjährigen Umfrage teilgenommen.

Beispielhaft zitieren die Autoren der Umfrage Daryl Cates, selbst Farmer und Regional-Direktor der American Soybean Association (ASA): "Die Handelsbilanz war so weit aus dem Gleichgewicht geraten, dass ich froh war, dass ein Präsident aufstand und versuchte, etwas dagegen zu unternehmen", sagte Cates.

Dabei verweisen die Autoren von FarmFutures darauf, das die Unterstützung der Farmer möglicherweise auch mit staatlichen Steuerdollars "erkauft" wurde - 12 Mrd. USD im vorigen Jahr und weitere 16 Mrd. USD in diesem Jahr.

Trump: Kein schnelles Ende des Konflikts

US-Landwirtschaftsminister Sonny Perdue hatte in der vorigen Woche auf einer Farm-Messe in Illinois mit Präsident Trump vor den anwesenden Farmern telefoniert, berichtete der Agrar-Onlinedienst agricuture.com. Dabei sprach Trump den Konflikt mit China direkt an und sagte: „Mit China könnte ich schnell einen Deal abschließen, und ich könnte diesen Deal auf eine große Menge landwirtschaftlicher Produkte ausweiten"

Weiter sagte der Präsident: "Ich würde sofort ein Held sein und ich würde leicht die Wahl gewinnen. Aber es wäre das falsche Geschäft. Trump fügte hinzu: "Ich kann ein schnelles Geschäft machen und wie ein Held aussehen, oder ich kann es richtig machen, aber es wird ein wenig Zeit in Anspruch nehmen." Trump räumte außerdem ein, dass China ein Handelsabkommen mit den USA möglicherweise bis nach den Wahlen von 2020 hinauszögern wird.

Vor dem Telefonat mit Trump hatte Perdue den Farmern seine Sicht auf die anhaltenden Handelsspannungen mit China mitgeteilt und gesagt: "Es besteht die Sorge der Industrie, dass die Nachfrage nach US-Agrarprodukten in China, deren Ausbau Jahrzehnte gedauert hat, aufgrund der eskalierenden Handelssituation dauerhaft verloren gehen oder sinken wird".

Der Minister zeigte sich überzeugt: "Mit den Handelsstörungen verlieren wir nur vorübergehend Marktanteile. Die meisten Käufer orientieren sich am Preis und der Qualität. Die US-amerikanischen Farmer stellen nach seiner Meinung aber die Qualitätsprodukte her, nach denen der Weltmarkt sucht, und es gibt eine Infrastruktur, um die Produkte an die Käufer zu bringen, wobei der Preis der limitierende Faktor ist".

China orientiert sich um

Soja Verladen

Analysten sind überzeugt: Zahlungen zum Ausgleich von Handelsverlusten helfen kurzfristig zwar den Farmern, verbergen jedoch größere und längerfristige Auswirkungen des Handelskrieges. Außerdem sind sich die meisten Marktbeobachter sicher, dass die US-Exporte nach China wohl nie mehr zu ihren Glanzzeiten zurückkehren werden.

Das gilt wohl auch, wenn das Reich der Mitte seine derzeit massiven Probleme mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) gelöst hat. Denn: Die ASP-Epedimie in China drosselt den derzeitigen Importbedarf an Sojabohnen und anderen Futtermitteln auch ohne Handelskrieg massiv. Der Schweinebestand könnt sich nach Analystenschätzungen halbieren. Eine Rückkehr zu den bisherigen Importmengen würde also (wegen ASP) auch ohne den Handelskrieg viele Jahre dauern.

China hat jedoch schon vor dem Handelskrieg versucht, seine starke Import-Abhängigkeit von den USA zu verringern. Die Chinesen sehen die Amerikaner nämlich, nach Einschätzung von Analysten, als strategischen Wettbewerber an. Der amerkanische Farmerverband hatte in der vorigen Woche gemeldet, dass die USA im Jahr 2017 noch landwirtschaftliche Produkte im Wert von 19,5 Milliarden US-Dollar nach China exportierten. Im Jahr 2018 gingen die Agrarexporte der USA aufgrund von Vergeltungszöllen auf 9,1 Mrd. USD zurück. "Und die Exporte sind in der ersten Jahreshälfte 2019 um weitere 1,3 Milliarden US-Dollar geschrumpft", hieß es in einer Pressemitteilung des AFBF vom Freitag.

Neue Absatzmärkte werden gesucht

US-Agrarverbände und Analysten sind vor diesem Hintergrund überzeugt: Der Fokus muss auf dem Erschließen neuer Märkte liegen, um die US-Exporte wieder auszubauen. Beispielhaft für ein solches Szenario wird Russland als ehemaliger Haupabsatztmarkt für US-amerikanisches Geflügel angeführt, der nach den Sanktionen im Zusammenhang mit der Annexion der Krim, vollständig weggebrochen ist. Obwohl die US-amerikanischen Geflügelexporte zwar noch unter ihrem Höchststand liegen, verzeichnete die Branche in fünf aufeinander folgenden Jahren ein dynamisches Exportwachstum, da zahlreiche neue Märkte erschlossen wurden.

Myron Brilliant, Vizepresident der US-Handelskammer, sagte in der vorigen Woche, dass Präsident Trump zwar die Unterstützung der Kammer hat, dennoch wird ein konstruktiverer Ansatz vorgeschlagen. "Die US-amerikanische Wirtschaft hat seit vielen Jahren den Mangel an Fortschritten bei der Bekämpfung der unlauteren Handelspraktiken Chinas kritisiert." Brilliant fügte noch hinzu: „Obwohl wir die Frustration des Präsidenten teilen, sind wir der Ansicht, dass ein kontinuierliches, konstruktives Engagement der richtige Weg ist". Das sehen viele Farmer offenbar anders.

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