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Frauen in Führungspositionen

Verbandsarbeit: Mehr Frauen in die Spitzen!

Führungspyramide
am Donnerstag, 08.04.2021 - 09:15 (1 Kommentar)

In den Vorständen der Landesbauernverbände kommt auf 20 Männer eine Frau. Wir haben mit Dr. Heike Müller, Vizepräsidentin des LBV Mecklenburg-Vorpommern, darüber gesprochen, warum mehr Frauen ein Gewinn für die Verbandsarbeit sein könnten.

Frau Dr. Müller, Sie sind seit fünf Jahren Vizepräsidentin des Landesbauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Inzwischen haben Sie in Sabine Firnhaber sogar eine Mitstreiterin im Vorstand. Mit diesem Frauenanteil steht Ihr LBV ziemlich allein in Deutschland. Wie hat sich das entwickelt?

Ein Vizepräsidentinnenamt gehörte ursprünglich eigentlich nicht in meinen Lebensplan. Weil ich aber ziemlich intensiv in der Öffentlichkeitsarbeit unterwegs war – sei es auf Facebook, bei „Wir machen Euch satt“ oder als Landfrau –, wurde ich gefragt, ob ich mir nicht noch mehr vorstellen könnte. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit habe ich diese Frage bejaht. Meine Kollegin Sabine Firnhaber ist über die Zusammenarbeit mit „Land schafft Verbindung“ zu uns gestoßen, wollte Verantwortung übernehmen und hat sich erfolgreich zur Wahl gestellt.

Ist Verbandsarbeit mit Frauen in Spitzenpositionen anders?

Diese Frage kann ich nur aus meiner subjektiven Sicht beantworten. In der Verbandsarbeit gibt es immer den Innen- und den Außenaspekt. Innerhalb des Verbandes drehen sich alle Diskussionen um Fachthemen. Da ist Sachlichkeit und Fachlichkeit gefragt, völlig unabhängig vom Geschlecht. Nach außen, also im direkten Gespräch mit Entscheidungsträgern, sorgt man als Frau in einer Männerdomäne dagegen für so manchen Überraschungseffekt.

Würden mehr Frauen in den Spitzen und den Kommunikationsbereichen den Verbände guttun, um die Landwirtschaft in der Gesellschaft wieder ein bisschen mehr in ein positives Licht 
zu rücken?

Jeder Verband ist gut beraten, die Potenziale von Frauen verstärkt zu nutzen. Der Außenwirkung würde das sehr guttun. Da wir Landwirte in dieser Gesellschaft nur noch etwa 
ein Prozent ausmachen, sind sehr dicke Bretter zu bohren, um etwas gegen die Entfremdung zu tun. Und wir haben einiges aufzuarbeiten.

Liegt es nicht auch oft an den Frauen selbst, wenn sie in den Verbänden keine Karriere machen? Trauen sie sich vielleicht zu wenig zu?

Das fehlende Zutrauen sehe ich bei den vielen jungen, gut ausgebildeten Frauen, die mir beispielsweise auf den Demonstrationen der letzten anderthalb Jahre begegnet sind, nicht als Problem. Die sind tough. Die können auch reden, aber sie scheuen sich oft davor, sich dauerhaft einbinden zu lassen, schon gar nicht in solchen Altherrenclubs, als die unsere Verbandsspitzen oft wahrgenommen werden. 

Bräuchten wir also vielleicht doch eine Frauenquote in den Verbandsspitzen, wie die Präsidentin des deutschen LandFrauenverbands, Petra Bentkämper, sie fordert?

Ich persönlich bin gegen eine Quote und ich möchte auch nicht so gern als Quotenfrau wahrgenommen werden, weil das für mich den Touch einer Verlegenheitslösung hat. Ich bin eine Anhängerin von guten Beispielen und von Ermutigung und Förderung. Ich weiß aber, dass der Deutsche LandFrauenverband das anders sieht und akzeptiere das auch.

 

Dr. Heike Müller

Sabine Firnhaber und Heike Müller

Heike Müller (56) ist Landwirtin mit Leib und Seele. Ihr Milchviehbetrieb, die Müller/Wetzel GbR befindet sich in Gessin im Süden Mecklenburg-Vorpommerns, nahe Malchow. Seit 2016 ist sie Vizepräsidentin im Landesbauernverband Mecklenburg-Vorpommern. Dort befasst Sie sich unter anderem mit Kommunikationsfragen. Im vergangenen Jahr wurde sie in diesem Amt für weitere vier Jahre bestätigt.

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Dies war eine stark verkürzte Zusammenfassung des Originalinterviews mit Heike Müller.
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